Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Juni'19 -Schwarzwald-Baar-Heuberg
Wirtschaft im Südwesten 6 | 2019 24 REGIO REPORT IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg Guido Wolf beim IHK-Außenwirtschaftsausschuss EU ist unverzichtbar M it einer Einschätzung der turbulenten Politik- und Handelssituation rundete der Landesminister der Justiz und für Europa, Guido Wolf, die konstituierende Sitzung des IHK-Außenwirtschaftsausschusses ab: Gui- do Wolf präsentierte den rund 40 Unternehmensver- tretern im Konferenzsaal des Thyssenkrupp-Testturms die Sicht der Landesregierung auf das Geschehen rund um Brexit, US-Handelsstreitigkeiten und die politischen Entwicklungen in Osteuropa im Kontext der Wahlen zum Europaparlament Ende Mai. Wohl kaum ein ehrenamtliches Gremium der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg hat derzeit so viele unge- wohnte und schwer zu beantwortende Fragen auf dem Tisch wie der Außenwirtschaftsaus- schuss: Vertreter von international tätigen Un- ternehmen aus der Region kamen zusammen, um sich in ihrer konstituierenden Sitzung auf eine neue Periode als Beratungsgremium ein- zustimmen. Guido Wolf widmete sich in seinem rund ein- stündigen Impulsvortrag vor dem Gremium und einigen weiteren Gästen ausführlich den aktuellen Fragestellungen, begrüßt von Bernd See- mann (Aesculap AG), kommissarischer Vorsitzender des Ausschusses. IHK-Geschäftsbereichsleiter Thomas Wolf zeigte sich in seinem kurzen Grußwort ebenfalls gespannt auf die Einschätzungen des Ministers. „Die aktuelle Situation ohne klare Perspektive, wie der britische Ausstieg aus der EU aussehen wird, ist verhängnisvoll für die Wirt- schaft“, so sein Fazit. Ein „harter“ Brexit sei für Unternehmen in Baden-Würt- temberg ein echtes Problem: Rund elf Milliarden Euro betrage das Exportvolumen nach Großbritannien aus dem Land – ein großes Exportgeschäft, für das es plötz- lich völlig unklare Rahmenbedingungen geben könnte, so der Minister. Kritisch betrachtete Guido Wolf auch die Entwicklung in einigen osteuropäischen Staaten, die sich derzeit von eu- ropäischen Werten wie Rechtsstaatlichkeit und Rechtssi- cherheit abwendeten. Das Erstarken von Kräften an den politischen Rändern sei ein weiteres Problem, dem sich die EU gegenübersehe. „Den Laden zusammenhalten, das ist die vordringliche Aufgabe im Moment“, unter- strich der Minister. Gemeinsame Lösungen notwendig Dass die EU unverzichtbar sei, um in der Weltpolitik über- haupt eine Stimme zu haben, daraus machte Wolf keinen Hehl: „Ein einzelnes kleines Land kann im Dialog mit USA, China, Russland oder Indien kaum etwas erreichen. Wir brauchen die gemeinsame Stimme Europas.“ Dass die EU lernen müsse, für die großen Herausforderungen gemeinsame Lösungen zu finden, sei eine oft gehörte Mahnung. Dennoch sei die EU – trotz ihrer derzeitigen Schwierigkeiten – unverzichtbar für den Erhalt von Frie- den, Freiheit und Sicherheit in Europa. „Die Mehrheit der jungen Menschen lebt die europäische Idee längst, wir müssen aber deutlich machen, dass das ohne die EU nicht möglich wäre. Manche junge Men- schen würde man gerne für zwei Tage in die Zeiten vor Justiz- und Europami- nister Guido Wolf war Gast des Außenwirt- schaftsausschusses der IHK Schwarzwald- Baar-Heuberg. Bild: Ralph Gravenstein »Den Laden zusammenhalten ist die vordring- liche Aufgabe«
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