Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Dezember'25 -Südlicher Oberrhein
Die Überf iegerin Die Förderpreisträger der IHK sind nicht nur Auszubildende mit guten Leistungen – es sind auch junge Menschen, die mit einer besonderen Haltung in ihr Berufsleben starten. Wir stellen sie vor. Förderpreisträgerin Zahra Azadi D as Wort „eigentlich“ macht vor allen Dingen eines klar: Dass es einen Unter- schied gibt zwischen dem was ist und was man glaubt, wie etwas „sein sollte“: Denn normalerweise hat man eine Ausbildung schon hinter sich, wenn man 30 Jahre alt ist. Eigentlich nutzt man auch keine Ausbildungs- verkürzung, wenn man noch damit beschäftigt ist, nicht Persisch als Muttersprache zu spre- chen, sondern Deutsch zu lernen. Eigentlich ist die Ausbildung zur Elektronikerin auch eher weniger eine Frauen-Sache: Im Jahr 2024 ha- ben rund 50 Elektroniker für Geräte und Syste- me bei der IHK Südlicher Oberrhein ihren Ab- schluss bestanden, davon zwei Frauen. Aus dem Iran nach Deutschland Eine der beiden erwähnten Frauen ist Zahra Azadi. Die 33-jährige Iranerin lebt seit 2020 in Deutschland. In ihrem Heimatland studierte sie einst Telekommunikations-Ingenieurwesen – bis sie es dort einfach nicht mehr aushielt: „Frauen haben es im Iran nicht gerade leicht, weshalb ich mich entschieden habe, mein Mut- terland zu verlassen“, erzählt sie. Eine Entschei- dung, die Zahra Azadi nicht leicht¬el – die sie aber auf unglaublich vielen Gebieten in ihrem Leben geradezu nach vorne katapultierte. Zum Beispiel in die Riege derjenigen, die 2024 mit einem IHK-Förderpreis ausgezeichnet wurden. Zahra Azadi erhielt den Integrationsförderpreis der Volksbank Freiburg nach ihrer Ausbildung zur Elektronikerin für Geräte und Systeme bei PTW Freiburg, einem Unternehmen, das sich auf die medizinische Strahlungsmessung spe- zialisiert hat. Eine Rolle könnte hier auch gespielt haben, dass sie bei ihrer Bewerbung um den Preis an- gab, dass Tanzen zu ihren Hobbys gehört, „weil es Menschen und Kulturen zusammenbringt“. Nebenbei bemerkt: Obwohl sie gerade einmal ein Jahr nach ihrer Ankunft in Deutschland die Ausbildung begann, beendete sie diese nach drei statt nach dreieinhalb Jahren. Begegnungen mit der Bürokratie… Geschat hat sie es auch, mitten in der Coro- na-Zeit vom Iran nach Deutschland zu wech- seln – und zwar ganz allein, da ihre Familie im Iran geblieben ist. Etwas langsamer als Zahra Azadi war dagegen die deutsche Bürokratie: „Nachdem ich die deutsche Staatsbürger- schaft beantragt hatte, musste ich zwei Jahre auf eine Antwort warten“, blickt die junge Frau zurück. Andererseits erlebt sie deutsche Or- ganisationsstrukturen als unglaublich berei- chernd: „Ich glaube, so etwas wie die duale Ausbildung gibt es nirgendwo auf der Welt – das ist einfach supergenial, weil man nicht nur Theorie lernt, sondern weil man stets weiß, was man macht, wenn man in der Praxis imUnternehmen ist.“ Auch deshalb und natürlich, weil der Förder- preis ihr 2500 Euro bescherte, bleibt Zahra Azadi von Herzen gern im Lern-Modus: Das Preisgeld in- vestierte sie in eine Weiterbil- dung zur Fachkraft für Löttech- nik beimAusbildungsverbund Löttechnik Elektronik (AVLE). „Jetzt habe ich so etwas wie einen Lötführerschein für komplexe Bauteile. Viel- leicht mache ich aber auch noch eine Ausbildung zur Technikerin“, hat sich Zah- ra Azadi bereits überlegt. Im Moment genießt sie jedoch erst einmal die Arbeit als solche – und das für sie unglaub- lich schöne mensch- liche Miteinander: „Es ist einfach toll, weil man dort lebt, wo alle Menschen gleich sind, wo keine Unterschiede gelebt werden.“ Den einzigen Unterschied, den sie im menschlichen Miteinander täglich übt, ist der zwischen Hochdeutsch und Badisch: „Ich bruch was Neies. Und wenn‘s geht, bis am Määndig!“ Als letzten Satz in ihrem Porträt wünscht sich Zahra Azadi aber einen ganz an- deren, nämlich: „Ich bin von Herzen dankbar für alles.“ Doris Geiger Zahra Azadi: „Ich bin von Herzen dank- bar für alles.“ Foto: IHK SO/Markus Schwerer
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