Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe 03/26 -Südlicher Oberrhein
Baden ist das drittgrößte Weinanbaugebiet Deutschlands, die Reben prägen die Land- schaft seit Jahrhunderten. Doch Menschen, die aus den Trauben den Wein erscha¨en, sind heute seltener geworden. Was früher einst der Küfer war, ist heute der Weintechnologe. Eine, die diesen Beruf mit Leidenschaft lebt, ist Sophia Männle. Die 22-Jährige aus Durbach gehört zu nur fünf Auszubildenden in Baden-Württemberg, die im vergangenen Jahr ausgelernt haben. Sophia Männle ist aber nicht allein deshalb so etwas wie eine Rarität. Sie schloss ihre Ausbildung als Zweitbeste ab und erhielt dafür den IHK-För- derpreis für seltene Berufe. Die gebürtige Durbacherin ist auch noch die aktuelle Weinprinzessin ihrer Heimatgemein- de – genau wie ihre Mutter und zwei Tanten es einmal waren. Das nimmt reichlich Zeit in Anspruch, und das bei Weitem nicht nur, um mit Menschen anzustoßen. Und wenn Sophia Männle nicht gerade im Keller steckt und auch kein Krönchen trägt, hat sie einen Imkerschleier vor dem Gesicht oder eine Queröte an den Lippen. Auch im familieneigenen Weinbau mit vier Hektar Rebäche im Nebenerwerb packt sie regelmäßig mit an. Aus Durbach ins Markgrä£erland „Wein ist mehr als ein Getränk. Für mich ist er Heimat und er berührt mein Herz.“ Sophia Männles Erklärung, weshalb sie sich für eine Ausbildung zur Weintechnologin im Weingut Zotz in Heitersheim im Markgräerland ent- schied, berührt vermutlich nicht nur Winzer und Weinliebhaber, sondern jeden der ver- steht, welches Glück es ist, seinem Beruf mit Leidenschaft nachgehen zu können. Der große Traum: ein eigener Keller Sophia Männle folgt aber mitnichten allein der Stimme ihres Herzens, stattdessen legt sie durchaus eine ganz klare Strategie an den Tag, wenn es um ihre beruiche Entwicklung geht. Diese führte sie nach der Ausbildung zum Ortenauer Weinkel- ler (OWK). Beim Tochter- unternehmen von Edeka Südwest in O¨enburg kümmert sie sich eben- falls um den Prozess von der Traube bis zur Wein- asche: „Hier ist alles sehr viel größer und automatisierter als imWeingut, in dem ich gelernt habe und dessen großer Fan ich nach wie vor bin.“ Der IHK-Förderpreis für besondere Berufe, den Sophia Männle erhielt, ist selbst eine nicht min- der überraschende Besonderheit. Dieser Preis ist der Dr. Winfried Lausberg Stiftung zu ver- danken, die im Sommer 2025 gegründet wurde und dem Herzensanliegen des verstorbenen Namensgebers folgt: junge Talente fördern. Winfried Lausberg war 40 Jahre in der IHK-Welt tätig. Die 2500 Euro, die Sophia Männle als Preisträgerin erhält, wird sie in Weiterbil- dung investieren: „Ich werde Technike- rin für Weinbau und Önologie.“ Konkret bedeutet dies: Weinbau, Weinbereitung inklusive Mikrobiologie und Sensorik sowie Betriebswirtschaft und Marketing wer- den die nächsten Themen sein, umdie sich die Durbacherin verstärkt kümmert. Zum Ausgleich stehen die Trachtenkapelle Durbach auf dem Plan, die Vereinigung der Jungwinzer Durbach und die der Ortenau, die Katholische Landjugendbewegung Durbach sowie Sophia Männles Opa und die Bienen. Denn dank ihm ist sie zur Hobby-Imkerin ge- worden. Ihr großes Ziel verliert sie derweil nicht aus den Augen: DieWertschätzung für denWein wieder ins Leben der Menschen bringen. Und ihren beruichen Traum: „Irgendwann hätte ich auch ganz gerne einen eigenen Keller.“ Doris Geiger Aus Leidenschaft im Keller Die Förderpreisträger der IHK sind nicht nur Auszubildende mit guten Leistungen – es sind junge Menschen, die mit einer besonderen Haltung in ihr Berufsleben starten. Wir stellen sie vor. Preisträgerin Sophia Männle Foto: Markus Schwerer „Wein ist mehr als ein Getränk. Für mich ist er Heimat und er berührt mein Herz.“ Sophia Männle Beruf mit Seltenheitswert: Sophia Männle aus Durbach hat sich zur Weintechnologin ausbilden lassen.
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