Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Januar '20 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

28 IHK Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 1 | 2020 REGIO REPORT IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg Kleine und mittelständische Betriebe haben meist einen anderen Informationsbedarf als große Unternehmen. Kleine Tipps können deshalb schon einen großen Nutzen bringen. Auf dieser Doppelseite möchten wir Ihnen wertvolle Hinweise geben – und sind Ihnen dankbar für Ihre Fragen, die wir Ihnen gerne beantworten (ratgeber@vs.ihk.de) . Kleine Tipps – große Wirkung Tipps für Arbeitgeber, die Geflüchtete ausbilden wollen Welchen Status hat der Geflüchtete? Zunächst stellt sich die Frage, ob der Geflüchtete eine Bleibepers- pektive hat oder die Abschiebung droht. Wie gut sind seine Deutschkenntnisse? Sehr wichtig! Deutschkenntnisse müssen für eine Ausbildung aus- reichend vorhanden sein, um für den Arbeitgeber sowie den Auszu- bildenden einen zufriedenstellenden Ausbildungsverlauf zu gewähr- leisten. Viele Geflüchtete sind im Betrieb in der praktischen Arbeit sehr gut, haben aber in der Berufsschule große Schwierigkeiten, da sie mit sprachlichen Problemen kämpfen und dem Unterricht nicht folgen können. Für die Berufsschule ist im Normalfall mindestens B2 erforderlich. Das gilt für den Sprachgebrauch und vor allem für das Textverständnis. Wenn der Geflüchtete den deutschen Text nicht versteht und den Inhalt nicht erfassen kann, ist eine erfolgreiche schulische Ausbildung nicht möglich. Das lässt sich im ersten Lehr- jahr meist noch einigermaßen ausgleichen, aber sobald es Richtung Zwischenprüfung oder erweiterter Abschlussprüfung Teil 1 geht, werden die Probleme offensichtlich. Viele Geflüchtete brechen die Lehre dann ab, weil sie einfach überfordert sind. Hilfe ja, aber an der richtigen Stelle Des Öfteren werden Betriebe von ehrenamtlichen Betreuern oder generell angesprochen, dass sie unbedingt einen Geflüchteten in Ausbildung nehmen sollen, weil ihm ansonsten die Abschiebung droht. Da viele Chefs empathisch und fürsorglich sind - insbeson- dere bei kleinen Betrieben - stoßen sie dabei auf positive Resonanz. Dies ist vorbildlich und menschlich hoch anzurechnen. Allerdings sollten sich alle Beteiligten im Vorfeld Gedanken darüber machen, ob es sinnvoll ist, den Geflüchteten in Ausbildung zu nehmen, ob der junge Mensch schon in der Lage ist, eine Ausbildung zu meistern, oder ob es nicht sinnvoller wäre, erst die Sprache besser zu erler- nen. Denn wenn die Ausbildung abgebrochen oder die Prüfung nicht geschafft wird, entfällt der Schutzstatus. Sollten sich Arbeitgeber dazu entschließen, einen Geflüchteten in Ausbildung zu nehmen, muss immer klar sein, dass dieser mehr Hilfe benötigt als nur einen Ausbildungsplatz. Praktikum und EQ empfehlenswert Um die Kompetenzen von Geflüchteten einschätzen zu können, empfiehlt es sich auf alle Fälle, den Geflüchteten ein Praktikum Bild: iStock - SolStock

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