Die Piram Metallverarbeitung aus Inzlingen beweist, wie sich ein kleiner Industriebetrieb mit klugen Ideen, überschaubaren Investitionen und hausgemachtem Stickstoff energieautark für die Zukunft rüsten kann.

Am nördlichen Ortseingang von Inzlingen versteckt sich eine unspektakuläre, lang gezogene Industriehalle mit Büros und Lagerflächen. Die 448 PV-Module auf dem flachen, gut 1000 Quadratmeter großen Satteldach sind von der Straße aus nicht zu sehen. Ebenfalls den Blicken entzogen ist der Stickstoffgenerator. Er steht zum Innenhof hin, neben der Einfahrt in die Werkshalle. Beides wurde Ende 2025 installiert und sorgt dafür, dass der kleine Industriebetrieb nahezu autark wirtschaften kann, wenn es um drei wichtige Ressourcen geht: Strom, Wärme und Stickstoff. Die Idee, eine Photovoltaikanlage auf dem Dach zu installieren, habe es schon lange gegeben, sagt Thomas Früh. Der Standort in dem weitläufigen Tal unter dem Buttenberg sei dafür schließlich prädestiniert.
Geleitet wird das Unternehmen seit 2006 von Thomas Früh und seinen Brüdern Michael Piram und Pascal Früh. Allen drei gemein: die Lust am Entwickeln und Optimieren. So spannen sie auch die Idee der bloßen Stromerzeugung durch Sonnenstrahlen weiter: Der Solarstrom soll zusätzlich für die Produktion von Stickstoff eingesetzt werden. Den finalen Impuls gab es im Herbst 2023 auf der Blechexpo in Stuttgart. „Wir haben da erfahren, dass es bereits Unternehmen gibt, die das tun“, sagt Michael Piram. Der Plan: „Während der Woche nutzen wir den Strom vom Dach für unseren Maschinenpark, am Wochenende geht er in die Produktion von Stickstoff“, erläutert Thomas Früh.
Return on Invest in weniger als zehn Jahren
300 000 Euro nahmen sie für das Vorhaben in die Hand. Mit dem Return on Invest rechnen sie in weniger als zehn Jahren. Die Investitionen umfassen nicht nur die technischen Anlagen, sondern auch intelligente Steuerungssysteme. Der Stickstoffgenerator ist dabei mit 80 000 Euro größter Einzelposten. Er sorgt dafür, dass das Unternehmen nicht mehr auf gelieferte Flaschen oder Flüssigtanks angewiesen ist, was nicht nur teuer, sondern auch logistisch einschränkend sein kann. „Hier liegt der größte Nutzen“, sagt Michael Piram. Ein- bis zweimal im Monat wurde das Unternehmen bisher mit Stickstoff aus der Schweiz beliefert. Die jährlichen Kosten beliefen sich dafür im Schnitt auf rund 24 000 Euro. Nicht eingepreist waren dabei die Tankmiete und der Transport.
„Wir haben eine Reinheit von 99,99 Prozent“, sagt Thomas Früh über den eigen produzierten Stickstoff. Damit hat er die gleiche Qualität wie der zuvor gekaufte. „Diese Reinheit ist die Voraussetzung dafür, das wir ihn nutzen.“ Benötigt wird der Stickstoff für das Schneiden von Edelstahl mit dem Laser. Bei Piram fällt das in den Aufgabenbereich von Michael Piram: „Der Laserstrahl schmelzt das Material auf, und mit dem Stickstoff wird das Schmelzgut aus dem Schnittspalt ausgeblasen.“ Der Vorteil von Stickstoff: Es bildet sich keine bläuliche Anlauffarbe an der Schnittstelle. Das aber hat seinen Preis: Bis zu 2,5 Tonnen Stickstoff werden dafür monatlich bei Piram benötigt.
Keine Gefahrguttransporte mehr
Mit dem Stickstoffgenerator ist die Piram Stahl- und Metallbaugesellschaft unabhängig von ihrem bisherigen Lieferanten. Das heißt: keine Gefahrguttransporte mehr. Die Leistung von 206 Kilowatt-Peak der PV-Anlage auf dem Dach reicht an einem Wochenende völlig für die Wochenproduktion von Stickstoff aus. Nicht ganz decken lässt sich aber der Energiebedarf über das gesamte Jahr, gibt Thomas Früh zu bedenken. „Im Sommer dürften wir 100 Prozent locker hinbekommen, im Winter sind es immerhin noch mehr als 50.“ Dazu kommt, dass die Maschinenbelegung, das Laden von Fahrzeugen oder das des E-Gabelstaplers den Sonnenzeiten angepasst werden kann. „Energieintensive Prozesse starten wir – wenn möglich – erst, wenn die Speicher mindestens halb voll sind.“ Auch das helfe ungemein weiter, um die Energiebilanz zu verbessern. Patrick Merck
Zulieferer und Produzent
Piram Stahl- und Metallbau wurde 1965 von Wilfried Piram in Inzlingen gegründet. Heute zählt das Unternehmen knapp 20 Mitarbeiter.
Piram ist in erster Linie Zulieferer für Pharma- und Chemieanlagenbauer, produziert aber auch unter der Marke Badema Anbaugeräte für die Landwirtschaft.
