Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe 02/26 -Schwarzwald-Baar-Heuberg
D ieTür fällt ins Schloss. Ein leises Zischen, dann schlägt sie zu: Kälte. Trockene, beißende Kälte. Bis zu minus 110 Grad. Der Atem stockt, die Haut spannt, der Körper geht in Alarmbereitschaft und findet doch zu einer überraschenden Ruhe. Drei Minuten später ist alles anders: klarer Kopf, wacher Kreis- lauf, ein Gefühl von Frische, das bis tief in den Tag trägt. Was wie ein Extremerlebnis klingt, ist im Solemar in Bad Dürrheim längst Teil eines neuen Gesundheitsverständnisses. Denn Eis- bäder, Kryokammer und Biohacking sind keine Schwurbler-Nischen mehr, sondern Bausteine eines wachsenden Marktes. „Viele unserer Gäs- te gehen mit einem Lächeln raus“, sagt Kurge- schäftsführer Markus Spettel. „Sie fühlen sich frischer, klarer, leistungsfähiger.“ Die Tradition entwickelt sich Die Kurstadt Bad Dürrheim hat dafür beste Vo- raussetzungen. „Wir machen Gesundheit nicht erst seit gestern, sondern kümmern uns seit 150 Jahren um das Wohlbefinden der Men- schen“, sagt Spettel. Acht Kliniken stehen für medizinische Kompetenz, Badeärzte halten eine Tradition aufrecht, die andernorts längst verschwunden ist. Doch statt sich auf diesem Erbe auszuruhen, wird es aktiv weiterentwi- ckelt: „Wir setzen nicht auf kurzlebige Trends, sondern können neue Angebote glaubwürdig verkörpern und weiterdenken.“ Das Stichwort dazu heißt Biohacking. Der Be- griff klingt für viele zunächst nach Selbstopti- mierung. In der Kurstadt Bad Dürrheim wird er aber bewusst weiter gefasst. Es geht um Lebensqualität. Um Prävention. Um die Frage, wie Menschen ihre eigenen Potenziale besser nutzen können. „Gesundheit ist kein Zustand, sondern ein Prozess und das höchste Gut der Menschen“, sagt MichelleWenz. Die Projektlei- terin Biohacking kümmert sich darum, dass ihre Gäste dafür das Bewusstsein und die Sensibili- tät entwickeln. Dafür setzt das Solemar auf die Verbindung von Erfahrung und Analyse. Anwendungen werden kombiniert, Effekte sichtbar gemacht, Fortschritte messbar. Ziel ist ein individuelles Gesundheitsprofil statt eines standardisierten Wellnessprogramms. Wer in die Kälte geht, soll verstehen, was sie im Körper auslöst und wie sie langfristig wirken kann. Das Prinzip dahin- ter: Gesundheit als Zusammenspiel von Körper, Geist und Wahrnehmung. Ein Ansatz, der sich auch jenseits klassischer Kurangebote durch- setzt. Genau dort, wo Ruhe selbst zum knappen Gut geworden ist. Persönliche Erfahrung prägt Ruhe. Stille. Am Ende einer schmalen Straße, ohne Handyempfang, liegt der Kolmenhof in Furtwangen bei der Bregquelle. Früher ein gut laufendes Ausflugslokal, jetzt ein Ort für Rück- zug und Konzentration. Der Wandel begann mit einer persönlichen Erfahrung. „Wir waren getrieben, wir mussten immer mehr Umsatz machen und das Geschäft hat sich in den letzten Jahren immer mehr zum kurzfristi- gen Stoßgeschäft entwickelt“, sagt Christoph Wo neue Kräfte wachsen In Bad Dürrheim und an der Bregquelle wird Gesundheit neu gedacht. Zwischen moderner Prävention und bewusstem Rückzug steht nicht der schnelle Effekt im Mittelpunkt, sondern nachhaltige Wirkung. Freizeitwirtschaft Schwarzwald-Baar-Heuberg Regio Foto: Kur- und Bäder GmbH Bad Dürrheim Fit für die Zukunft 33 Welche Potenziale künstliche Intelligenz für Azubis bietet Starker Handel 34 Der GHV Spaichingen punktet mit einer starken Doppelspitze Zukunft der Medizintechnik 36 Ideen gibt es genug, strukturelle Probleme allerdings auch Jobs für den Frieden 38 Ausbildungsberufe in der Wehrtechnik so gefragt wie nie Belebte Innenstadt 40 Debora Weisser bringt mit ihren Sui Studios Kunst in die Innenstadt IHK-Konjunkturumfrage 41 Die Wirtschaft zeigt sich robust, doch der Aufschwung bleibt aus Wirtschaft vor Ort 42 Traditionsreiches und Neues im Überblick Terminübersicht 44 Ausgewählte Veranstaltungen und Sprechtage
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