Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe 03/26 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

Wirtschaft im Südwesten 3/2026 12 Phishing with Compliments Cyberattacken verursachten auch 2025 wieder Schäden in Milliardenhöhe für die deutsche Wirtschaft. Experten warnen: Besonders kleine und mittelständische Unternehmen geraten immer stärker ins Visier der Hacker. Was diese tun können, um sich zu schützen. Schwerpunkt Sicherheit: Cyberkriminalität C yberkriminelle ersetzen mehr und mehr den klassischen Einbrecher – gerade aus Sicht von Unterneh- men. Laut Branchenverband Bitkom koste- ten Diebstahl, Sabotage und Industriespio- nage die Unternehmen in Deutschland rund 289 Milliarden Euro – und 70 Prozent dieses Schadens gehen direkt auf Cyberattacken zurück (siehe GraŠk). Die Zahl der analogen Angri‘e liegt deutlich darunter. Hinter den Cy- berangri‘en soll laut Studie viel organisierte Kriminalität stecken, doch die Zahl der Angri‘e, die ausländischen Nachrichtendiensten zuge- schrieben werden, steigt. Immer mehr Unternehmen investieren daher in Cybersicherheit – aber längst nicht alle. Der Anteil des IT-Sicherheitsbudgets am gesamten IT-Budget liegt laut Bitkom im Durchschnitt bei 18 Prozent. Immerhin: Tendenz steigend. Privat- personen investieren dagegen so gut wie gar nichts: Mehr als die Hälfte bezahlt weniger als fünf Euro monatlich für Sicherheitssoftware. Dabei kann es jeden tre‘en, sagt IT-Experte Christoph Barreith vom IT-Systemhaus Bechtle: vom kleinen Einzelhändler bis zum Großkon- zern und egal welche Branche. Bechtle ist mit europaweit 70 Niederlassungen, unter an- derem in Freiburg, O‘enburg und Villingen, mehr als 16000 Mitarbeitern und 6,4 Milliarden Euro Umsatz 2025 das größte IT-Systemhaus Deutschlands. Und deren Experte Barreith sagt: Künstliche Intelligenz macht die Angrif- fe für die Hacker zusehends unkomplizierter. Automatisiert sucht die KI nach Sicherheits- lücken – und nutzt sie. Erst kürzlich wurde be- kannt, dass das KI-Modell Claude Mythos des Unternehmens Anthropic Sicherheitslücken schneller Šndet, als bisher möglich. Und weil es so einfach ist, zielen Angreifer nicht mehr nur auf dieGroßen, bei denen viel zu holen ist, son- dern immer mehr auf die breiteMasse: die KMU. Was tun? Nicht nur in reaktiven, sondern auch in proaktiven Schutz investieren, empŠehlt Barreith. Und zwar möglichst umfassend. „Ein Unternehmen muss sämtliche Angri‘s¨ächen kennen und überwachen.“ Der IT-Experte ver- gleicht die Situation mit einem Einbruch ins Haus: Wenn die Überwachungskamera nur in der Küche installiert ist, der Einbrecher aber durchs Wohnzimmerfenster kommt, nützt die Anlage gar nichts. Wichtig: den Überblick behalten Anfällig ist alles, was mit dem Internet verbun- den ist. Eine o‘ene Flanke bietet zudem der Mitarbeiter, der sein schlechtes Passwort gleich mehrfach verwendet oder arglos auf einen Link in einer der täglich zig Dutzend ähnlich ausse- henden Mails klickt – mal sehen dieseMails aus wie die vom Paketdienst, wie von der Bank oder von irgendeiner Docusign-Variante. Sechs Faktoren sollten Unternehmen beson- ders beachten, um sich zu schützen, sagt Bar- reith. Erstens die Perimetersicherheit: Wie Št ist die erste Verteidigungslinie meiner Endgeräte, also Firewall, SpamŠlter und Co? Zweitens den Faktor Mensch: Werden Mitarbeiter regelmä- ßig zur Gefahr von Cyberangri‘en geschult? Drittens die physikalische Sicherheit: Kann je- mand einfach in meine Produktionshalle lau- fen und irgendwo ein Notebook anstecken? Viertens die IT-Inventur: Haben wir lückenlos die Hard- und Software des Unternehmens im Walter Kuny Der Versicherungs- experte sagt, der zeitliche Ausfall durch Cyberangri‘e werde von Kunden meistens unterschätzt. Statt Tagen zeige die Praxis, dass es sich eher um zwei bis drei Wochen handele.

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