Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Juni'23 - Hochrhein-Bodensee
70 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 6 | 2023 Wenn Sie auf die Entwicklung des Südwestens seit 1973 zurückblicken, machen Sie da irgendwelche Meilensteine in der Geschichte aus? Claudius Marx: Ich könnte keine disruptiven Ereignisse benennen, nichts, was die Zeiten in vorher und nachher teilt. Die Region hat sich kontinuierlich weiterentwi- ckelt – und das ganz außerordentlich. Im Zeitraffer und aus der Vogelperspektive gesehen, würde man staunen, was da alles an Wirtschaft, an Gewerbege- bieten, Verkehrsinfrastruktur und Siedlungsdichte entstanden ist. Thomas Albiez: Für mich ist in der Rückschau beeindru- ckend, wie die Region den permanenten Strukturwandel, die Krisen und Umbrüche bewältigt hat. Als hier oben bei uns die Uhren- und die Unterhaltungsindustrie ihre Tore dicht machten… Kienzle, Dual, Saba. Jeden Tag, wenn man die Zeitung aufschlug, las man von einer neuen Insolvenz, die tausende Arbeitsplätze kostete. Damals galt das hier als Armenhaus Baden-Württembergs und die Arbeitslosigkeit schnellte in die Höhe… Marx: Bei uns am Hochrhein war es analog dazu die riesige Textilindustrie, von der heutzutage nur noch einige wenige Spezialanbieter zeugen. Albiez: Wenn man bedenkt, was das alles für Verwüs- tungen angerichtet hat und was daraus dann hier ent- standen ist. Das grenzt an ein Wunder. Wie konnte das gelingen? Albiez: Ich denke, es sind die mittelständischen, eigen- tümergeführten Strukturen mit all ihren Eigenschaften, die uns stark machen. Fleiß, Beständigkeit, Sparsam- keit und auch Bescheidenheit. Und jetzt steht die He- rausforderung „Transformation“ auf der Türschwelle, die es zu meistern gilt. Dieter Salomon: Diese Stärken machen dann aber auch Hoffnung für die aktuellen und die kommenden Krisen. Albiez: So argumentieren wir immer. Dass uns nicht ban- ge sein muss. Wir kriegen das hin. Aber die Politik muss den Menschen und den Unternehmen auch Rückenwind geben und sie nicht noch zusätzlich behindern. Woran liegt es, dass der politische Rückenwind so oft ausbleibt? Salomon: Weil wir es aktuell mit Krisen ohne Schmer- zen zu tun haben. Die Massenentlassungen früherer Zeiten – so schlimm sie waren – waren immer aber auch sichtbare Signale an die Politik, dass Handlungs- bedarf besteht. Momentan entsteht dagegen das ver- wirrende Bild von einer Wirtschaft, in der die Rezession abgesagt ist und sogar ein ganz leichtes Plus erwartet wird. Also alles nicht so schlimm? Dabei gibt es gleichzeitig Branchen – zum Beispiel die energieintensiven von Che mie, Stahl bis Zement – denen es aufgrund ihrer Konzernstruktur vielleicht global okay geht, die aber wegen der Rahmenbedin- gungen hier nicht mehr in den hiesigen Standort investieren und ihn mittelfristig aufgeben werden. Das ist ein schleichender Verlust – der vom Arbeitskräftemangel noch befeuert wird. 50 Jahre gemeinsame Sache Blick zurück nach vorn Seit 1973 geben die IHKs Hochrhein-Bodensee, Schwarzwald-Baar-Heuberg und Südlicher Oberrhein die Wirtschaft im Südwesten zusammen heraus. Eine lange Zeit, in der nicht nur in der Welt viel passiert ist. Auch der Südwesten hat eine rasante Entwicklung hinter sich – und, wenn alles gut läuft, wohl eine noch größere vor sich. Claudius Marx, Thomas Albiez und Dieter Salomon, Hauptgeschäftsführer der drei IHKs im Regierungsbezirk Freiburg im Gespräch über die Vergangenheit und die Zukunft der Region. Industrie- undHandelskammern Hochrhein-Bodensee Schwarzwald-Baar-Heuberg SüdlicherOberrhein IM W RTSCHAFT MÄRZ 20 19 er s c h e int am 1 . 3 .20 19 Lithium gewinnen Sch w äbisch e r M itt el ständ le rb e t e i l igt sich an Ro hst o ffabbau inB ol i v i e n SchöneWärme Ze hnd e rbaut in L ahr täg l ich 1 . 600He i zk örp e r Helfer zur Selbsthilfe M icha el J unging e r vo n H i lz ing e r -T hum e ngagi e rt sich inGambia Neues Stadiondes SC Freiburg Jetzt geht’s los REPORT REGIO Ak tu elle Ko n j un k turumfrag e im *Quelle für alle Zahlen in diesem Beitrag: Statistisches Landesamt BW. Räumlicher Bezug: Regierungsbezirk Freiburg. 1973 lebten in der Region rund 1,86 Millionen Menschen . 25 Jahre später, 1998, sind es schon 2,1 Millionen. Bis 2021 kamen noch ein paar dazu, auf dann 2,29 Millionen. Bild: Adobe Stock - Africa Studio Aus jedem Jahrzehnt ein Cover.
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ2MDE5