Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Februar'25 - Hochrhein-Bodensee

53 2 | 2025 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten land hat nicht nur einen hohen Energiebe- darf, sondern auch einen enorm hohen Be- darf an Energiespeichern für ein flexibleres und dekarbonisiertes Energiesystem.“ Ambi- tionierte Klimaziele und ein starkes Netz aus Partnern und Förderprogrammen seien wei- tere Gründe, warum er in Deutschland inves- tiert. „Zudem ist die regionale Bereitschaft, innovative Projekte wie unsere Hydrogen- Hubs zu unterstützen, enorm hoch.“ Auch in Gengenbach steht Infener mit ei- nem 20-Megawatt-Hub in den Startlöchern. Einen konkreten Zeitplan gibt es dort aller- dings noch nicht, da sich das Gewerbege- biet, wo die Anlage entstehen soll, noch in der Konzeptionsphase befindet. Albbruck: Wasserstoff aus Wasserkraft Ein weiteres Vorzeigeobjekt für regionale Wasserstofferzeugung entsteht in Albbruck am Hochrhein. Dort will ab Ende 2027 ein Konsortium von RWE, Badenova, Evonik und Bosch jährlich rund 8.000 Tonnen Wasser- stoff in direkter Nähe eines bestehenden Wasserkraftwerks erzeugen. Der Diaman- tierspezialist August Weckermann in Eisen- bach wiederum zeigt, wie Unternehmen eigenständig die Energiewende umsetzen können: Ab Mitte dieses Jahres wird sich das Unternehmen mit einer eigenen Was- serstoff-Elektrolyse und selbst produziertem Strom nahezu autark versorgen. Der Wasserstoffhochlauf in der Region steht noch am Anfang. Doch die ersten Erfolge zeigen, dass sich gemeinsamer und uner- müdlicher Einsatz wie der der Trinationalen Wasserstoffinitiative 3H 2 lohnen. Zwei kleine grüne Striche auf der Karte des deutschen Wasserstoff-Kernnetzes sind der sichtbare Beweis. Einer dieser Striche markiert das grenzüberschreitende Projekt Rhyn-Interco, an dem Badenova, der französische Netzbe- treiber GRT-Gaz und der Fernleitungsnetzbe- treiber Terranets BW beteiligt sind. Infener-CEO Joel Vogl „Wir ermöglichen der regionalen Industrie, zeitnah und effektiv zu dekarbonisieren“ Über eine neue Pipeline im Raum Bad Kro- zingen wird Wasserstoff aus Frankreich nach Deutschland importiert. Ab Ende 2029 sollen in Freiburg die Uniklinik und der Celluloseace- tat-Hersteller Cerdia, ab 2035 auch die Badi- schen Stahlwerke und Koehler Paper in Kehl vom regenerativen Wasserstoff profitieren. In Freiburg wird dafür eine zehn Kilometer lange Erdgasleitung auf Wasserstoff um- gerüstet. Für den Anschluss Kehls an die Leitungsinfrastruktur ist der Bau einer rund 15 Kilometer langen Neubauleitung geplant, dessen Trassenplanung bereits läuft. Warten auf Nordsee-Wasserstoff Der zweite grüne Strich, und damit das zweite wichtige Projekt, trägt den Namen H2@Hochrhein. Dieses Vorhaben sieht eine Wasserstoff-Pipeline von Grenzach-Wyhlen bis Waldshut-Tiengen vor und richtet sich vor allem an die energieintensive Industrie. Ge- plant ist, die Pipeline bis 2030 in Betrieb zu nehmen. Ein zentraler Bestandteil des Pro- jekts ist die oben genannte großindustrielle Elektrolyse-Anlage in Albbruck. Außerdem ist eine Anbindung an das Schweizer Lei- tungsnetz in Zusammenarbeit mit den In- dustriellen Werken Basel (IWB) vorgesehen. Diese beiden Projekte unterstreichen, dass eine nachhaltige Wasserstoffversorgung im Südwesten derzeit nur durch grenzüber- schreitende Kooperationen sichergestellt werden kann. Fabian Burggraf, Geschäfts- führer der Klimapartner Südbaden, erklärt: „Bevor wir Wasserstoff aus deutscher Pro- duktion aus den Windparks in der Nordsee bekommen und damit an das deutsche Kern- netz angeschlossen werden, wird es noch dauern. Bis dahin werden wir über Spanien, Frankreich, Italien und die Schweiz beliefert und so an das europäische Wasserstoffnetz angeschlossen, den European Hydrogen Backbone.“ Daniela Santo Wasserstoff statt Erdgas Wasserstoff wird ab 2032 in bestehenden Erdgasleitungen transportiert, die nahezu in allen Kommunen Deutschlands verlegt sind. Weil aber Wasserstoff andere physi- kalische und chemische Eigenschaften als Erdgas aufweist, können nur 56 Prozent der bestehenden Leitungen genutzt werden, 44 Prozent müssen laut Bundesnetz- agentur neu gebaut werden. Die Investitionskosten hierfür werden auf rund neun Milliarden Euro geschätzt. Auch nur schätzen kann man derzeit den Preis für grünen Wasserstoff, den Abnehmer ab 2032 zahlen müssen. Voraussichtlich werden dafür zwischen vier und acht Euro pro Kilo aufgerufen werden. Derzeit liegt der Kilopreis für grünen Wasserstoff laut Preisindex Hydex bei rund zwölf Euro. UNTERNEHMEN

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