Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Mai'19 - Schwarzwald-Baar-Heuberg

Wirtschaft im Südwesten 5 | 2019 24 REGIO REPORT IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg B eim Blick auf die Umsetzung der neuen Europäischen Medi- zinprodukteverordnung 2017/745 (EU-MDR) bleiben die Sor- genfalten in der Branche tief. Im Mai kommenden Jahres läuft die Übergangsfrist aus. Die IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg und die Medical Mountains GmbH setzen auf ebenso pragmatische wie praktische Herangehensweisen, deren Erfolgsrezept auf der Vernet- zung der Akteure beruht. Mit seiner rund 150-jährigen Geschichte und aktuell rund 400 Medizintechnikunternehmen wird Tuttlingen als Weltzentrum der Medizintechnik bezeichnet. Vor allem mit chi- rurgischen Instrumenten, Implantaten und optischen Instrumenten haben sich Stadt und Region international einen hervorragenden Ruf erarbeitet – „Made in Tuttlingen“ steht für Qualität und Zuverläs- sigkeit. Die dortigen Industrievertreter wurden sofort hellhörig, als 2011 der Brustimplantat-Skandal um den französischen Hersteller PIP publik wurde und sich die Europäische Kommission in der Folge anschickte, den Rechtsrahmen zu novellieren. Toxischer Kreislauf „Wir haben die Entwicklung von Anfang an aufmerksam verfolgt“, erinnert IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Albiez. „Und nachdem die ersten Entwürfe auf dem Tisch lagen, wurde uns schnell bewusst: Dies wird die Branche umkrempeln. Wir dürfen nicht nur zuschauen, was daraus wird. Wir müssen selbst aktiv werden.“ Dass just zu diesem Zeitpunkt die IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg mit weiteren Gesellschaftern Medical Mountains ins Leben gerufen hatte, kann im Nachhinein als Glücksfall gewertet werden. Die Gründer schrie- ben der GmbH ins Stammbuch, alle Medizintechnikunternehmen zu vernetzen und zu unterstützen – was im Zuge der EU-MDR eine neue Qualität erhalten hat. „Unser ganzer und ebenso ganzheitlicher Einsatz gilt der qualitativ hochwertigen und innovativen Medizintech- nik und einer fortschrittlichen Patientenversorgung“, formulieren die Geschäftsführerinnen Yvonne Glienke und Julia Steckeler das Credo der Medical Mountains GmbH. Vor diesem Hintergrund gehen praktische Hilfestellungen für Unternehmen Hand in Hand mit der Interessenvertretung gegenüber Politik und Behörden. Bereits 2013 unterzeichneten mehr als 400 Medizinprodukteher- steller ein an Brüssel adressiertes Positionspapier, in dem Medical Mountains und die IHK Augenmaß bei der Ausgestaltung der EU- MDR anmahnten. „Es ging nie darum, den Gesetzgebungsprozess zu verhindern, sondern ihn durch fachlich fundierte Einwände in realisierbare Bahnen zu lenken“, betont Glienke. „Zwar konnten auf unsere Initiative hin einige Passagen entschärft werden, nach wie vor stehen aber vor allem kleine und mittlere Unternehmen vor schier unüberwindbaren Hürden.“ Derzeit sei ein toxischer Kreislauf zu beobachten: Immer mehr Personal werde benötigt, um dem wachsenden Dokumentations- aufwand Herr werden zu können. Dadurch fehlten Ressourcen zur Entwicklung neuer Produkte – wodurch gerade kleinen, innovati- ven Herstellern die Existenzgrundlage entzogen werde, beschreibt Yvonne Glienke die drohenden Folgen für das Tuttlinger Cluster, in dem rund die Hälfte der Medizinprodukteunternehmen weniger als 50 Mitarbeiter zählen. Daher ist weiterhin der Dialog gefragt – angefangen bei regionalen Entscheidungsträgern bis in höchste Parlamentskreise. Auf Landesebene trägt Medical Mountains die Stimmen der Unternehmen unter anderem im „Forum Gesund- heitsstandort Baden-Württemberg“ vor. Die Fragen und Forde- rungen fließen ebenso in den vom Bundesgesundheitsministerium angestoßenen „Nationalen Arbeitskreis zur Implementierung der neuen EU-Verordnungen über Medizinprodukte (MDR) und In-vitro- Diagnostika (IVDR)“ (NAKI) ein. Hier ist Medical Mountains in der Untergruppe drei „Herstellerpflich- ten“ vertreten. Die entscheidende Instanz tagt jedoch in Brüssel. Medical Mountains und IHK wurden mehrfach bei der EU-Kommissi- on vorstellig. Im Gegenzug konnten mehreren EU-Kommissaren und weiteren hochrangigen Politikern bei Gesprächen in Tuttlingen die möglichen Folgen der Verordnung direkt vor Augen geführt werden. Verschiedene Werkzeuge etabliert Um die Vorgaben zeitgerecht meistern zu können, hat Medical Mountains verschiedene Werkzeuge etabliert. Diese beginnen bei Checklisten, Anwendungs-Leitfäden und Qualifizierungsangeboten und münden im Experttable EU-MDR: Ende 2017 von Medical Moun- tains initiiert, erarbeiten Spezialisten aus 14 Medizintechnikunter- nehmen pragmatische Hinweise, Vorlagen und Orientierungshilfen zur fachlichen Umsetzung der Verordnung. Die Ergebnisse bleiben aber nicht im kleinen Kreis verborgen, sondern können von weiteren Unternehmen im Rahmen einer passiven Mitgliedschaft bezogen werden. Diese Offenheit und Kooperationsbereitschaft sei nicht Medizinprodukteverordnung: IHK und Medical Mountains setzen auf Dialog „Nicht nur ‚Made in Tuttlingen‘ steht auf dem Spiel“ Der Arbeitgeber-Service: gut für Ihre Beschäftigten und Ihr Unternehmen. www.dasbringtmichweiter.de Publication name: Dachkampagne Anzeige 180x50 generated: 2016-10-26T14:11:08+02:00 ANZEIGE

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