Wirtschaft im Südwesten
2 | 2017
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REGIO
REPORT
IHK Südlicher Oberrhein
E
in halbes Dutzend Kinder in roten Gummikitteln sitzt im Turn-
raum der Kita in Kehl-Bodersweier um einen Tisch. Darauf
stehen gelbe, grüne, rote und blaue Farbschalen, die Farben
darin sind ziemlich verwässert. Mit einem Pinsel klecksen die Vier-
bis Fünfjährigen die Farbe auf ein weißes Blatt Papier, um sie dann
mit einem Strohhalm zu langgezogenen Farbrinnsalen quer über
das Blatt zu pusten. „Damit erledigen wir gleich drei Dinge auf
einmal“, erklärt Kita-Leiterin Martina Zaum-Hoffmann. „Durch das
Experiment lernen die Kinder erstens, dass Luft Wasser bewegen
kann und zweitens, welche neuen Farbtöne entstehen, wenn ver-
schiedene Farben gemischt werden. Und drittens haben wir am
Ende wunderschöne Einladungen für unser Sommerfest.“
Seit sieben Jahren besuchen die Fachkräfte der Einrichtung die
Fortbildungen, die die IHK Südlicher Oberrhein als lokaler Netz-
werkpartner vom „Haus der kleinen Forscher“ anbietet. „Einmal
sind wir schon zertifiziert, die zweite Zertifizierung erfolgt noch
diesen Sommer“, berichtet Zaum-Hoffmann. Neben den angelei-
teten Experimenten können die Mädchen und Jungen im speziell
eingerichteten Forscherzimmer selbst forschen. Sogar in der Krippe,
in der die Ein- bis Dreijährigen untergebracht sind, machen die Kita-
Mitarbeiterinnen erste Versuche. Zaum-Hoffmann: „Auch die ganz
kleinen Kinder forschen schon gern.“ Manche Eltern treibt allerdings
die Sorge um, dass das Experimentieren im Kindergartenalter für
ihre Sprösslinge zu früh ist. „Hin und wieder ist eine Mutter etwas
erschrocken, dass ihr Sohn oder ihre Tochter bei uns mit Scheren
arbeitet oder mal nass wird. Aber wir erklären ihnen dann, dass
die Kinder am besten etwas lernen, wenn sie es selbst austesten.“
Gerade fürs Ausprobieren bliebe im Alltag wenig Zeit. „Hier bei
uns können die Mädchen und Jungen in Ruhe nach Wegen und
Lösungen suchen und sehen, was aus ihren Aktionen entsteht oder
eben nicht. Dafür reicht manchmal schon Verpackungsmaterial“,
sagt die Leiterin lachend und zeigt auf ihre Kollegin Carolin Greth,
die mit der nicht einmal dreijährigen Lea geduldig Styroporkugeln
auf einen Schaschlikspieß piekst. Das Experimentieren ist außer-
dem die ideale Basis für den Vater-Kind-Tag, wie die Leiterin der
Einrichtung festgestellt hat. „Damit haben wir viele Väter in die Kita
geholt. Und sie haben aktiv mitgearbeitet - ein voller Erfolg.“ Auch
einen Großeltern-Tag hat es gegeben. „Sie sollen sehen und selbst
erleben, dass die Kindertagesstätte heute mehr ist als betreutes
Spielen“, sagt Martina Zaum-Hoffmann.
U
m das Thema Luft dreht sich an diesem Tag alles in der Kita
in Herbolzheim. An sieben Stationen lernen die Kinder das
Element kennen. So finden sie beispielsweise durch Experi-
mente heraus, was passiert, wenn sie ein mit Luft gefülltes Glasrohr
mit der Öffnung nach unten ins Wasser tauchen: das Wasser dringt
nicht in das Glasrohr ein. Mit selbst gebastelten Flugzeugen aus
Papier und einem Trinkhalm erfahren sie, dass Luft trägt – manch-
Die nicht einmal dreijährige Lea reiht geduldig Styroporkugeln
auf einen Schaschlikspieß (Bild links), die fünfjährige Ella und ihre
dreijährige Schwester Mara lassen aus durchsichtigen Plastikbeuteln
Winddrachen werden (oben), und Erzieherin Silvia Roser experimen-
tiert mit der sechsjährigen Katharina (rechts).
Die gemeinnützige Stiftung „Haus der kleinen
Forscher“ engagiert sich für eine bessere Bildung
von Mädchen und Jungen im Kindergarten- und
Grundschulalter in Naturwissenschaften, Mathe-
matik und Technik. Netzwerkpartner im Südwesten
Baden-Württembergs ist die IHK Südlicher Ober-
rhein. Ein Blick in die evangelischen Kindergärten
in Kehl-Bodersweier und Herbolzheim sowie in das
Kinder- und Bildungszentrum in Umkirch zeigt, wie
das Projekt in der Praxis funktioniert.
IHK unterstützt „Haus der kleinen Forscher“zur
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