Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe 02/26 -Schwarzwald-Baar-Heuberg
Wirtschaft im Südwesten 2/2026 19 Wenn Funken überspringen Technologietransfer ist die Brücke zwischen Forschung und Wirtschaft und oft der Zündfunke, der Innovation überhaupt erst möglich macht. Zwei Beispiele aus der Region Technologietransfer E s ist laut, die Luft flimmert, unter den Schutzhelmen bilden sich Schweiß- perlen. Das liegt zum einen an der Hitze am Walzband in den Badischen Stahlwerken in Kehl – 900 Grad heiß ist der ausgewalzte Draht hier –, aber auch an der Spannung, die kaum größer sein könnte. Was auf Vermittlung von Hülya Sevgin, der Technologietransferma- nagerin der IHK Südlicher Oberrhein, vielver- sprechend im Labor des Fraunhofer Instituts für Physikalische Messtechnik IPM in Freiburg begonnen hat: Funktioniert das auch unter Realbedingungen? Die Aufgabe: die voll auto- matisierte Oberflächeninspektion der Walzen per Infrarotkamera. Beim Testlauf im März erfassen drei Kameras mit 250 Bildern pro Sekunde den nur 20 Mil- limeter dicken Draht, der mit zehn Metern pro Sekunde durch die Anlage läuft. „Selbst gezielt eingebrachte Fehler waren auf den Aufnahmen deutlich sichtbar, teils besser als auf demWalz- gut selbst“, berichtet Betriebsleiter Maximi- lian Kalbfleisch. Bisher erfolgt die Kontrolle nur stichprobenartig durch Mitarbeiter – wodurch Lücken entstehen. Die KI-gestützte Dauer- überwachung soll künftig auch zwischen den Umformschritten Materialfehler erkennen und Walzenbrüche frühzeitig anzeigen. Der Aus- schuss ließe sich so deutlich reduzieren. Wissenschaft und Praxis Die Zusammenarbeit zwischen den BSW und dem Fraunhofer IPM hat Hülya Sevgin auf den Weg gebracht. Die IHK-Technologietransfer- managerin sorgt dafür, dass wissenschaftliche Erkenntnisse ihrenWeg in die Praxis finden und Unternehmen neue Lösungen entwickeln kön- nen, die aus eigener Kraft kaum möglich wären. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen profitieren von dieser Schnittstelle, weil ihnen meist eine eigene Forschungsabteilung fehlt. Das Technologietransfer-Management ver- steht sich als navigatorische Instanz, die Unter- nehmen mit Hochschulen, Instituten, Start-ups und etablierten Technologiegebern vernetzt. Das Angebot ist kostenfrei und reicht von der Identifikation innovativer Potenziale über die Vermittlung passender Forschungspartner und Fördermittel bis hin zur langfristigen Projekt- begleitung. Wie im Fall BSW – oder bei KVT in Kirchzarten, einemweiteren Projekt, das Sevgin begleitet. Der Maschinenbauer mit zehn Mitar- beitern sucht eine integrierbare Sensorlösung, umden Verschleiß und die Lebensdauer seiner Quetschmanschetten aus Natur- oder Synthe- sekautschuk besser vorhersagen zu können. Sevgin vermittelte an das Deutsche Institut für Kautschuktechnologie in Hannover, erste Ge- spräche haben bereits stattgefunden. Daniela Santo IHK-Ansprechpartner IHK Südlicher Oberrhein: Hülya Sevgin, 0761/3858-267, huelya.sevgin@freiburg.ihk.de IHK Hochrhein-Bodensee: Sunita Patel: 07531/2860-126, sunita.patel@konstanz.ihk.de IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg: Mark Schoor, 07721/ 922-510, mark.schoor@vs.ihk.de Vor Ort statt im Labor: Klappt der Testlauf unter Realbedingungen bei den BSW? Maximilian Kalbfleisch (BSW), Hülya Sevgin (IHK), Simon Fehrenbach und Sebin Sunny (Fraunhofer IPM) sind gespannt, ob die Infrarot- kameras die Fehler festhalten können. Foto: Jigal Fichtner
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