Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Juni'22 -Schwarzwald-Baar-Heuberg
20 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 6 | 2022 REGIO REPORT IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg Mehr Güterverkehr auf die Schiene IHK-Netzwerk treibt Verlagerung voran D ie industriestarke Region Schwarzwald-Baar-Heuberg verfügt über viel ungenutztes Potenzial zur Verlagerung des Güterver- kehrs auf die Schiene. Um diese klimaschonenden Transportwege künftig vermehrt zu nutzen, ko- operiert ein IHK-Netzwerk aus regionalen Unternehmen mit Gleisanschluss und Affinität zum Schienengüterverkehr nun mit dem Land Baden-Württemberg. Martin Schmidt, IHK-Projektleiter für Verkehr und Infrastruktur: „Die Bereitschaft der Unterneh- men zum Gütertransport über die Schiene ist hoch. Gleichzeitig sind die Herausforderungen aber vielschichtig. Genau dort setzt das IHK-Netzwerk zum Schienen- güterverkehr an. Es steht allen in- teressierten Unternehmen offen und hat sich zum Ziel gesetzt, direkt vor Ort schrittweise Ver- besserungen zu erzielen.“ Unterstützt werden die Unternehmen durch Stefan Kindorf und Joa- chim Zacher, die als Kümmerer des Landes Baden-Württemberg für den Schienengüterverkehr tätig sind und die Schnittstelle zwischen den Akteuren aus der Praxis und dem Verkehrsministerium bilden. „Bei dem Auftakttreffen Anfang April ging es im ersten Schritt da- rum, sich mit einigen Unternehmen vor Ort zu vernetzen und den Verbesserungsbedarf in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg zu ermitteln“, so die beiden Kümmerer. Die kommenden Monate sollen dazu genutzt werden, zusammen mit den Ansprechpartnern aus der Wirtschaft konkrete Lösungen zu erarbeiten. Eine Möglichkeit bestehe bei- spielsweise darin, mit Hilfe von Fördermitteln alte, vom Netz genommene Gleisanschlüsse zu reaktivieren oder gar neue Gleis- anschlüsse zu schaffen. Ebenfalls soll ausgelotet werden, ob und wie die Auslastung bestehender Gleisanschlüsse erhöht werden kann, indem auch Dritte Zugang zu diesen Verlademöglichkeiten erhalten. Konkreten Verbesse- rungsbedarf im Tagesgeschäft gebe es bei der Verfügbarkeit von Waggons, bei der Flexibilität und Pünktlichkeit sowie bei Betriebs- förderungen im Einzelwagenver- kehr. Mittel- bis langfristig könnten durch das IHK-Netzwerk mög- licherweise auch Gütermengen gebündelt oder gar neue Relationen ausfindig gemacht werden. MS Martin Schmidt | Fachbereich Standortpolitik 07721 922-207 martin.schmidt@vs.ihk.de Stimmen aus der Wirtschaft Andreas Pecher von der Silco Logistik GmbH in Deißlingen: „Si- locontainer-Transporte über große Distanzen aus Italien im Alpen- transit nach beispielsweise Duisburg oder Transporte von zeitlich unkritischen Gütern sind im Sinne des Klimaschutzes und in Zeiten des Lkw-Fahrermangels dafür prädestiniert, über die Bahn abge- wickelt zu werden. Um allerdings mehr Verkehr von der Straße zu verlagern, müssen der Schienengüterverkehr flexibler, die Kapazi- täten erhöht und die Netzstabilität verbessert werden.“ Martin Degen, Prokurist bei der Bernd Witz GmbH in Villingen- Schwenningen: „Um den ökologischen Fußabdruck unseres Ent- sorgungsfachbetriebs zu senken, verwenden wir bereits heute syn- thetische Kraftstoffe und neutralisieren Stickoxidverbindungen mit unseren neuen Dachbahnen auf dem sanierten Hallendach. Mit dem neuen IHK-Netzwerk Schienengüterverkehr wollen wir einen Teil unserer Wertstoffe auf die Schiene verlagern und den Entsorgungs- prozess auch im Sinne unserer Kunden CO 2 -reduziert abbilden.“ Marius Neininger, Geschäftsführer der Bächle und Hugger Logis- tics GmbH in Aldingen sowie der LCV (Logistik Center Villingen) GmbH: „Leider passt es nicht zusammen, wenn die Erhöhung des Gütertransports über die Schiene als politisches Ziel ausgegeben wird und gleichzeitig Weichen oder Anschlüsse vom Netz genommen werden und erst wieder mit hohem finanziellen Aufwand reaktiviert werden müssen. Es wäre wünschenswert, wenn wir es mit Unterstüt- zung des Landes schaffen, am LCV-Standort in Villingen in abseh- barer Zeit wieder Güter über die Schiene umschlagen zu können.“ Ansgar Börsig, Geschäftsführer der BöLog - Börsig Logistik GmbH & Co. KG in Fridingen a.d. Donau: „Seit Juni 2010 verladen wir nach zehnjähriger Planungs-, Genehmigungs- und Bauphase in Fridingen wieder Güter mit der Bahn und ermöglichen Versendern und Spedi- teuren den Zugang zur Schiene. Die Nachfrage ist vorhanden. Ziel muss es deshalb sein, weitere Kapazitäten und attraktive Verlade- möglichkeiten in der Region zu schaffen.“ Bild: Adobe Stock/Marco2811
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