Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe September '19 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

Wirtschaft im Südwesten 9 | 2019 32 REGIO REPORT   IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg Herr Gangnus, wie kann ich mein geistiges Eigentum wirksam und langfristig schützen? Nach wie vor ist die Anmeldung eingetragener Schutzrechte die Basis eines wirksamen und langfristigen Schutzes geistigen Eigentums. Wir sehen jedoch einen immer stärker werdenden Trend hin zur Nutzung alternativer Schutzmöglichkeiten, wie zum Beispiel Urheberrechte oder Geschäftsgeheimnisse. Bei einem urheberrechtsbasierten Verfahren müssen eine gewisse Kreativität in der Aus- gestaltung eines Produktes nachgewiesen und der Kreationsprozess dargelegt werden. Dies gelingt besser bei Produkten mit charakteristischen Designs. Der Schutz von Know-how und Geschäftsgeheimnissen gewinnt in China an Bedeutung, und auch die rechtlichen Grundlagen zur Verfolgung von Know-how-Diebstählen werden umfangreicher und besser ausgestaltet. Welche Strategien verfolgen die Fälscher beim Export der Waren? Die Fälscher setzen hier auf verschiedene Strategien. Erstens das Weglassen der Mar- kenzeichen des Originalherstellers oder die Verwendung eigener Marken. Auf diese Weise ist es zum Beispiel schwierig für den chinesischen oder europäischen Zoll, den Export beziehungsweise Import der Plagiate im Rahmen von Grenzbeschlagnahmemaßnahmen zu verhindern. Zweitens die Atomisierung der Fälscheraktivitäten. Oftmals gibt es nicht nur „den ei- nen“ Fälscher, vielmehr werden Produktion und Vertrieb in umfangreichen Netzwerken organisiert, in denen jeder Schritt der Wertschöpfung von einer anderen kleinen Firma durchgeführt wird. Das macht es Rechteinhabern schwer, gegen Fälscher vorzugehen. Es dauert manchmal mehrere Monate, bis wir solche Netzwerke durch verdeckte Ermittlungen offenlegen können. Und drittens E-Commerce und kleinteilige Warensendungen. Über mittlerweile auch in Europa sehr bekannte chinesische E-Commerce-Plattformen wie Alibaba erreichen chine- ZUR PERSON Alexander Gangnus ist Senior Mana- ger bei Chinabrand IP Consulting GmbH, einer Managementberatung mit Büros in München, Boston (USA) und Shanghai (China), die sich auf den Schutz geis- tigen Eigentums westlicher Firmen in China spezialisiert hat. Nach seinem Stu- dium der Sinologie, Betriebswirtschaft und Kommunikationswissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München konzentriert er sich bei Chi- nabrand auf die Verfolgung von Pro- dukt- und Markenfälschern in China. Des Weiteren berät er bei technischen Lösungen zum Schutz vor Produktpira- terie und Industriespionage. » Wir empfehlen die Atombomben- Strategie « Wie unsere Titelgeschichte in dieser Ausgabe zeigt, ist Deutschland eines der am häufigsten von Produkt- und Mar- kenpiraterie betroffenen Ländern der EU. Zwei Drittel der vom deutschen Zoll beschlagnahmten gefälschten Waren stammte dabei aus der Volksrepublik China und aus Hongkong. Die Folgen für die Hersteller sind gravierend. Alexander Gang- nus von der Chinabrand IP Consulting GmbH unterstützt seit mittlerweile zehn Jahren Unternehmen bei der Verfolgung und Bekämpfung der chinesischen Marken- und Produktpiraterie. Viele deutsche Technologie- und Weltmarktführer gehören zu seinen Mandanten. Alexander Gangnus zur Praxis der Produkt- und Markenpiraterie

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