Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe 03/26 - Hochrhein-Bodensee
Wirtschaft im Südwesten 3/2026 24 G lobal bescha en, lokal produzieren – dieses Prinzip hat Lieferketten über Jahrzehnte geprägt. Seit der Corona- Pandemie gerät dieser Ansatz jedoch zuneh- mend unter Druck. Der Krieg in der Ukraine und die Blockade der Straße von Hormus zeigen erneut, wie anfällig global vernetzte Arbeits- teilung sind kann. Die Folgen: Lieferausfälle verzögern Produktionen, treiben Preise und erhöhen die Unsicherheit. Während die Auto- industrie zuletzt wegen fehlender Mikrochips unter Druck stand, leidet aktuell vor allem die chemische Industrie unter den Auswirkungen des Iran-Konikts. Das zeigt die jüngste Kon- junkturstudie des Münchener Ifo-Instituts. „Die Lieferketten bleiben angespannt“, sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Umfragen. Be- sonders betro en seien Branchen mit hohem Bedarf an öl- und energieintensiven Vorpro- dukten. Knapp ein Drittel der Chemieunter- nehmen meldet Materialmangel, bei Herstel- lern von Gummi- und Kunststo waren sind es 24 Prozent. Auch in der Elektroindustrie be- richtet jedes vierte Unternehmen von Proble- men. Die Automobilbranche liegt mit zehn Pro- zent ebenfalls deutlich über dem langjährigen Durchschnitt, der industrieweit bei fünf Prozent liegt „Es ist durchaus möglich, dass mehrere Unternehmen infolge der Engpässe die Pro- duktion senken müssen“, soWohlrabe. Frühzeitig gegensteuern Die Zahlen verdeutlichen das Risiko von Pro- duktionsausfällen – und warum Unternehmen ihre Lieferketten neu ausrichten müssen, um weniger angreifbar zu sein. Auch der Waldkir- cher Sensorhersteller Sick (mehr als 10000Mit- arbeiter weltweit, Jahresumsatz 1,85 Milliarden Euro) reagiert: „Wir haben seit der Corona-Zeit gesehen, dass sich Rahmenbedin- gungen insgesamt deutlich verän- dert haben – mit höherer Volatilität, steigenden Kosten und geringerer Planbarkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette“, sagt Ulrike Kahle-Roth, als Chief Operating Of- ¤cer unter anderem für Lieferketten und Auftragsabwicklung zuständig. Ziel sei es, frühzeitig gegenzusteuern und die Lieferfähig- keit stabil zu halten – durch einen breiter auf- gestellten Einkauf, eng verzahnte Prozesse und ein exibles Produktionsnetzwerk. Der Umbau gewachsener Strukturen ist jedoch komplex. Sick setzt auf mehrere Hebel: neue Bezugsquellen, klar de¤nierte Rollen für Stand- Fotos: Sick AG Auf Nummer sicher Für viele Industrieunternehmen wird die Bescha ung von Vorprodukten immer schwieriger: Sick zeigt, wie Unternehmen gegensteuern und ihre Lieferketten robuster aufstellen können. Schwerpunkt Sicherheit: resiliente Lieferketten Jörg Hermle, IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg „Lieferketten sind volatil. Die IHK schat Kontakte und neue Lösungsansätze.“
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