Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe November'25 -Südlicher Oberrhein
D ie Reformerwartungen der deutschen Wirtschaft an die neue Bundesregierung sind hoch. Bisher bewirkt das politische Handeln aber noch keine positiven Verände- rungen der Geschäftslage. Das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage der IHK Südlicher Oberrhein. Immerhin blicken die Unternehmen etwas op- timistischer in die Zukunft. „Es ist der Silberstreif am Horizont“, sagt Alwin Wagner, der Stellvertre- tende Hauptgeschäftsführer der IHK Südlicher Oberrhein. „Das wirtschaftliche Umfeld ist nach wie vor tur- bulent“, sagt Alwin Wagner mit Blick auf die Märk- te im Ausland und die weltweite Zollproblematik. „Die Unternehmen geraten von verschiedenen Seiten unter Druck und stehen vor großen He- rausforderungen.“ Das zeigt sich im Index der aktuellen Geschäftslage. Dieser verliert im Ver- gleich zum Frühsommer nochmals drei Punkte und erreicht mit fünf Punkten seinen niedrigsten Stand seit Herbst 2020 – eine Zeit, die noch stark im Zeichen der Covid-19-Pandemie stand. 26 Pro- zent der Unternehmen bezeichnen die derzeiti- ge Geschäftslage als gut, mit 21 Prozent sind fast ebenso viele unzufrieden. Zoll-Deal sorgt für neue Hoffnung Etwas besser sieht es aus bei den Geschäftser- wartungen. Sie steigen das dritte Mal in Folge, bleiben aber mit minus drei Punkten noch ne- gativ. Jedes fünfte Unternehmen rechnet mit besseren Geschäften, 22 Prozent gehen vom Gegenteil aus. Erfreulicherweise sind es vor allem dieUnternehmen des verarbeitenden Gewerbes, die wieder etwas positiver nach vorne schauen als zuletzt. Die Beilegung des Zollstreits mit den USA sowie die Ankündigung eines expansiveren Fiskalkurses sorgen offensichtlich für eine posi- tive Erwartungshaltung in der Branche. Aktuell deutet sich jedoch an, dass es wieder zu neuen geopolitischen Verwerfungen in Form eines Han- delskriegs zwischen den USA und China kommen könnte. Abzuwarten bleibt ebenso, inwieweit die Ausgabensteigerungen der Bundesregierung mit strukturellen Maßnahmen flankiert werden, sodass sie nicht in einem konjunkturellen Stroh- feuer verpuffen. Investitionsklima bleibt schwach Diese Befürchtung ist auch bei den Unterneh- men weiter spürbar. Noch immer sehen 39 Pro- zent der Unternehmen am südlichen Oberrhein in den politischen Rahmenbedingungen ein Ri- siko für die eigene wirtschaftliche Entwicklung. In Anbetracht der Tatsache, dass die Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung eigentlich höchste Priorität genießen sollte, wirken die bisher ange- stoßenen Projekte eher mutlos. „Die Erkenntnisse sind seit Jahren da – wir müssen politisch endlich ins Handeln kommen“, fordert Wagner. „Die große Ankündigung von Reformplänen ist hinter dem zurückgeblieben, was die Wirtschaft gefordert und erwartet hat. Ist den politischen Entschei- dungsträgern wirklich klar, was benötigt wird, um den Motor wieder anzukurbeln?“ Ein guter Indikator dafür, wie sehr die Unterneh- men am südlichen Oberrhein an die Zukunfts- fähigkeit ihres Heimatstandortes glauben, ist die Bereitschaft zu Investitionen. Die aktuelle Umfra- ge zeigt, dass das Investitionsklima sich im leicht negativen Bereich stabilisiert. 21 Prozent aller Unternehmen planen die Inlandsinvestitionen auszuweiten, 24 Prozent wollen sie weiter zurück- fahren. Mit minus drei Punkten liegt der entspre- chende Index weiterhin deutlich unter seinem zehnjährigen Mittelwert von zehn Punkten. Im- merhin: Die Erweiterung von Kapazitäten wird als Investitionsmotiv wieder häufiger genannt. Von 19 Prozent auf 24 Prozent. Vorherrschend blei- ben jedoch der Ersatzbedarf mit 70 Prozent und Investitionen in die Digitalisierung mit 47 Prozent – ein Motiv, das seit fünf Jahren deutlich an Be- deutung gewonnen hat. „Größere Mittelständler in der Region setzen eher darauf, ihre ausländi- schen Standorte auf Vordermann zu bringen be- ziehungsweise auszubauen“, erfährt Wagner in seinen Gesprächen mit den Betriebslenkern. Südlicher Oberrhein Regio Foto: Johanna Kaiser/IHK SOX Für mehr Innovation 39 Wirtschaft und Wissenschaft bündeln ihre Kräfte Zirkus Circolo 40 Wo nicht nur Kinderaugen unterm Zirkuszelt strahlen Zertifikatslehrgang 42 Fachkraft für Medien und Kommunikation Zukunft.Raum.Schwarzwald 43 „Coworking am Marktplatz“ in Haslach eröffnet Förderpreisträger 44 Benjamin Jurina ist ein echter Techie und Kümmerer Raum für Start-ups 46 Was es mit dem InnoLaB33 in Lahr auf sich hat Social Engineering 48 Interview mit Tobias Weiß Sehen einen Silberstreif am Horizont: der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer Alwin Wagner und Tobias Lanner, Geschäftsführer von Lanner Anlagenbau in Kippenheim (v. l.).
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