Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe November'25 -Südlicher Oberrhein

Südlicher Oberrhein 11/2025 38 Tobias Lanner sieht trotz allgemeiner Inves- titionszurückhaltung in Deutschland gute Marktchancen für sein Unternehmen, denn das Interesse an den Aufbereitungsanlagen aus Kippenheim sei weiter vorhanden. Es gebe einen großen Investitionsstau, der sich irgend- wann auflösen werde. Gestiegene Rohstoff- und Energiepreise und der ungebrochene Trend zur Automatisierung sorgten dafür, dass Kunden beim Recycling genauer hinschauten und nach Kostenvorteilen suchten. „Der Trend geht dahin, Metalle sortenrein zu trennen.“ To- bias Lanner setzt zudem darauf, dass Kunden beim Gang ins Ausland auch auf die Produkte des Ortenauer Unternehmens zurückgreifen. Um etwas Positives für den Standort Deutsch- land zu erreichen, sei die Senkung der Ener- giepreise essenziell. „Stahlhersteller fahren ihre Kapazitäten herunter, Gießereien schlie- ßen, weil die Energiepreise zu hoch sind“, sagt Lanner. An solchen Unternehmen hänge die inländische Versorgung mit Rohstoffen bezie- hungsweise Vorprodukten. Auch an das Thema Lohnnebenkosten müsse die Politik endlich ran. Noch nie gaben in einer IHK-Umfrage so viele Unternehmen (59 Prozent) an, dass die Arbeitskosten ein Risiko für die künftige Ent- wicklung ihres Betriebs darstellen. Alwin Wag- ner: „Wir haben bei den Lohnnebenkosten ein offensichtliches Problem, das von der Regie- rung leider wieder vertagt wurde.“ tas Diese Einschätzung teilt auch Tobias Lanner, Geschäftsführer der Lanner AnlagenbauGmbH in Kippenheim. Lanner ist mit seinen Anlagen zur Aufbereitung von Metallspänen weltweit in vielen Branchen unterwegs und spürt daher sehr genau, wie die Kunden aus der Industrie ticken. Kapazitätsausweitungen im großen Stil kann er derzeit nicht erkennen. „Die Inlands- nachfrage stagniert beziehungsweise ist in bestimmten Bereichen stark rückläufig. Vie- le Unternehmen bauen Stellen ab, verlagern Produktion.“ Die Stückzahlen in der deutschen Automobilindustrie seien rückläufig, die Musik bei der Herstellung von Fahrzeugen und Kom- ponenten spiele im Ausland beziehungsweise beim Thema Automatisierung. Dass dies Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt hat, liegt auf der Hand. Der Anstieg der Arbeits- losenzahlen macht sich auch im Kammerbezirk bemerkbar. Waren im September 2021 lediglich knapp 22000 Menschen arbeitssuchend ge- meldet, sind es nun bereits mehr als 28000 – ein Anstieg von rund 28 Prozent in vier Jahren. Und die Zeichen stehen weiterhin auf Stellen- reduzierung. Lediglich in den Dienstleistungs- unternehmen halten sich Unternehmen mit expansiver und restriktiver Personalplanung die Waage, wie die IHK-Umfrage zeigt. In allen an- deren Branchen wird in den kommenden zwölf Monaten mit einem Stellenabbau gerechnet. Mit minus elf Punkten befindet sich der Index der erwarteten Beschäftigung nun bereits zum siebten Mal in Folge im negativen Bereich. Konjunkturindex jetzt bei 101 Punkten Wie sieht das Gesamtbild aus? Die Angaben zur aktuellen Geschäftslage und den zukünf- tigen Geschäftserwartungen werden zum IHK- Konjunkturklimaindex kombiniert. Dieser kann Werte zwischen null und 200 annehmen, wobei Werte über 100Wirtschaftswachstum anzeigen und Werte unter 100 auf eine Rezession hin- deuten. Aufgrund der verbesserten Geschäfts- erwartungen gewinnt der Index im Herbst drei Punkte hinzu und steht nun bei 101 Punkten. Auffällig ist, dass der Wert für Baden-Württem- berg drei Punkte niedriger liegt. Wagner sieht die Begründung hierfür in der vergleichsweise diversifizierten Wirtschaftsstruktur des südli- chen Oberrheins. Die konjunkturelle Entwicklung tritt seit dem Jahr 2021 auf der Stelle. Immerhin haben sich die Ge- schäftserwartungen zuletzt leicht aufgehellt. Die Unternehmen bleiben mit ihren Investitionen aber weiterhin vorsichtig. Aktueller Konjunkturbericht Der Konjunkturbericht der IHK Süd- licher Oberrhein ist hier abrufbar: Quelle: Bundesagentur für Arbeit Quelle: IHK Südlicher Oberrhein Geschäftslage Geschäftserwartung Erwartete Beschäftigung 75 50 25 0 -25 -50 2015 2017 2019 2021 2023 2025 Jahrelange Seitwärtsbewegung Arbeitslosigkeit legt zu 5000 10000 15000 20000 25000 30000 September 2021 September 2022 September 2023 September 2024 September 2025 13 877 14 017 14 686 15 674 17 359 8088 8646 9304 10 187 10 713 Ortenau Südbezirk Die Stagnation der vergangenen Jahre macht sich auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar. Die Arbeitslosenzahlen steigen kontinuierlich an. In den meisten Branchen wird in den kommenden zwölf Monaten mit einem weiteren Stellenabbau gerechnet

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ2MDE5