Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Juni'24 -Südlicher Oberrhein

28 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 6 | 2024 REGIO REPORT  IHK Südlicher Oberrhein E uropa ist … aus Menschen gemacht! Und während Corona, die Migrationswelle und der Krieg in der Ukraine den Kontinent im Dauer-Krisen-Modus zu halten scheinen, und die „große Politik“ um Lösungen ringt, gibt es Menschen, die dafür sorgen, dass Euro- pa eben doch nicht auseinanderbricht. Eine davon ist Hannah Möller. Die 19-Jährige hat sich sehr bewusst für eine Ausbildung zur Werkzeugmechanikerin im Bahlinger Familienunternehmen Braunform GmbH entschieden. „Es gibt schon genug Berliner Startups, die die soundsovielte Dating-App programmieren“, sagt sie. Und so passt es auch gut zu ihr, dass sie Anfang des Jahres für vier Wochen in der irischen Kleinstadt Carlow verbrachte. Sie nahm am Programm „Go.for. europe“ teil, welches dank dem Projektträger BWIHK baden-württembergischen Auszubildenden im dualen System die Möglichkeit bietet, für ein paar Wochen im Ausland zu arbeiten – analog zum Erasmus- Programm für Studierende. Diese ausbildungsinte- grierten Auslandaufenthalte sind ebenfalls finanziell gefördert durch das EU-Berufsbildungsprogramm Erasmus+. Weltkonzern gegen Mittelstand „Ich war vier Wochen bei Magna International, einem Konzern der Automobilzulieferindustrie, der insge- samt rund 170.000 Mitarbeitende hat“, berichtet Hannah Möller. Ihr erstes Learning: Weltkonzerne in Irland sind in Sachen Automatisierung mitunter ganz anders unterwegs als familiengeführte Mit- telständler in Bahlingen. Was dazu führte, dass Hannah Möller nicht nur nach Irland, sondern auch ein wenig „back to the roots“ reisen konnte… „Ich habe wunderbare Erfahrungen gemacht – privat und beruflich“, resümiert die selbstbewusste junge Frau, die heute noch von der Freundlichkeit ihrer Gastfamilie schwärmt. „Meine Gastmutter hat mir jeden Abend ein Vesperbrot für den nächsten Tag gerichtet“. Schwärmen kann sie aber auch von der Offenheit der irischen Kollegen, die sie als gleich- wertig angesehen und deshalb auch haben „machen lassen“. Wenn Hannah Möller, die den Austausch mit einem Azubi-Kollegen der Braunform GmbH absolvierte, von Irland erzählt, von den Feierabenden im Pub, dem guten Gefühl, das sich einstellte, endlich mal wieder Englisch nicht nur zu verstehen, sondern auch zu sprechen, dann versteht man das Zitat ihres Azubi-Kollegen. „Er meinte, er würde im Falle einer Wiedergeburt als Schaf unbedingt ein Schaf in Irland sein wollen.“ Denn Hannah Möller sagt auch selbst ganz begeistert: „In Irland ist das Gras wirklich grüner als hier.” Diese der angeblich so arbeitsunlustigen Generation Z angehörende junge Frau führt genau dieses Kli- schee ad absurdum, denn Hannah Möller ist alles an- dere als unmotiviert, und sie hält ganz augenschein- lich ihr Privatleben auch nicht für so viel wichtiger als ihr Berufsleben. Das erklärt vielleicht auch die Leichtigkeit, mit der das Bahlinger Unternehmen für Spritzgießformen sie und zwei weitere Azubis für vier Wochen ins Ausland hat reisen lassen. Und dies auch noch mit einem Obolus von 300 Euro pro Person unterstützte. Dazu Oliver Bornhäuser, Kaufmänni- scher Leiter der Braunform GmbH: „Man darf doch motivierte junge Menschen nicht bremsen in ihrer Von Bahlingen nach Carlow: Hannah Möller war vier Wochen als Auszubildende in Irland. Für ihren Ausbildungsbetrieb Braunform war es eine Selbstverständlichkeit, ihr das zu ermöglichen. Die Erfahrungen, die Azubis im Ausland sammeln, sorgen für jede Menge Motivation und helfen am Ende auch dem Arbeitgeber. Als Azubi Erfahrungen im Ausland sammeln Europe was calling – und Hannah ging hin Hannah Möller Bild: Doris Geiger Weitere Informationen zur grenzüberschreitenden Ausbildung unter

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