Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe 03/26 - Hochrhein-Bodensee

Hochrhein-Bodensee 3/2026 33 „Wir müssen schneller werden“ Sechs Ausschüsse der IHK Hochrhein-Bodensee widmen sich zentralen Wirtschaftsthemen. Der Verkehrsausschuss mit Michael Bäumle an der Spitze stellt im Interview seine zentralen Themen vor. Verkehrsausschuss M ichael Bäumle ist Geschäftsführer der Spedition Bäumle in Murg. Er weiß, wo in der Branche der Schuh drückt und berichtet von den aktuellen The- men der Mitglieder im Verkehrsausschuss der IHK Hochrhein-Bodensee. Herr Bäumle, im Verkehrsausschuss geht es nicht mehr nur um Straßen und Diesel – son- dern immer öfter auch um Kabel und Strom. Welche Entwicklungen im Bereich alternati- ver Antriebe, Ladeinfrastruktur und Logistik halten Sie aktuell für besonders chancen- reich für regionale Betriebe? Die laufende Transformation im Verkehrssektor ist für viele Betriebe mit erheblichen Investi- tionen verbunden, erö’net aber auch klare Zukunftschancen. Im Bereich der schweren Nutzfahrzeuge ist derzeit ein Trend hin zu bat- terieelektrischen Antrieben erkennbar. Diese Technologie wird sich im regionalen und zu- nehmend auch im überregionalen Verkehr eta- blieren. Für viele Unternehmen bedeutet das einen grundlegenden Systemwechsel: vom Dieselverbraucher zum aktiven Energiemana- ger. Unternehmen mit großem Nutzfahrzeug- fuhrpark werden zu großen Stromabnehmern und müssen ihre Energieversorgung strate- gisch neu denken. Gleichzeitig entstehen hier Chancen: die Eigenenergieerzeugung durch Photovoltaik, der Einsatz von Batteriespeichern zur Last- spitzenkappung und die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle im Bereich Lade- und Ener- giedienstleistungen. Entscheidend ist, dass Förderprogramme verlässlich, technologieof- fen und langfristig angelegt sind. Gleichzeitig sind schnellere Genehmigungen für Netzan- schlüsse und Ladeinfrastruktur erforderlich. Und welcheWeichen sollten jetzt gestellt werden, damit die Region auch künftig ein wettbewerbsfähiger Wirtschaftsstandort mit leistungsfähigen Verkehrskorridoren bleibt? Die Region Hochrhein-Bodensee sieht sich nach wie vor mit strukturellen Herausforderun- gen konfrontiert. Um ihreWettbewerbsfähigkeit zu erhalten, gilt es, diese konsequent anzuge- hen. Zentral ist dabei die grenzüberschreiten- de Verkehrskoordination. Aufgrund der engen wirtschaftlichen Ver°echtung mit der Schweiz sind abgestimmte Verkehrs- und Zollprozesse, leistungsfähige Grenzübergänge sowie eine bessere Abstimmung von Baustellen und Ver- kehrslenkung erforderlich. Darüber hinaus müssen wir die Flächenverfügbarkeit für Logis- tik und Gewerbe sichern. Ohne ausreichend ausgewiesene und erschlossene Flächen wer- den Investitionen ausgebremst oder wandern ab. Schließlich braucht es eine umfassende Planungs- und Genehmigungso’ensive. Infrastrukturprojekte dauern in Deutschland oft zu lange. Wenn wir wettbewerbsfähig bleiben wollen, müssen Verfahren vereinfacht, digita- lisiert und beschleunigt werden, ohne die Pla- nungsqualität zu vernachlässigen. Viele Unternehmen in der Region sehen sich mit überlasteten Verkehrskorridoren und Engpässen in der Infrastruktur konfron- tiert. Welche Verbesserungen müssen sein? Aus Sicht des Verkehrsausschusses ist es notwendig, an mehreren Stellschrauben zu drehen. Im Straßenverkehr hat die Beschleu- nigung von Planungs- und Genehmigungs- verfahren sowie von Sanierungsmaßnahmen oberste Priorität. Im Schienenverkehr ist der Ausbau der Gäubahn mit einer leistungsfähi- gen Anbindung an den Stuttgarter Bahnknoten essenziell, um die Region an den Fernverkehr anzubinden. Ebenso wichtig sind Elektri©zie- rung und Ausbau der Bodenseegürtelbahn sowie die Stärkung des kombinierten Verkehrs durch leistungsfähige Terminals in Singen und Weil am Rhein. Auch der Rhein spielt eine zent- rale Rolle. Sein Potenzial wird bislang nicht aus- reichend genutzt. Interview: Dirk Schro‹ Weitere Themen Das ganze Interviewmit noch mehr Informationen lesen Sie hier: Fotos: Adobestock.com/Birgit Reitz-Hofmann; IHK Hochrhein-Bodensee

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