Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Mai'19 - Schwarzwald-Baar-Heuberg
ANZEIGE selbstverständlich, betont Steckeler, „zeigt aber auch, dass alle um den Ernst der Lage wissen“. Die ersten Auswirkungen der EU-MDR sind im Raum Tuttlingen zu spüren. Produkte werden aus dem Sortiment genommen, Unter- nehmen ziehen sich vom Markt zurück, Vielfalt schwindet. „Die Innovationskraft wird mittelfristig merklich nachlassen“, befürchtet IHK-Präsidentin Birgit Hakenjos-Boyd. Die jüngste Erhebung des Deutschen Industrie- und Handelskammertags und des Branchen- verbands Spectaris bestätigt ihre Einschätzung. Demnach sehen fast 80 Prozent der Befragten diese Konsequenz kommen. „Wenn weniger Entwicklungsanstrengungen unternommen werden und weniger neue Produkte auf den Markt kommen, leidet darunter der vielfältige Mittelstand in der Region“, sagt Hakenjos-Boyd. Das betreffe vor allem hochspezielle Instrumente in kleinen Stückzahlen, deren Herstellung und Zulassung in Europa nicht mehr wirtschaftlich wäre. „Für lebensrettende Nischenprodukte muss es eine Son- derregelung geben. Alles andere wäre den betroffenen Patienten gegenüber unverantwortlich.“ Gewachsene Strukturen erhalten „Umso wichtiger ist es, die gewachsenen, erfolgreichen Strukturen aus großen, mittleren und kleinen Unternehmen zu erhalten“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Albiez. „Nicht nur ‚Made in Tuttlingen‘ steht auf dem Spiel, sondern ‚Made in Germany‘ im Allgemeinen.“ Er appelliert, Cluster wie in Tuttlingen und deren Unterstützungs- angebote stärker in Anspruch zu nehmen: „Was einer allein nicht kann, schafft er in der Gemeinschaft. Vernetzung lautet das Gebot der Stunde.“ Ke Bild: Medical Mountains Julia Steckeler, Thomas Albiez, Yvonne Glienke und Birgit Hakenjos-Boyd (von links) blicken auf die Prob- lemfelder der EU-MDR und pragmatische Lösungsan- sätze für Medizintechnik- unternehmen. Medical Mountains Die Clustermanagement-Gesellschaft Medical Mountains AG mit Sitz in Tuttlingen vernetzt und unterstützt alle Akteure der Medizintechnikbran- che. Medical Mountains fördert den Dialog, ver- bindet Stärken und schafft Plattformen für den Aus- tausch. Durch strategi- sche und systematische Abstimmungen werden Kooperationen und Sy- nergien ermöglicht: Die Zusammenarbeit und gegenseitige Befruchtung mit regionalen, nationalen und internationalen Partnern liefert vor allem kleinen und mittelständi- schen Unternehmen einen wichtigen Wissens- und Technikvorsprung. Gesellschafter der Medical Mountains GmbH sind IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg (51 Prozent), Landkreis Tuttlingen (14 Prozent), NMI - Natur- wissenschaftliches & Medizinisches Institut an der Universität Tübingen, Landesinnung Chirurgieme- chanik, Hahn-Schickard Gesellschaft für angewandte Forschung e.V., Handwerkskammer Konstanz und Stadt Tuttlingen (jeweils sieben Prozent). ke
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