Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Juni'24 -Südlicher Oberrhein

23 6 | 2024 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten Berufsabschluss vorweisen können. „Ist das geklärt, schauen wir, welche Optionen für die Person in Frage kommen“, sagt Kuchendaeva. „Vor wenigen Tagen erhielt eine junge Frau aus Aserbai- dschan endlich ihr Visum“, vermeldet Figueredo-Hardy eine Erfolgsgeschichte, „sie arbeitet jetzt bei einem Finanzberater in der Region“. Ein Drittel der Fachkräfte, die das Welcome Center berät, sind Frauen. Fast alle Bewerber kommen aus Ländern außerhalb der EU. Von den insgesamt 43 Herkunftsländern sind derzeit die Ukraine (14 Prozent), die Türkei (9) und Indien (4) am stärksten vertreten. „Manche Menschen, die am süd- lichen Oberrhein arbeiten wollen, haben Freunde oder Verwandte hier“, sagt Figueredo-Hardy. Außerdem sei die Region wegen ihrer attraktiven Grenzlage gefragt. „Und für einige der Lateinamerikaner, die ich berate, spielt auch das warme Wetter bei uns eine Rolle.“ Teils langwieriges Verfahren Bis eine ausländische Fachkraft von den Behörden eine Einreiseerlaubnis erhält, vergehen im Durchschnitt drei bis vier Monate – allerdings nur im beschleunig- ten Verfahren über die Ausländerbehörden oder die Botschaften. Das reguläre Verfahren kann sich bis zu einem Jahr hinziehen. „Wir sind auch dafür da, den Unternehmen eine realistische Erwartungshaltung zu vermitteln, damit sie planen können“, sagt Gawron. Mit der Ankunft der Fachkraft aus dem Ausland hört die Betreuung nicht auf. Im zweiten Schritt geht es um Integration. Erst vor kurzem habe sich ein Spediteur an das Welcome Center gewandt mit der Frage: „Was kann ich tun, dass die Fachkräfte auch bleiben?“ „Eine Willkommenskultur ist absolut wichtig“, sagt Gawron. Die Unternehmer müssten für die unterschiedlichen Bedürfnisse der neuen Mitarbeitenden sensibilisiert werden. „Bis sich jemand angekommen fühlt, kann es dauern.“ Die Trennung von der Familie und Freunden, der Verlust von Status und Identität führe bei vielen Neuankömmlingen zu einer „Migrationskrise“, sagt Gawron, die Islam- und Kulturwissenschaften studiert hat. All das sollte mit berücksichtigt werden. Nach der Einreise berät das Welcome Center beide Zielgruppen zu integrationsrelevanten Themen, so etwa zu Deutschkursen und dem deutschen Schulsys- tem. Und die in unserer Region sehr herausfordernde Wohnungssuche sei für Migrant:innen oft noch schwie- riger als für Einheimische, sagt Gawron. Hier könne ein Unternehmen unterstützen, indem es seine Kontakte nutze. Bisher kamen die meisten Anfragen an das Welcome Center aus Industrie und Handel. Im laufenden Jahr möchte die Beratungsstelle mehr Betriebe im Hand- werk erreichen. Handwerksbetrieben fehle in der Re- gel die Erfahrung mit Fachkräften aus dem Ausland, sagt Kuchendaeva. Erschwerend kommt hinzu: In den meisten Nicht-EU-Ländern werden handwerkliche Fähigkeiten oft ohne Ausbildung erlernt. Doch für ungelernte Handwerker:innen gibt es im FEG keine Schlupflöcher. „Diese Menschen haben keine Chan- ce, bei uns langfristig reinzukommen“, sagt Kuchen- daeva. Kritik an Standards Es bestehe dringender Handlungsbedarf, sagt Simon Kaiser, Geschäftsführer der IHK Südlicher Oberrhein und zuständig für die Ausbildung- und Weiterbildung im Kammerbezirk. „Wenn wir im globalen Wettbewerb um Fachkräfte nicht völlig den Anschluss verlieren wollen, müssen wir unsere Standards senken“, sagt Kaiser. „Bereits heute attestieren eine ganze Reihe an Studien dem Standort Deutschland, dass er es gerade qualifi- zierten Zuwanderern unnötig schwer macht.“ Die for- melle Anerkennung eines Berufsabschlusses spiele für deutsche Arbeitgeber häufig gar keine Rolle. „Längst fehlt es nicht mehr nur an Fachkräften, sondern auch an Helfern“, so Kaiser. „Das Risiko, dass ein Zuwande- rer am Ende arbeitslos ist und durch das Sozialsystem unterstützt werden muss, ist also denkbar gering.“ Wirtschaft trifft Zoll Einladung zum jährlichen Networking D as Zoll- und Außenwirtschaftsrecht ist konti- nuierlich in Bewegung und wirft bei den Ver- antwortlichen im Unternehmen zunehmend Fragen auf. Ob Nachhaltigkeit, Sicherheit oder politische Verflechtung, vieles findet sich in den komplexen zollrechtlichen Anforderungen wieder. Die stetigen Neuerungen müssen in den Unternehmen aufgenom- men und in betriebliche Abläufe integriert werden. Dabei hilft oft der Austausch mit anderen Betroffe- nen sowie der persönliche Kontakt zu den Ansprech- partnern beim Zoll. Gemeinsam mit dem Wirtschaftsverband wvib laden wir ein zum jährlichen Networking am 4. Juli von 14 bis 17.30 Uhr bei der wvib Schwarzwald AG in Freiburg. Auf dem Programm stehen unter anderem die spezi- ellen Zollverfahren und das Russland-Embargo, wir werfen außerdem einen Blick auf das Importverfahren und sprechen über Fachkräfte. Diskutieren Sie mit über die neuesten Entwicklungen, Best Practices und Herausforderungen und nutzen sie die Gelegenheit, Ihr Netzwerk zu erweitern, Know-how zu vertiefen und wertvolle Kontakte zu knüpfen. toe Programm & Anmeldung: www.ihk.de/freiburg/ veranstaltungen Infoveranstaltung zum Fachkräfteeinwande- rungsgesetz am 11. Juni in Freiburg – Anmedlung unter

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