Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe September '19 -Schwarzwald-Baar-Heuberg
9 | 2019 Wirtschaft im Südwesten 31 ANZEIGE NACHGEFRAGT bei Tobias Bacher, Niederlassungsleiter der Energieagentur Schwarzwald-Baar- Kreis und Partner im regionalen Photovoltaiknetzwerk Herr Bacher, die Bundesnetzagentur vermeldet für das letzte Jahr einen Zubau von rund drei Gigawatt an Photovoltaikleis- tung. Erlebt die Solarenergie gerade eine Renaissance? Eindeutig ja. Nachdem die Einspeisevergütungen in den Jahren 2011/2012 immer stärker gesunken sind, haben viele der Photo- voltaik den Rücken gekehrt. Erfreulicherweise setzt aktuell eine spürbare Gegenbewegung ein, denn der Markt hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Die Preise für die Anschaffung der Module sind stark gesunken und die Einspeisevergütung hat sich eingependelt – wenn auch auf einem niedrigen Niveau. Und auch politisch wird der Ausbau der Solarenergie in Deutschland und speziell in Baden-Württemberg mit den regionalen Photo- voltaiknetzwerken gefördert. Die zugesicherte Einspeisevergütung endet 20 Jahre nach Inbetriebnahme der Anlage. Viele Anlagenbetreiber stellen sich daher aktuell die Frage, was sie mit der bestehenden Photovoltaikanlage nach dieser Zeit machen? Die Nutzungsmöglichkeiten sind da vielfältig. Zunächst einmal ist der erste Schritt die Umstellung zur Eigenstromnutzung und hier gleichzeitig die Maximierung des Eigenstromverbrauchs. Der Überschussstrom könnte beispielsweise weiter, jedoch nur noch zu Börsenpreisen eingespeist und direktvermarktet wer- den. Es gibt auch Modelle einer sogenannten Stromcloud oder die Vermarktung des Stroms in einer Genossenschaft. Das Um- weltministerium ist hier aktuell dabei, Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten. Auch der Einsatz von Stromspeichern zur Erhöhung des Eigenstrombedarfs wäre ein möglicher Ansatz. Wäre denn eine Photovoltaikanlage zur Eigenstromnutzung für kleine und mittlere Unternehmen eine Alternative, stei- genden Strompreisen zu begegnen? Gerade wenn man möglichst viel Strom aus der Anlage selbst verbrauchen könnte, was in vielen Betrieben dieser Größenord- nung wahrscheinlich ohne weiteres möglich wäre, lohnt sich eine Photovoltaikanlage durchaus. Je nach Anlagentyp und Global- strahlung liegen die Stromgestehungskosten zurzeit zwischen 3,7 und 11,5 Cent pro Kilowattstunde. Die regulären Stromkosten, die der Stromversorger in Rechnung stellt, liegen gerade bei kleinen Unternahmen teilweise deutlich darüber. Und mit einem Stromspeicher ließe sich der Anteil an selbstgenutzten Strom vermutlich noch zusätzlich hochschrauben. Außerdem haben wir festgestellt, dass viele Betreiber sichtlich stolz auf ihre Anlagen sind und häufig weitere Maßnahmen er- greifen, die Umweltbilanz des Unternehmens kontinuierlich zu verbessern. Das Interview führte Marcel Trogisch, der auch weitere Infos zur Sache gibt. trogisch@vs.ihk.de
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