Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Dezember'22 -Südlicher Oberrhein

21 12 | 2022 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten Allmendstr. 12  77933 Lahr  www.stramka.de   KFZ-Ersatzteile & KFZ-Zubehör  Wälzlager /Dichtungen  Werkzeuge  Industriebedarf ANZEIGEN BAUEN, WOHNEN, MODERNISIEREN der Umfrage im Hotel- und Gastgewerbe. Hier geben 95 Prozent der Befragten an, dass sie darin ein Risiko für die eigene wirtschaftliche Entwicklung sehen. Auf Platz zwei folgt die Industrie mit 85 Prozent. Dass die Betriebe beim Einsatz von Strom und Gas nicht die Hände in den Schoß legen können, ist eine logische Konsequenz. Mehr als die Hälfte (54 Prozent) der Un- ternehmen geben an, dass ih- nen nichts anderes übrigbleibt, als die gestiegenen Kosten an die Kunden weiterzugeben. 47 Prozent reagieren mit der Investition in die Energieeffizi- enz, und 14 Prozent sehen sich gezwungen, die Produktion he- runterzufahren beziehungswei- se das Angebot zu reduzieren. Das gilt umso mehr, sollte die Bundesregierung im Winter im Rahmen des Notfallplans Gas die „Notfallstu- fe“ feststellen und Gaslieferungen an Unter- nehmen drosseln. Zwar benötigen auf der einen Seite 43 Prozent der befragten Industriebetriebe kein Gas oder können darauf verzichten, auf der anderen Sei- te müsste annähernd ein Viertel (24 Prozent) der Unternehmen die Produktion einstellen, sollte es zu einer Drosselung der Gaslieferun- gen von 25 Prozent kommen. Fachkräftemangel limitiert die Wirtschaft in der Region Trotz aller negativer Vorzeichen wird das Be- schäftigungsniveau auf hohem Stand bleiben. „Es herrscht die paradoxe Situation, dass wir in eine Rezession rutschen werden, der Fach- kräftemangel aber trotzdem allgegenwärtig bleibt“, sagt Salomon. 69 Prozent der Unter- nehmen planen laut der Umfrage keine Verän- derungen der Belegschaftsgröße, 13 Prozent wollen sogar die Zahl der Mitarbeiter ausbau- en. Nur 18 Prozent planen einen Stellenabbau. Mit einer Arbeitslosenquote von derzeit rund 3,5 Prozent im Gebiet der IHK Südlicher Ober- rhein kann weiterhin von einen Niveau nahe der Vollbeschäfti- gung gesprochen werden. Fachkräfte sind und bleiben also ein limitierender Faktor für die Unternehmen. In der Herbstumfrage geben 69 Pro- zent der Unternehmen – und damit so viele wie noch nie – an, offene Stellen nicht beset- zen zu können. Zum Vergleich: Bei der Umfrage im Jahr 2013 waren es lediglich 28 Prozent. Einsicht in seinen Betrieb gab Michael Faller, geschäftsfüh- render Gesellschafter von Faller Packaging in Waldkirch. Der Spezialist für Faltschachteln, Haftetiketten und Packungsbeilagen für pharmazeutische Produkte kann sich den steigenden Energie- kosten ebenfalls nicht entziehen. Faller kalku- liert mindestens mit einer Verdoppelung der Energiekosten im Betrieb, aber nur, weil das Unternehmen versucht, Strom günstiger am Spotmarkt einzukaufen. „Im August war die Entwicklung sehr drama- tisch. Hätten wir unseren Strom zu diesem Zeit- punkt eingekauft, stünde unter dem Strich eine Versiebenfachung der Kosten“, berichtet Faller, dessen Unternehmen am Standort Waldkirch rund 600 Menschen beschäftigt. Zusammen mit allen Standorten – auch im Ausland – sind es etwa 1.300 Mitarbeiter. Faller: „Wir müssen versuchen, diese Kostensteigerungen – auch die zu erwartenden Lohnerhöhungen – auf ir- gendeine Weise an unsere Kunden weiterzuge- ben. Allein durch Effizienzmaßnahmen können wir sie nicht mehr kompensieren.“ Dabei habe Faller Packaging aufgrund der stark angezogenen Kosten für Karton und Papier bereits drei Preissteigerungsrunden bei seinen Kunden durchgesetzt. Aufgrund der Sondersituation in der Pharmabranche mit weiterhin hoher Nachfrage sei dies mög- lich. Faller bleibt für sein Unternehmen daher optimistisch: „Die Geschäftserwartung für kommendes Jahr ist immer noch gut.“ Die Hoffnung stirbt zuletzt Auch IHK-Präsident Eberhard Liebherr sieht trotz der schwierigen Rahmenbedingungen keinen Grund, in Pessimismus zu verfallen: „Wir haben volle Auftragsbücher in der Indust- rie und reden davon, dass die Welt zusammen- bricht. Davor möchte ich warnen, das bringt uns nicht weiter.“ Liebherr äußert die Hoff- nung, dass die Entlastungspakete der Bundes- regierung – unter anderem der Gaspreisdeckel – ihre Wirkung entfalten werden. „Für die Psy- che der Menschen ist das unglaublich wichtig. Wenn ich im Dezember als Verbraucher mei- nen Gas-Abschlag nicht bezahlen muss und noch weitere Unterstützungen hinzukommen, wird das bei den Menschen hoffentlich dazu führen, dass noch Geld für andere Ausgaben übrigbleibt und sie hoffentlich sagen: ‚So schlimm wird es schon nicht.‘“ tas »Wir haben volle Auftrags- bücher in der Industrie und reden davon, dass die Welt zusammenbricht. Davor möchte ich warnen, das bringt uns nicht weiter« Eberhard Liebherr Den kompletten IHK-Kon- junkturbericht Herbst 2022 sowie auch die Ergebnisse früherer Umfragen gibt es zum Herunterladen unter www.ihk.de/freiburg/ standortpolitik/ konjunktur-zahlen-fakten/ konjunktur

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