Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Juni'24 -Südlicher Oberrhein

26 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 6 | 2024 REGIO REPORT   IHK Südlicher Oberrhein V iacheslav weiß genau, wo seine beruf- liche Reise hingehen soll. „Ich will in Kehl bleiben und hier bei den Stahlwerken arbeiten. Es ist eine gute Chance für mich, sagt der 38-Jährige, der aus Mariupol stammt und dort in den Iljitsch-Stahlwerken gearbei- tet hat. Viacheslav kann schon einige Sätze auf Deutsch sprechen und auch einiges ver- stehen, für einen Einsatz an seinem neuen Arbeitsplatz reichen die Sprachkenntnisse allerdings noch nicht aus. Der in Deutsch- land geforderte Qualifikationsnachweis fehlt ihm ebenso. Einen Arbeitsvertrag mit den Badischen Stahlwerken hat er aber trotzdem schon in der Tasche. Viacheslav ist einer von mehreren Ukrainern, die sich ganz unabhängig voneinander bei den BSW beworben haben. Insgesamt sieben seiner Landsleute sind aktuell Teil eines neu- en Projekts, das Geflüchteten die Integration in den deutschen Arbeitsmarkt ermöglichen soll. „Wir arbeiten bereits seit mehreren Jah- ren mit der Agentur für Arbeit und der IHK zusammen, um Menschen zielgerichtet zu qualifizieren und in den deutschen Arbeits- markt zu bringen“, sagt BSW-Geschäftsfüh- rer Andreas Volkert. Beispielsweise franzö- sische Grenzgänger mit Berufsabschluss, die sowohl sprachlich als auch fachlich für ihre Aufgabe bei den Stahlwerken vorbereitet wurden. Grundlage hierfür ist das Projekt „ValiKom“, ein standardisiertes Validierungsverfahren, mit dem Berufskompetenzen jenseits der klassischen dualen Ausbildung in Bezug auf einen anerkannten Berufsabschluss bewertet und zertifiziert werden können. Ziel: Die be- ruflichen Kompetenzen von Menschen ohne (erfolgreich) abgeschlossene Berufsausbil- dung sichtbar zu machen, ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern und damit auch ihr Selbstwertgefühl zu steigern. Die- ses Verfahren wurde nun im Rahmen der „Job-Turbo“-Initiative von Bundesregierung, Bundesagentur für Arbeit und Partnern aus der Wirtschaft auf Geflüchtete ausgeweitet, um ihnen den Arbeitsmarktzugang zu er- leichtern. Das Problem für die sieben Migranten: Die Ausbildungssysteme in Deutschland und der Ukraine unterscheiden sich so stark, dass die ukrainischen Berufsabschlüsse hierzulande nicht anerkannt sind. Die Ge- flüchteten haben zwar alle in den beiden Stahlwerken Asow und Iljitsch gearbeitet, doch dies reicht nicht aus, um sie künftig bei den BSW einsetzen zu können. Zudem bringen alle ganz unterschiedliche berufli- che Biografien mit. Viacheslav ist Elektri- ker, Serhii Schweißer und Petro Ingenieur. Manche bringen bereits 20 Jahre Berufser- fahrung mit. Um den ersehnten deutschen Abschluss „Verfahrenstechnologe Metall – Eisen-/Stahlmetallurgie“ zu bekommen, drücken die Ukrainer also noch einmal die Schulbank. Die Badischen Stahlwerke (BSW) haben eine jahrelange Erfahrung darin, ausländische Fachkräfte für ihre berufliche Aufgabe in Kehl vorzubereiten. Im Rahmen des Projekts „ValiKom“ werden berufsrelevante Kompetenzen, die außerhalb des formalen Bildungssystems erworben wurden, bewertet und zertifiziert (validiert). Sieben Ukrainer sollen nun bei den BSW von diesem Verfahren profitieren. Ausländische Fachkräfte profitieren von ValiKom-Projekt Von Mariupol nach Kehl Sieben Ukrainer machen sich bei den Badischen Stahlwerken auf den Weg, zuerst die deutsche Sprache und danach den Beruf „Verfahrenstechnologe Metall – Eisen-/Stahlmetallurgie“ zu erlernen.

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