Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe 03/26 -Südlicher Oberrhein

Südlicher Oberrhein 3/2026 34 Der Schlüssel zur Zukunft Ausbildung und Arbeit hinter Gittern erö nen neue Perspektiven für die Zeit nach der Haft. Mit IHK-zertizierten Qualizierungen scha t die JVA Freiburg Chancen auf einen erfolgreichen Neustart in Freiheit. Bildung hinter Gittern S chlüssel sind in einer Haftanstalt ei- gentlich den Justizvollzugsbeamten vorbehalten. Und doch gibt es welche, die auch Gefangenen zur Verfügung stehen – nicht zum Herauskommen, sondern zum Weiterkommen. Ausbildung, Quali—zierung, geregelter Job: Sie sind Schlüssel zur Resozia- lisierung und damit zu einem Leben nach der Haft. 350 Arbeits- und Ausbildungsplätze „Wir verfügen über mehr als 350 Arbeits- und Ausbildungsplätze sowie rund 30 Arbeitsplätze für Freigänger“, berichtet Julia Rascher, Ge- schäftsführerin des Vollzuglichen Arbeitswe- sens (VAW) der Justizvollzugsanstalt Freiburg. Wie jede VAW im Land arbeitet auch Freiburg eng mit der IHK zusammen und das Team um Julia Rascher, zu dem 42Werkmeister gehören, bildet nicht nur Häftlinge aus, sondern nimmt in der „freien Welt“ auch Prüfungen ab. Mario Weiner, Ausbildungsleiter Metall der JVA Freiburg, betreut unter anderem Herrn S. Herr S. ist 36 Jahre alt, seit viereinhalb Jahren inhaftiert und hat erst die Hälfte seiner Strafe abgesessen. Herr S. absolviert in der JVA eine Teilquali—zierung zur Fachkraft für Metalltech- nik. Die erste Prüfungseinheit schloss er mit 95 von 100 Punkten ab. Weiner und sein Kollege Alexander Gut, Be- triebsleiter der Metallfertigung, beschreiben ihn als ambitioniert, handwerklich geschickt und absolut zielorientiert. Beide blicken zuver- sichtlich auf seine Zwischenprüfung im Herbst. Das gelte für so gut wie alle Häftlinge, die die Zeit in der Haft für die Vorbereitung im Berufs- leben nutzen. Dass Herr S. am Modell der Teilquali—zierung teilnimmt, ist kein Zufall, sondern Programm. Simon Kaiser, IHK-Geschäftsführer Aus- und Weiterbildung, erklärt den entscheidenden Vorteil: „Inhaftierte sind häu—g nicht so lange in der Einrichtung, wie es beispielsweise dauern würde, eine klassische Umschulung zu absol- vieren – teilweisewerden sie auch während der Haft in eine andere JVA verlegt. Mit den IHK- Teilquali—kationen haben wir ein žexibles Werk- zeug, das den JVAs hilft, ihrem Bildungsauftrag gerecht zu werden. Für die Inhaftierten liegt der Charme vor allem darin, dass man dem Zerti—- kat nach dem Ende der Haftstrafe nicht auf den ersten Blick ansieht, dass es im Rahmen einer Haft erworben wurde. Es hat damit eine andere Wertigkeit am Arbeitsmarkt als Zerti—kate, die von den JVAs selbst ausgestellt werden.“ Alle zwei bis sechs Monate wird im Rahmen dieser Quali—zierung ein Modul abgeschlossen – bundes- weit einheitlich, stets mit IHK-Zer- ti—kat. Wer alle Module absolviert hat, darf als Externer zur IHK-Ab- schlussprüfung antreten und er- hält einen regulären Berufsabschluss. Manch- mal schneiden die Prüžinge aus der JVA sogar als Jahrgangsbeste ab. Die IHK-Auszeichnung können sie dann zwar nicht persönlich ent- gegennehmen – stolz sein dürfen sie trotzdem. Kaiser betont: „Auch wenn es am Ende nicht bis zum vollwertigen Berufsabschluss reicht, Fotos: Doris Geiger Simon Kaiser, IHK-Geschäftsführer Aus- und Weiterbildung „Mit den Teilquali—kationen der IHK wird die JVA ihrem Bildungsauftrag gerecht“

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