Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Januar'19 - Südlicher Oberrhein

Wirtschaft im Südwesten 1 | 2019 22 REGIO REPORT IHK Südlicher Oberrhein Beinahe 300 Interessierte beim IHK-Kongress „DigitaleZukunft“ in Offenburg Die Digitalisierung anpacken B ereits beim Neujahrsempfang vor einem Jahr hatte IHK-Präsident Steffen Auer angekündigt: „Wir als IHK Südlicher Oberrhein werden in den kommenden Jahren ein Projektbudget von mindestens einer Million Euro aufsetzen, um die Unternehmen in Sachen Digitalisierung zu beraten und fit zu machen.“ Beim IHK-Kongress „DigitaleZukunft“ konkretisierte er diese Pläne: „Unter anderem werden wir zwei Vollzeit- stellen einrichten, die die Unternehmen informieren und sensibilisieren.“ Ganz wichtig neben diesen Punk- ten sei außerdem – gerade für die Vielzahl der IHK- Mitgliedsbetriebe mit weniger als 20 Mitarbeitern – die Vernetzung untereinander, damit erfolgreiche Lösungen aus Firmen in andere übertragen werden. Essenziell sei auch die Weiterbildung, merkte Auer an: „Ein Großteil Ihrer heutigen Mitarbeiterinnen und Mit- arbeiter wird in fünf Jahren vielleicht eine ganz andere Tätigkeit ausüben als heute.“ Welchen Stellenwert die Digitalisierung im Leben al- ler schon jetzt einnimmt, machte Christopher Peterka deutlich. „Wer von Ihnen hatte an diesem Morgen schon sein Smartphone in der Hand?“ Auf die Frage des Futuristen und Unternehmers ging bei allen Teil- nehmern ein Arm in die Höhe. Peterka blickte fernab der Technik auf das Thema. „Wir treten gerade in eine neue Epoche ein. Ich nenne sie die Digitale Moder- ne, das Ende der Gutenberg-Galaxis und der Beginn der Zuckerberg-Galaxis.“ Hier gelte es zu handeln, für alle Bereiche der Gesellschaft. „Sonst ist das nur ein Stühlerücken auf der Titanic.“ Dass die IHK Südlicher Oberrhein ihre Mitglieder unterstütze, „nicht nur mit Kabeln“, sondern „eine schlauere und verantwortungs- vollere Digitalkultur in die Unternehmen“ bringe, be- grüßte der Experte sehr. Einen Einblick in die künstliche Intelligenz, kurz KI, bot Bernhard Nebel, Professor der Universität Freiburg. „Das Argument, dass KI-Techniken zu Arbeitslosigkeit führen werden, gibt es bereits seit den 1970er Jahren.“ Die Automatisierung zu stoppen, mache jedoch wenig Sinn. Nebel: „Die Politik muss den Technologiewandel begleiten.“ Für Gerhard Schabhüser, Vizepräsident des Bundes- amts für Sicherheit in der Informationstechnik, bedeu- tet Digitalisierung zweierlei: „Einerseits bringt sie mehr Möglichkeiten, auf die Deutschland nicht verzichten kann und soll. Andererseits birgt sie mehr Gefahren, auf die Deutschland vorbereitet sein muss.“ Den Un- ternehmern empfahl er: „Wenn ihr Netzwerk Opfer eines Angriffs wird, holen Sie sich professionelle Hilfe dazu. Und handeln Sie besonnen und nicht hektisch. Im Schnitt dauert es 240 Tage, bis ein Angreifer im System entdeckt wird; auf einen Tag mehr oder weniger kommt es dann auch nicht mehr an.“ Bernd Reimer von Pricewaterhouse Coopers Germany sprach über die Aufdeckung von Wirtschafts- und Unternehmenskri- minalität in Zeiten der Digitalisierung. „Wenn altes Schweinefleisch in eine Lagerhalle gebracht wird und Jahre später als frisches Wildfleisch wieder heraus- kommt, ist das einzig eine Frage der Daten.“ In dem von Saskia Naumann moderierten Podiums- gespräch kamen die vier Experten noch einmal zu- sammen. „Wir dürfen nicht stehen bleiben, müssen Unabhängig von der Branche: Für die Wirtschaft ist die Digitalisierung eines der wichtigsten Themen der Zukunft. Deshalb hat die IHK Südlicher Ober- rhein die Kampagne „DigitaleZukunft – Wirtschaft 4.0 in der Region Südli- cher Oberrhein“ gestartet. Den Anfang machte Ende November der gleichnami- ge Fachkongress in der Oberrheinhalle in Offenburg mit viel Expertenwissen, Diskussionen, Austausch und knapp 300 Interessierten. »Eine neue Ära: das Ende der Gutenberg-Galaxis, der Beginn der Zuckerberg-Galaxis«

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