Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe 03/26 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

cherung an Bedeutung. Auch für die Kunden. Besonders gilt das für Speditionen. Wer Diesel ausschließlich zum Tagespreis tanken müsse, gerate bei den aktuellen Kosten schnell unter Druck. „Mit 30 Litern Verbrauch auf 100 Kilo- meter fährt man sonst tief in die roten Zahlen“, sagt Schumpp. Unternehmen mit langfristigen Preisvereinbarungen sieht er klar im Vorteil. Die Dimensionen der Energieversorgung blei- ben für viele unsichtbar. In den großen Tanks von Bürk-Kau mann lagern acht Millionen Li- ter. Zweimal pro Woche rollen Güterzüge mit je 1,28 Millionen Litern Heizöl und Diesel ins In- dustriegebiet Rammelswiesen. Insgesamt kommen so per Bahn jährlich 150 Millionen Li- ter nach Schwenningen. Das erspart dem Stra- ßenverkehr rund 4700 Tanklastwagenfahrten. Abhängig von der Konjunktur Bürk-Kau mann ist längst mehr als ein klas- sischer Heizölhändler. Neben dem Geschäft mit Kraftsto en und rund 40 Tankstellen ist vor allem der Schmiersto bereich ein wichtiges Standbein des Unternehmens. Die Kundschaft verteilt sich auf nahezu alle Branchen. Trotzdem hängt auch dieses Ge- schäft stark an der Konjunktur. „Wenn die In- dustrie schwächelt, merken wir das sofort“, sagt Schumpp. Sorgen bereiten dem Geschäftsführer nicht nur die Lage auf den Weltmärkten, sondern auch staatliche Eingri e in die Preisgestaltung. Etwa die 12-Uhr-Regelung für Preiserhöhungen oder den Tankrabatt. Unternehmen bräuchten vor allem Verlässlichkeit für ihre Kalkulationen. Dass fossile Energieträger bald verschwin- den, glaubt Schumpp indes nicht. „Ich denke, dass man uns über das Jahr 2040 hinaus noch braucht.“ Ohne Öl, Gas und klassische Kraft- sto e werde die Welt auch in Zukunft nicht auskommen. Gleichzeitig werde die Technik immer e¦zienter. Unabhängig von allen Debat- ten bleibt für den Energiehändler jedoch eine Erkenntnis zentral: „Ressourcen schonen und Energie sparen – das ist immer ein guter Rat.“ Nach Beobachtung der Industrie- und Han- delskammer Schwarzwald-Baar-Heuberg ha- ben viele Unternehmen genau daraus längst Konsequenzen gezogen. „Seit Beginn der Ener- giekrise hören wir keine Panik aus den Betrie- ben“, sagt Marcel Trogisch, IHK-Bereichsleiter Schwarzwald-Baar-Heuberg 3/2026 32 Fotos: DIHK; IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg Sebastian Bolay, Bereichsleiter für Energie, Umwelt und Industrie bei der DIHK, erklärt im Interview, wie ein Plan B gelingen kann – mit Wettbewerb, Technologieo enheit und unternehmerische Flexibilität statt immer neuer Einzelvorgaben. Herr Bolay, was genau ist der Plan B? Wir wollen weg von immer mehr Detailsteue- rung durch den Staat. Klimaneutralität bleibt das Ziel, aber der Weg dorthin sollte stär- ker marktwirtschaftlich organisiert werden. Unternehmen brauchen mehr Flexibilität, weniger Bürokratie und größere Technolo- gieo enheit. Welche Rolle spielt der Emissionshandel? Der sollte zum zentralen Steuerungsinstru- ment werden. Ein sektorübergreifender CO₂- Handel kann viele Einzelregelungen erset- zen. Der Markt sorgt dann dafür, dass Emis- sionen dort eingespart werden, wo es wirt- schaftlich am sinnvollsten ist. Warum fordern Sie mehr Technologie- o€enheit? Weil wir uns nicht auf wenige Technologien festlegen sollten. Neben Windkraft und Photovoltaik brauchen wir auchWassersto , Biomasse, CO₂-Speicherung oder Energie- importe. Niemand weiß heute sicher, welche Lösungen langfristig am e¦zientesten sein werden. Was haben Unternehmen davon? Mehr Planungssicherheit. Viele Betriebe in- vestieren in langen Zyklen. Deshalb setzen wir auf langfristige Emissionsbudgets statt starrer Zwischenziele. Das erleichtert Inves- titionen und verhindert unnötige Kosten. Welche Aufgabe bleibt dem Staat? Die Entstehung und Nutzung neuer Infra- strukturen zu ermöglichen – wie Stromnet- ze, Wassersto°eitungen oder Speicher. We- niger sinnvoll ist es, einzelne Technologien bis ins Detail politisch steuern zu wollen. Was würde der Plan B bringen? Nach unseren Berechnungen könnten bis 2050 zwischen 530 und 910 Milliarden Euro an Systemkosten eingespart werden. Und dies bei gleichem Klimaschutzniveau. bm NeueWege für die Energiewende Im Rahmen ihrer politischen Interessens- vertretung forciert die DIHK einen alternati- ven Ansatz zur aktuellen Energiepolitik. An- lass gibt ihre Studie „NeueWege für die Energiewende (‚Plan B‘)“. Hier geht‘s zur Studie: Mit einem Plan B fordert die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) einen Kurswechsel in der Energie- und Klimapolitik. „Wir haben einen Plan B“ Energie- und Klimapolitik Das Ziel im Auge: „ Klimaneutralität bleibt das Ziel“, sagt Sebastian Bolay, doch Unternehmen bräuchten mehr Flexibilität auf dem Weg dorthin.

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