Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Oktober'25 -Südlicher Oberrhein

F. Morat aus Eisenbach im Hochschwarzwald entwickelt und fertigt Komponenten aus Hoch- leistungskunststoffen für die Automobilindust- rie. Die dafür benötigten Spritzgusswerkzeuge konstruiert und produziert das Unternehmen selbst. Besonders die Korrekturphase zwischen ersten Mustern und dem finalen Spritzgussteil ist zeit- und kostenintensiv, mehrere Korrektur- schleifen sind hier die Regel. Um Aufwand und Durchlaufzeiten zu reduzieren, suchte F. Morat nach innovativen Ansätzen und knüpfte den Kontakt zur DHBW Lörrach über das Projekt Zukunft.Raum.Schwarzwald (Z.R.S.). Initiiert wurde die Kooperation von IHK-Re- ferent Patrick Bareiter. Kompetenzmanagerin Sandra Mercone stellte den Kontakt zur DHBW her und bald stand fest: Das größte Potenzial zur Reduktion der Korrekturschleifen liegt in einer KI-gestützten Prozessautomatisierung, die auf Basis historischer Korrekturdaten auto- matische Zuordnungen und Vorschläge liefert und so Zeit und Kosten spart. DHBWentwickelt KI-Modell weiter „Für uns war nach dem Zweitgespräch klar, dass wir eine Kooperation eingehen wollen“, sagt Benjamin Haberbosch, Leiter Technologie und Vertrieb bei F. Morat. „Die ganzheitliche Be- trachtung unserer Herausforderungen sowie der offene und lösungsorientierte Austausch haben uns überzeugt.“ Ziel sei ein individuelles KI-Modell, das nicht nur Korrekturschleifen ver- kürze, sondern mittelfristig auch die Datenver- arbeitung unterstütze und Erkenntnisse für den gesamten Prozess liefere. Konstruktionsteamleiter Tobias Willmann be- schreibt die Rolle der KI so: „Wir verstehen sie als unterstützendes Tool. Sie soll unsere Mit- arbeiter bei ihrer täglichen Arbeit eng beglei- ten, soll Hinweise und Vorschläge liefern, um zielgerichteter vorzugehen. Statt reiner Daten- auswertung soll folglich wieder mehr Raum für qualitativ wertigere Tätigkeiten geschaffen werden.“ Willmann betont zugleich den Auf- wand beimAufbau einer belastbaren Datenba- sis, sieht aber erste Vorteile: „Ein Quick-Win ist für uns auf jeden Fall schon jetzt die veränderte Datenaufbereitung. Das hat bereits kleinere Prozessverbesserungen gebracht.“ Die weitere Entwicklung des KI-Modells treibt die DHBW Lörrach voran, sie soll im Rahmen einer anwendungsbezogenen Abschlussarbeit begleitet werden. Ein Modell, das kontinuier- liche Unterstützung und zugleich die Chance auf Nachwuchs für das Unternehmen bie- tet. Wirtschaftsinformatik-Professor Klemens Schnattinger: „Mit der KI-gestützten Prozess- automatisierung, insbesondere in zeitinten- siven Korrekturphasen, entsteht eine echte Win-Win-Situation: Unsere Studierenden an der DHBW Lörrach erhalten die Möglichkeit, an praxisnahen Fragestellungen zu arbeiten und ihr Wissen direkt anzuwenden, während F. Morat durch den gezielten Transfer von KI- Know-how ihre internen Abläufe nachhaltig op- timiert.“ Maschinenbau-Professor Vanja Spoo ergänzt: „Aus maschinenbaulicher Sicht ist die- ses Projekt besonders spannend, weil es uns ermöglicht, die komplexen Herausforderungen der Spritzgießtechnik direkt anzugehen. Die Di- gitalisierung und KI bieten hier enorme Poten- ziale, die wir gemeinsam mit F. Morat nicht nur theoretisch betrachten, sondern konkret in die Praxis umsetzen.“ pb Filigrane Arbeit: Tobias Willmann, Teamleiter Konstruktion bei F. Morat, mit einem Spritzgussteil Weniger Schleifen drehen Fertigungsprozesse optimieren und gleichzeitig den Nachwuchs fördern? Das geht, wie der Fall von F. Morat zeigt. Initiiert durch die IHK kooperiert das Unternehmen mit der DHBW Lörrach und alle profitieren. Zukunft.Raum.Schwarzwald Sie möchten mehr wissen? Weitere Informationen erhalten Sie bei Patrick Bareiter, patrick.bareiter@freiburg.ihk. de, 0761/3858 266 Foto: F. Morat Südlicher Oberrhein 10/2025 40

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