Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Februar'22 - Hochrhein-Bodensee
22 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 2 | 2022 REGIO REPORT IHK Hochrhein-Bodensee Dr. Ann-Veruschka Jurisch MdB FDP, Bundestagswahlkreis Konstanz Welche Wirtschaftsthemen werden aus Ihrer Sicht 2022 wichtig und sollten in den Fokus gerückt werden? Im Fokus sehe ich vor allem die doppelte Transformation hin zu einer klimaneutralen und digitalen Wirtschaft. Gleichzeitig gilt es, unsere führende Rolle als Industrieland auszu- bauen und in den genannten Bereichen neue Technologien zu entwickeln. In 2022 wird uns auch das Thema Energie weiter begleiten. Ins- besondere Energiesicherheit und der hohe Energiepreis. Ich bin froh darüber, dass wir die EEG-Umlage zum Jahreswechsel fast hal- bieren konnten und damit einen ersten Schritt gegangen sind. Als dritten Punkt sehe ich den Fachkräftemangel, dem wir schnellstmöglich begegnen müssen, auch mit einer optimierten Fachkräfteeinwanderungspolitik. Wofür werden Sie sich 2022 persönlich mit größter Priorität einsetzen? Mein persönlicher Schwerpunkt wird ne- ben der Stärkung des Wirtschaftsstandorts Süddeutschland/Bodenseeraum und den wirtschaftlichen Beziehungen zu unseren Schweizer Nachbarn auf der Fachkräfteein- wanderung liegen. Ich werde mich in der Koalition dafür stark machen, dass wir das Einwanderungsgesetz optimieren, die Mög- lichkeiten zur Arbeitssuche für Fachkräfte aus dem EU-Inland attraktiver gestalten und das Einwanderungsgesetz um ein Punktesystem nach kanadischem Vorbild ergänzen. Gerade Letzteres öffnet Menschen mit entsprechen- der beruflicher oder akademischer Ausbildung die Tür zu unserem Arbeitsmarkt und leistet damit einen Beitrag gegen den Fachkräfte- mangel. Felix Schreiner MdB CDU, Bundestagswahlkreis Waldshut Welche Wirtschaftsthemen werden aus Ihrer Sicht 2022 wichtig und sollten in den Fokus gerückt werden? Nach wie vor geht es um die Herausforderun- gen der Pandemie. Der Instrumentenkasten zur Unterstützung unserer Wirtschaft muss umgesetzt werden. Hierzu zählen beispiels- weise das Kurzarbeitergeld, die Aussetzung der Insolvenzantragsfristen, die Verlängerung der Steuererklärungsfristen für das Jahr 2020, die vollständige Abschaffung des Solidaritäts- zuschlages sowie die Ausweitung der Über- brückungshilfen. Wir müssen die Wirtschaft stärken, indem wir Innovationen ermöglichen und Beschäftigung sichern. Die Digitalisierung bietet enormes Potenzial. Die Bürokratie hin- gegen hemmt die Entwicklung. Zudem muss die EEG-Umlage sofort abgeschafft werden und es benötigt eine umfassende Reform der Unternehmensbesteuerung. Wofür werden Sie sich 2022 persönlich mit größter Priorität einsetzen? Priorität haben für mich die Menschen und deren Anliegen in unserer Region. Ein gutes Beispiel ist die Verkehrspolitik. Wir dürfen den Menschen nicht vorschreiben, wie sie sich fortbewegen sollen, sondern müssen beste- hende Angebote ausbauen und erweitern. In Berlin und in Stuttgart setze ich mich insbe- sondere für die Infrastrukturprojekte ein. Der Ausbau der Autobahn 98, die Elektrifizierung der Hochrheinbahnstrecke sowie die Weiter- entwicklung eines gut funktionierenden ÖPNV sind entscheidend für die Lebensqualität der Menschen und die Wettbewerbsfähigkeit un- serer Unternehmen. Dr. Christoph Hoffmann MdB FDP, Bundestagswahlkreis Lörrach-Müllheim Welche Wirtschaftsthemen werden aus Ihrer Sicht 2022 wichtig und sollten in den Fokus gerückt werden? Die ökonomischen Rahmenbedingungen sind auch 2022 leider noch stark pandemiege- prägt. Die hohen Energiepreise und die hohe Inflation belasten die Geldbeutel der Bürge- rinnen und Bürger. Die Lieferketten sind noch immer massiv gestört, es mangelt zahlreichen Branchen wie dem im Südwesten besonders starken Fahrzeug- und Maschinenbau an Material und Fachkräften. Gleichzeitig hat die Pandemie unserem Land einen dringend notwendigen Digitalisierungsschub verpasst. Der Onlinehandel ist richtiggehend aufgeblüht und Start-ups in Bereichen wie Software-Lö- sungen und Lieferdienste konnten Fuß fassen. Wofür werden Sie sich 2022 persönlich mit größter Priorität einsetzen? Die negativen Auswirkungen des Abbruchs der Verhandlungen zu einem Rahmenab- kommen zwischen der EU und der Schweiz müssen begrenzt werden. Gerade für die Grenzregion in Südbaden ist es wichtig, die Handelsbeziehungen aufrechtzuerhalten und durch diplomatische Vermittlung gemeinsame Projekte weiterhin zu ermöglichen. Ein weite- res Augenmerk liegt auf der Gestaltung guter Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft in Südbaden. Der Anbau von Sonderkulturen hat in der Region eine herausgehobene Be- deutung und muss durch weniger Einschrän- kungen bei Pflanzenschutz und Düngung un- terstützt werden. Bilder: Dr. Christoph Hoffmann: Fuchs/Stephanie Trenz, Felix Schreiner: © 2020 tokography/Tobias Koch (www.tobiaskoch.net)
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