Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Februar'23 -Südlicher Oberrhein
22 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 2 | 2023 REGIO REPORT IHK Südlicher Oberrhein ANZEIGE Zeitarbeit - Personal- dienstleistungen Verlagsspecial im April 2023 Anzeigenschluss: 06.03.2023 Kontakt für weitere Informationen: albecker.andrea@pruefer.com D ie Blockchain: ein Register, das jeder- zeit und überall zugänglich und verän- derbar ist, aber die Chronologie sämtlicher Veränderungen gesichert abspeichert und dadurch praktisch unfälschbar ist. Die be- kannteste Anwendung sind die Kryptowäh- rungen. Blockchainanhänger sehen in ihr unbegrenztes Zukunftspotenzial, Zweifler halten sie für einen gigantischen Schwindel. Fest steht, dass es immer mehr konkrete Anwendungen gibt. So will das Straßburger Unternehmen ADMCS mittels Blockchain den Fluss und die Verfolgbarkeit von Con- tainern im multimodalen Warentransport optimieren. Der 30-jährige Jérôme Wurster hatte eine ganz andere Idee. Er stand am Anfang sei- ner internationalen Ingenieurskarriere, als er 2018 der Blockchain begegnete. Als be- geisterter Videospieler sah er in ihr neue Möglichkeiten. „Wir haben sofort begriffen, was sie ermöglicht, nämlich den sicheren Austausch von Wertobjekten zwischen In- dividuen ohne Zwischeninstanzen wie etwa Banken.“ Daraus entwickelte Jérôme ein zusätzliches Businessmodell für die Unter- haltungsindustrie namens „play to earn“. Es belohnt die Leistung und die Treue von Spielern mit sogenannten „non fungible to- ken“, kurz NTF. Die Exklusivität und Echtheit dieser virtuellen Wertobjekte werden durch eine Blockchain garantiert. Sie sind auch ge- gen Kryptowährung und damit letztlich gegen gutes altes Geld eintauschbar. „Ein erster Test mit 2.000 Spielern hat uns gezeigt: Der Wunsch nach persönlichem Besitz ist unter ihnen stark, und die Möglichkeit, etwas zu verdienen, bringt sie dazu, mehr Zeit mit ei- nem Spiel zu verbringen.“ Ein deutsches Partnerstudio 2020 gründet Jérôme Wurster dann das Start-up-Unterneh- men PlayTiX, mit einer präzisen Positionierung: „Wir verstehen uns als Bindeglied zwischen den Bereichen Videospiel und Blockchain. PlayTiX bietet ei- nen Marketplace für NTF an, die die Spielererfahrung berei- chern. Darüber hinaus beraten wir Videospielstudios, die NTF einsetzen wollen und entwi- ckeln die entsprechenden Bausteine, die sie in ihr Spiel einbauen können.“ Die ersten Projekte von PlayTiX stützen sich auf bereits bewährte Videospielrezepte. Harmonia Goya‘s Land etwa erweitert einen Klassiker, das Nintendo-Spiel Animal Cros- sing, um die neue Dimension der NTF. Derzeit entwickelt PlayTix sein zweites Projekt, ein Fußballspiel. Dank eines deutschen Partners, dem Berliner Tiny Crocodile Studio, konnte Wurster eine Subvention der deutschen Re- gierung über 200.000 Euro an Land ziehen. PlayTiX agiert in einem Umfeld mit starkem Wachstumspotenzial – plus 2.000 Spieler in einem Jahr –, in dem sich aber auch bereits erste Big Player herauskristal- lisieren. Das französische Un- ternehmen Sorare etwa integ- riert die NFT in das Modell der Panini-Fußballsammelkarten. Sorare ist das zweitgrößte Unicorn-Start-up in Frank- reich und macht sich daran, mit einer Übertragung seines Modells auf die National Base- ball-League den US-Markt zu erobern. Pierre Pauma Die WiS arbeitet mit der elsässischen IHK-Zeitschrift „Point éco“ und dem Wirtschaftsmagazin „Wima“ der IHK Karlsruhe zusammen und veröffent- licht gemeinsame Beiträge wie diesen. Mit seinem ersten Videospiel Harmonia versammelte Jérôme Wurster rund 500 Testspieler und eine inzwischen 12.000 Mitglieder starke Community auf dem Discord-Server des Spiels. Blockchain Bits aus dem Elsass erobern den Weltmarkt Sie findet Anwendung in der Logistik, der Finanz- und nun auch der Unterhaltungsindustrie. Die Blockchain interessiert immer mehr Start-ups. In den Räumen des Start-up-Inkubators Semia entwickelt das Studio PlayTiX Videospiele mit Block- chainnutzung – und einem deutschen Partner.
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