Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Dezember'25 -Südlicher Oberrhein
Südlicher Oberrhein 12/2025 32 freut sich Kaiser. „Viele Berufe verändern sich rasant. Wer da Bereitschaft zeigt, sich weiterzu- bilden, um auf dem Laufenden zu bleiben, ist klar im Vorteil.“ Und klar: Wer sich weiterbilden möchte, der ¬ndet bei der IHK zahlreiche Bera- tungsangebote und Fördermöglichkeiten. Sorgen bereitet dem IHK-Geschäftsführer ein anderer Trend. Nur ein Drittel der Befragten hat die Ausbildung direkt nach der Schule angetre- ten. Der große Rest besuchte erst einmal eine weiterführende Schule, ging jobben, machte ein freiwillig soziales Jahr, ¬ng an zu studieren oder reiste für mehrere Monate ins Ausland. „Das können alles wertvolle Erfahrungen sein, aber diese jungen Menschen fehlen auf dem Ausbildungsmarkt“, sagt Kaiser. „Seit Jahren beobachten wir den Trend, dass sich junge Menschen mit ihrer Ausbildungsentscheidung immer länger Zeit lassen. Viele Betriebe haben darauf reagiert und stellen auch noch sehr kurzfristig Azubis ein. Aber Planungen werden schwieriger.“ 72 Prozent der befragten Azubis wohnen noch bei den Eltern. Auch bei der Suche nach dem geeigneten Ausbildungsberuf und einem pas- senden Betrieb verlassen sich viele auf die Fa- milie. So kam bei 40 Prozent der Befragten der entscheidende Hinweis von den Eltern oder von Verwandten. „Dass sich viele Eltern stark für die beru¥iche Zukunft ihrer Kinder engagie- ren, ist natürlich zu begrüßen“, sagt Kaiser. Aber „spätestens mit dem Ausbildungsstart müssen die jungen Menschen die Sache selbst in die Hand nehmen und ihre Eigenständigkeit unter Beweis stellen“. Zwölf Prozent der Azubis fanden über soziale Medien eine Stelle. Sechs Prozent bekamen in der Schule den Hinweis auf ihren Wunsch- beruf. „Wir arbeiten sehr gut mit den Schulen zusammen“, sagt IHK-Geschäftsführer Kaiser. „Aber die Erfahrung zeigt, dass den Lehrerin- nen und Lehrern für Berufsorientierung im Unterricht oft die Zeit fehlt, weil die Lehrpläne sehr dicht getaktet sind. Die Rückkehr zu G9 könnte zumindest an den Gymnasien die Lage entzerren.“ Um auch Gymnasiasten für die dua- le Ausbildung zu gewinnen, entsendet die IHK Ausbildungsbotschafter. „Wir müssen auch Gymnasiasten zeigen, dass es zum Studium eine attraktive Alternative gibt: die Ausbildung in einem innovativen Unternehmen“, so Kaiser. Fast jeder fünfte Azubi bringe in einem IHK-Be- ruf inzwischen eine allgemeine Hochschulreife mit. „Abitur und Ausbildung passen also bereits heute sehr gut zusammen. Diesen Trend wollen wir weiter verstärken.“ Guter Verdienst und sinnvolle Arbeit Der Generation Z, zu denen die Befragten ge- hören, wird oft bescheinigt, sie achte vor allem auf eine ausgeglichene Work-Life-Balance. Die IHK-Umfrage stützt dieses Klischee nicht. Auf die Frage, was ihnen bei der Berufswahl wichtig sei, nannten wie schon im Vorjahr die meisten einen guten Verdienst (48 Prozent). GroßenWert legen die Azubis auf eine sinnvolle Arbeit (35 Prozent), ein gutes Arbeitsklima (27), die Nähe des Betriebs zum Wohnort (23) und einen sicheren Arbeitsplatz (16). Nur 15 Prozent machten ihre Jobwahl von der Work-Life-Ba- lance abhängig. Eine Mehrzahl der Azubis ist zufrieden mit ih- rem Ausbildungsplatz. 99 Prozent können laut Umfrage jederzeit die Berufsschule besuchen. 90 Prozent erlebten geregelte Arbeitszeiten, 80 Prozent fühlen sich in ihrem Arbeitsumfeld respektvoll behandelt, 73 Prozent würden ihren Ausbildungsbetriebweiterempfehlen. Auch die Berufsschulen schneiden gut ab: 88 Prozent der Azubis emp¬nden das Lernumfeld als res- pektvoll und fair. Laut 76 Prozent der Befragten falle so gut wie nie der Unterricht aus. Ihre eigene ¬nanzielle Situation bewerten 40 Prozent der Befragten als sehr gut oder gut. 25 Prozent sind nach eigenen Angaben da- gegen knapp bei Kasse. Was ist den Azubis wichtig im Leben? An ers- ter Stelle steht ein verlässlicher Partner, gefolgt von guten Freunden, dem Wunsch, das Leben zu genießen, und schließlich dem Ziel, viel Geld zu verdienen. fk Die IHK hilft weiter Für Unentschlossene bei der Jobwahl bietet die IHK ein kostenfreies Berufspro ling an. Für Eltern, die sich über die beruiche Zukunft ihrer Kinder informieren wol- len, wurde eine Hotline eingerichtet: „Abitur und Ausbildung passen bereits heute sehr gut zusammen. Diesen Trend wollen wir weiter verstärken.“ Simon Kaiser, IHK-Geschäftsführer Falsch eingeschätzt? Der Generation Z wird oft nachgesagt, sie achte vor allem auf eine aus- geglichene Work-Life-Balance. Die aktuelle IHK-Umfrage stützt dieses Klischee nicht. Foto: Adobe Stock/gpointstudio
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