Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe September'25 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

Energie soll verlässlich, bezahlbar und nachhaltig sein – aber erreichen wir das? Die IHK hat deshalb in einer Studie die Ver- sorgung mit Strom im Hinblick auf das Jahr 2040 prognostiziert. Christoph Kost, Gruppenleiter Energiesysteme und Energiewirt- schaft am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE, gibt Einblicke in seine Analyse. Was sind die charakteristischen Merkmale der IHK-Region Schwarzwald-Baar-Heuberg beim Energiebedarf? Die Region zeichnet sich durch einen imVergleich zum Landes- durchschnitt hohen Anteil des „sonstigen verarbeitenden Ge- werbes“ am Gesamtstrombedarf des Industriesektors aus. Zu- dem steigt bei der Metallindustrie die Stromnachfrage sehr stark. Bis 2040 zeigt die Studie einen deutlichen Anstieg des Strombe- darfs, vor allem durch die fortschreitende Elektrifizierung in den Bereichen Raumwärme, Warmwasser und Verkehr. Wo sieht die Studie das größte Potenzial für den Ausbau erneuerbarer Energien in der Region? Die Studie zeigt erhebliches Ausbaupotenzial sowohl für Photo- voltaik (PV) als auch für Windkraft. Obwohl bereits ein hoher An- teil an PV-Anlagen installiert ist, gibt es noch freie Kapazitäten. Zusätzlich könnten auf geeigneten Flächen Windkraftanlagen mit einer signifikanten jährlichen Stromerzeugung installiert wer- den. Es gibt aber auch Potenziale in Biomasse und Wasserkraft. Welche Schlussfolgerungen lassen sich aus diesen Ergeb- nissen ableiten? Trotz des Ausbaupotenzials erneuerbarer Energien könnte die Stromnachfrage im Jahr 2040 selbst bei Erreichung der poli- tischen Ziele nicht vollständig gedeckt werden. Dies würde zu einem Importsaldo führen. Umden Bedarf vollständig zu decken und Klimaneutralität zu erreichen, müssen die Zielvorgaben für den Ausbau erneuerbarer Energien erhöht werden. Ganz wich- tig: den Netzausbau vorantreiben und mehr Energiespeicher! „Netzausbau weiter vorantreiben“ Ergebnis der IHK-Analyse zum Strommarkt 2040 Christoph Kost ist Leiter der Gruppe Energie- systeme und Energiewirtschaft am Fraunhofer-Institut für Sola- re Energiesysteme in Freiburg. Das Institut engagiert sich in der Entwicklung auf dem Gebiet der Solartechnik und Photovoltaik. Hier gehtʼs zur Stromstudie: Schwarzwald-Baar-Heuberg 39 erreicht – etwa durch Photovoltaikanlagen mit einer Gesamt- leistung von 250 Kilowatt. Diese decken im Sommer fast den gesamten Strombedarf. Zusätzlich bezieht das Unternehmen seit 2009 Ökostrom aus Laufenburg. Dort ist unter anderem ein großes Wasserkraftwerk in Betrieb. Bei Heizung und Wärme setzt Brugger auf eine Pelletsheizung sowie auf Fernwärme aus der benachbarten Schreinerei Fleig. Bereits seit 1995 wird Abwärme mit Wärmetauschern zurückge- wonnen. Die Beleuchtung wurde schon 2017 komplett auf LED umgestellt. Für die Mobilität hat Brugger den Fuhrpark weitest- gehend elektrifiziert. Einen großen Hebel sieht der Geschäfts- führer bei der Lieferkette. Brugger: „Der größte Teil unseres CO₂-Fußabdrucks, fast 90 Prozent, wird durch energieintensive Vorprodukte wie Stahl, Drehteile, Magnete und Kunststoffe ver- ursacht.“ Hier macht sich bemerkbar, dass in diesem Jahr die chinesischen Zulieferer ihren CO₂-Ausstoß um zehn Prozent senkten. Die direkten CO₂-Emissionen von Brugger sind sehr gering und stammen fast nur noch aus den Verbrennerfahrzeu- gen. Aber auch diese werden immer weniger. Berthold Merkle IHK-Arbeitskreis Energie Sie möchten Energieeffizienzpotenziale heben? Sie suchen ein Netzwerk mit Gleichgesinnten? Dafür gibt es den IHK-Arbeitskreis Energie. Melden Sie sich bei Marcel Trogisch, 07721/922-170, trogisch@vs.ihk.de. Energiemanagement als Chefsache Die Brugger-Geschäftsführer, Georg Brugger-Efinger und Thomas Brugger (v. l.) fahren einen konsequenten Kurs in Richtung Klimaneutralität.

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ2MDE5