Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe 03/26 -Südlicher Oberrhein
Südlicher Oberrhein 3/2026 37 Südbadens Wirtschaft fährt auf Sicht Die Geschäftslage am südlichen Oberrhein verbessert sich, doch geopolitische Unsicherheiten und steigende Energiepreise dämpfen die Erwartungen. Von einer Trendwende ist die Wirtschaft weit entfernt. Konjunkturumfrage Frühsommer D ie Ho¨nungen der Unternehmen am südlichen Oberrhein auf einen Kon- junkturschub haben sich erfüllt – den- noch ist keine echte Trendwende in Sicht. Zwar hat sich die Geschäftslage weiter verbessert, wie die Konjunkturumfrage der IHK Südlicher Oberrhein zum Frühsommer zeigt, jedoch ver- setzen die durch den Irankrieg gestiegenen Energiepreise den Geschäftserwartungen einen herben Dämpfer. So bleibt die Aussicht auf wirtschaftliche Stabilisierung trotz des kurz- fristigen Aufschwungs trüb. Zu abhängig ist die Wirtschaft hierzulande von globalen Energie- importen. Erneute Verbesserung der Geschäftslage „Die Geschäftserwartung von Januar ist die Geschäftslage von heute – und die ist nicht schlecht“, sagte Alwin Wagner, der Stellvertre- tende Hauptgeschäftsführer der IHK Südlicher Oberrhein. Denn die positiven Erwartungen vom Herbst vergangenen Jahres haben sich bewahrheitet. Der Index der Geschäftslage steigt zum zweiten Mal in Folge an und erreicht seinen höchsten Stand seit Jahresbeginn 2024: Von fünf Punkten im Herbst 2025 über 13 Punkte zum Jahresbeginn klettert er nun auf 20 Punkte. Fast jedes dritte Unternehmen be- richtet wieder von einer guten Geschäftslage, während nur 12 Prozent diese als schlecht be- urteilen. „Es gab in den ersten Monaten durchaus einen konjunkturellen Schub, der nun aber durch den Irankrieg ausgebremst wurde“, erklärt Wagner. Die Konjunkturumfrage zeige, dass die kriegs- bedingt gestiegenen Energiepreise der süd- badischen Wirtschaft große Sorgen bereiten. Lagen die Geschäftserwartungen zu Beginn des Jahres mit minus sieben Punkten bereits im Negativbereich, rutschen sie in der aktuel- len Umfrage weiter auf minus 14 Punkte ab. 29 Prozent der Unternehmen blicken pessi- mistisch auf die kommenden zwölf Monate, während sich nur 15 Prozent ihren Optimismus bewahren können. Wagner: „Für viele Branchen ist da trübe Sicht – wir können schwer abschät- zen, ob die Krise sich verfestigt oder wie lang sie bleibt.“ Deutlich längere Lieferzeiten 65 Prozent der Unternehmen geben nun die gestiegenen Energiepreise als Hauptrisikofak- tor für ihr Geschäft an – ein Wert, der zu Jah- resbeginn mit 40 Prozent noch auf dem vierten Platz und nur zu Beginn des russischen An- gri¨skriegs auf die Ukraine höher lag. Dies zeigt einmal mehr, wie abhängig die deutsche Wirt- schaft von Energieimporten ist. Die Auswirkungen des Irankrieges seien auch in den hiesigen Betrieben zu spüren: „Die Lie- ferzeiten im zweiten Halbjahr werden deutlich nach oben gehen, weil gewisse Bestandteile zum Stahlerzeugen fehlen werden“, sagt Tho- mas Albrecht, Geschäftsführer der Fasson- dreherei Hermann Blum in Gutach (Ortenau- kreis). Schmerzen bereiten ihm vor allem die Preissteigerungen, da durch die Teuerung der Materialien die kalkulierten Produktionskosten nicht mehr gedeckt werden. Sorge vor einem kompletten Lieferstopp hat Albrecht jedoch nicht. Auch Wagner schätzt das Risiko eines Stillstandes in Europa als gering ein: „Viele Un- ternehmen haben natürlich ihre Lieferketten ein Stück weit diversiziert, produzieren – wenn sie es können – auch local for local. Da ist in den letzten Jahren schon viel in die Resilienz der Warenströme gesetzt worden.“ jk Die Geschäftslage ist Die Geschäfte werden sich in den nächsten 12 Monaten gut 32% verbessern 15% befriedigend 55,8% gleich bleiben 56,2% schlecht 12,2% verschlechtern 28,8% Unsichere Zeiten Die Geschäftslage der Unternehmen am südlichen Oberrhein hat sich verbes- sert. Steigende Energieprei- se und geopolitische Krisen belasten jedoch die Erwar- tungen für die kommenden Monate. Besonders die Folgen des Irankriegs sorgen für neue Unsicherheiten bei Kosten und Lieferketten. Quelle: IHK Südlicher Oberrhein Foto: Adobe Stock/ francescosgura
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