Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Juni'23 - Hochrhein-Bodensee
18 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 6 | 2023 REGIO REPORT IHK Hochrhein-Bodensee 17 Frühjahrs-Apéro in Konstanz Empfang von Handwerkskammer und IHK stärkt Verbindung 19 Pain-Points der HR-Arbeitswelt Praktische Beispiele und Erfahrungswerte 20 Hinweisgeberschutzgesetz Vier Tipps für Unternehmer 22 Vollversammlung der IHK Zu Gast bei der Sto SE & Co. KGaA in Stühlingen 24 Lehrgänge und Seminare 25 Veranstaltungen Pro Innenstadt und IHK-Wasserstoff-Forum 26 Öffentliche Bekanntmachungen 26 Prüfungsordnung Abschluss- / Umschulungsprüfungen 27 Prüfungsordnung für die Durch- führung von Fortbildungsprüfungen 29 Sachverständigenordnung INHALT Gas wurde nicht knapp, der Strom fiel nicht aus, die angekündigte Rezession wurde ab- gesagt“, fasste er zusammen. Auch wenn die Aufgaben vor uns groß seien, dürften wir sie mit Zuversicht angehen. Lob und Kritik an der Politik der Bundesregierung Nach ihren Ansprachen baten die bei- den Kammerpräsidenten den Gast des Abends auf die Bühne des Bodenseefo- rums: Karl-Rudolf Korte. Der 64-Jährige ist seit 2002 Professor an der Universität Duisburg-Essen und für seine Wahlanaly- sen bekannt. Gleich zu Beginn knüpfte er an die Ausführungen von Werner Rottler an: „Der Klimawandel ist in unseren Kellern angekommen.“ Von dieser politischen Ent- scheidung – weg von der herkömmlichen Öl- und Gasheizung – ausgehend, filetierte Korte mit spitzer Zunge und markantem Sprachwitz die Arbeit der politisch Han- delnden. Die habe und werde sich weiter ändern, machte er deutlich und lobte in diesem Zusammenhang Bundeswirt- schaftsminister Robert Habeck – im Ge- gensatz zum Kanzler. Während Olaf Scholz ein „Einsamkeitsgigant“ sei, der bei Dis- kussion strittiger Themen zu nachgerade „aggressivem Schweigen“ neige, schaffe es Habeck, „Widersprüche zu umarmen“ und Menschen mitzunehmen. Man könne ihm gleichsam „beim Denken zuschauen“. Nicht nur bei diesen Charakterisierungen erhielt der Gast aus Nordrhein-Westfalen heiteren Beifall. Korte rückte mehrere Thesen in den Mit- telpunkt seiner Ausführungen, um Lage und Zukunft verständlicher zu machen: Zum einen gelte, dass da, wo früher Si- cherheit geherrscht habe, nun die Unbe- rechenbarkeit das Maß sei: „Die Politik bleibt im Modus des Ausprobierens und Nachbesserns. Planbarkeit ist eine ge- fährliche Illusion geworden.“ Daher müs- se die Gesellschaft „überraschungsfest“ werden. Als zweiten Punkt brachte er die Mitte-Zentriertheit ins Spiel: Die politisch extremen Positionen würden zwar immer lauter und auch aufdringlicher, doch „der Parteienwettbewerb konzentriert sich im- mer mehr auf die Mitte, zwischen FDP und Grünen“. Dazu trage bei, dass man im po- litischen Deutschland das Risiko scheue. Langeweile sei geradezu ein Erfolgsfaktor für politische Karrieren, administrative Ak- ribie zeichne die Deutschen aus. So habe man beim Bau von Impfzentren eher darauf geachtet, die Brandschutzordnung penibel einzuhalten, als ausreichend Impfstoff zu beschaffen. Mehr Mut zum Risiko und eine Entbürokra- tisierung waren daher Wünsche, die Korte in seinem Vortrag immer wieder durch- blitzen ließ. Dem stimmten sowohl Wer- ner Rottler für die HWK als auch Thomas Conrady für die IHK gerne zu. Sie dankten ihrem Gast für seine Ausführungen, die auf ein großes, positives Echo gestoßen waren. Dass das Bodenseeforum dabei als ein Ort für „Festspiele des Denkens“ gelobt wurde, dürfte allen Anwesenden gefallen haben. Das Trio „4fun“ aus Tuttlingen, das den Abend bereits professionell musikalisch begleitet hatte, spielte im Anschluss weiter im Foyer auf und gab damit den vielen Ge- sprächen einen beschwingten Background. Bei Häppchen und Getränken nutzten Haupt- und Ehrenamt den Abend zu Ge- sprächen mit Mitgliedern beider Kammern und politischen Vertretern. Patrick Merck Von links: Claudius Marx (IHK-Hauptgeschäfts- führer), Thomas Conrady (IHK-Präsident), Karl-Rudolf Korte (Gastredner, auch rechtes Bild), HWK-Präsident Werner Rottler und HWK- Hauptgeschäftsführer Georg Hiltner.
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