Was früher nur Parkfläche war, produziert heute Strom für Autos und Maschinen: Mit Solar-Carport, Fassaden- und Dachanlagen treibt Gebrüder Schwarz die eigene Energieversorgung systematisch voran.

48 Parkplätze, 565 000 Euro Investition, 200 000 Kilowattstunden Strom pro Jahr – und das alles auf einer Fläche, die früher einfach nur Autos beherbergte. Was nach einer nüchternen Rechnung klingt, ist in Neukirch bei Rottweil Teil eines Transformationsprozesses: Der Kunststoffverarbeiter Gebrüder Schwarz hat sich seine Energieversorgung einfach selbst gebaut. Der Solar-Carport ist dabei nur der Anfang. Wo früher nur Autos standen, wird heute Strom produziert. Statt Fläche nur zu versiegeln, nutzt das Unternehmen sie doppelt – als Parkraum und als kleines Kraftwerk. Umgerechnet knapp 12 000 Euro pro Stellplatz hat der Bau gekostet. In der Summe stecken Fundamente, Stahlbau, Module, Umbauten und eine neue Ladeinfrastruktur mit elf Doppelladern für Elektrofahrzeuge.
Schwarz befindet sich mit seiner Parkplatz-PV-Anlage dabei längst nicht allein auf weiter Flur. Auch Unternehmen wie Markant in Offenburg oder WTO in Ohlsbach haben ihre Stellflächen mit Solarmodulen überdacht. Auch in Freiburg zeigt sich, dass solche Projekte inzwischen nicht nur Kür, sondern gesetzliche Pflicht sind: Auf dem Park-and-Ride-Parkplatz an der Paduaallee wurden jetzt 56 Stellplätze mit PV-Modulen überbaut. Die Anlage liefert rund 186 Megawattstunden Strom pro Jahr – genug für mehr als 50 Haushalte – und speist die Energie direkt in öffentliche Ladesäulen vor Ort ein. Hintergrund ist das Klimaschutz- und Klimawandelanpassungsgesetz des Landes: Seit 2022 müssen neue Parkplätze ab 35 Stellplätzen zu rund 60 Prozent mit Photovoltaik überdacht werden – egal ob kommunal oder auf Firmenarealen.
Strom für energieintensive Produktion
Was andernorts regulatorischer Druck ist, war bei Schwarz vor allem eine strategische Entscheidung. Der per Parkplatz-PV-Anlage erzeugte Strom fließt größtenteils direkt in den Betrieb. Etwa 70 Prozent werden unmittelbar vor Ort verbraucht. „Wir sind in der Spritzgussverarbeitung tätig, ein sehr energieintensiver Prozess“, sagt Geschäftsführer Jens Roth. Vor allem das Aufschmelzen der Kunststoffe benötige viel Energie. Was die Anlage unter der Woche produziert, landet deshalb direkt in Maschinen und Anlagen. Am Wochenende, wenn die Produktion ruht, wird überschüssige Energie ins Netz eingespeist. Durch die hohe Eigennutzung rechnet sich das Projekt schnell: Intern kalkuliert das Unternehmen mit einem Strompreis von 20,9 Cent je Kilowattstunde – daraus ergibt sich ein jährlicher wirtschaftlicher Vorteil von rund 30 000 Euro.
Gleichzeitig steigert das Bauwerk die Attraktivität für die Belegschaft. Rund 200 Mitarbeiter nutzen die Parkplätze – im Sommer spenden sie Schatten, im Winter entfällt das Eiskratzen. Dass darüber hinaus Ladepunkte zur Verfügung stehen, ist ein zusätzlicher Bonus: Beschäftigte können ihre privaten Elektroautos laden, die Kosten werden mit dem Lohn verrechnet. Auch der Fuhrpark wird schrittweise elektrifiziert. Ein kompletter Umstieg bleibt zwar das Ziel, aber ohne festen Zeitplan. „Wir wollen weiter unseren CO₂-Ausstoß reduzieren, aber wir müssen es an der tatsächlichen Nutzung und unseren Prioritäten ausrichten“, betont Roth.

Der Carport ist jedoch nur ein Baustein eines deutlich größeren Umbaus der Energieversorgung, den das Unternehmen bereits 2021 gestartet hat. Ein Lastspitzenmanagement sorgt dafür, dass gleichzeitig ladende Fahrzeuge und laufende Produktion die 1000-Kilowatt-Grenze nicht überschreiten. Dafür wurde ein eigener Transformator installiert – inklusive Trafohaus und umfangreicher Leitungsarbeiten. Wenig später folgte die nächste Ausbaustufe: eine vertikale Agri-PV-Anlage mit 350 Kilowatt-Peak auf 9400 Quadratmetern. Hinzu kommen Module auf 8000 Quadratmetern Dachflächen sowie eine neue Südfassadenanlage mit 76 Kilowatt-Peak auf 400 Quadratmetern. Gerade sie überrascht im Winter mit stabilen Erträgen. „Die Fassade hat sich als ziemlich sexy erwiesen, weil sie geliefert hat, während die Dachanlagen zugeschneit waren“, sagt der ehemalige Geschäftsführer und Gesellschafter Uwe Schwarz. Zusammengerechnet erzeugt das Unternehmen inzwischen rund 1,2 Gigawattstunden Solarstrom pro Jahr – bei einem Fremdbezug von nur noch 3,2 Gigawattstunden.
Heizen mit Prozesswärme
Energieeffizienz spielt dabei schon lange eine Rolle. Bereits 2011 setzte man im Neubau auf eine Fußbodenheizung, die vollständig mit Prozesswärme gespeist wird – aus Hydraulik- und Werkzeugkühlung sowie aus Druckluftprozessen. „Wir nutzen die gesamte Prozesswärme für die Heizung des Gebäudes“, beschreibt Jens Roth den internen Kreislauf. 2015 folgte die Umstellung auf tageslichtabhängige LED-Beleuchtung in der gesamten Fertigung. Der Leistungsbedarf sank dadurch von 44 auf elf Kilowatt. Die Zahlen zeigen, wie konsequent Schwarz den Weg der Eigenversorgung und Effizienz verfolgt.
Trotzdem müssen jährlich noch rund 3,2 Gigawattstunden Strom zugekauft werden – für etwa 655 000 Euro. Dass dieser Betrag zuletzt gesunken ist, sieht Uwe Schwarz mit gemischten Gefühlen. Niedrigere Strompreise entlasten zwar kurzfristig die Kosten, könnten aber Investitionen bremsen. „Wenn es sich nicht mehr lohnt, macht es keiner“, sagt er nüchtern. Am Ende handle die Wirtschaft ökonomisch – nicht ökologisch. Daniela Santo
Photovoltaik-Netzwerk BW
Photovoltaik-Anlagen auf Parkplatzflächen und Stellplätzen sind laut EEG förderfähig. Mehr Informationen dazu liefert das Faktenpapier des Photovoltaik Netzwerks Baden-Württemberg.
