Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Juli/August '21 -Südlicher Oberrhein

24 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 7+8 | 2021 REGIO REPORT IHK Südlicher Oberrhein Welchen Anteil haben Frauen in Führungspositionen am unternehmerischen Erfolg? Porten-Wollersheim: Viele Studien zeigen, dass ge- mischte Teams einfach erfolgreicher sind. Es gilt, die Rahmenbedingungen im Unternehmen zu schaffen, dass die Stärken von Frauen und die Stärken der Män- ner optimal zum Tragen kommen können. Männer mö- gen fokussierter und schneller mal harte Entscheidun- gen treffen, Frauen bringen zum Beispiel sogenannte weiche, psychosoziale, verbindende und damit Resili- enz steigernde Faktoren ein. Jakob: Frauen haben oft einen transformationalen Füh- rungsstil, sie erreichen die Geführten damit auf einer emotionalen Ebene, betrachten bei Entscheidungspro- zessen auch soziale Faktoren und legen viel Wert auf Beteiligung und Transparenz, während Männer eher auf einer rationalen Ebene mit klaren Strukturen und Hie- rarchien führen. Nur Unternehmen, die das Potenzial beider Stile nutzen, werden künftig wettbewerbsfähig bleiben können. Wörnle: In der Gesundheitsversorgung und im Ge- sundheitsmanagement ist dieses Phänomen gut er- kennbar. Bei den Klienten ist die sozial-empathische Kompetenz des Personals ein entscheidender Faktor, sich vertrauensvoll zu öffnen und schnell gute Ergeb- nisse zu erreichen. Diese „weichen Parameter“ sind neben den harten Fakten und Kennzahlen ein wichtiger „Wohlfühlfaktor“ für den Erfolg und eine gute Reputa- tion des Unternehmens. Diese Notwendigkeit hat nicht nur die Wirtschaft erkannt, auch die Politik möchte nun mit der Frau- enquote in Vorständen großer Unternehmen Vielfalt fördern. Ist dies der richtige Weg? Jakob: Wir brauchen die Quote aktuell als kurzfristigen Geburtshelfer, mittel- und langfristig wird der Wett- bewerb sicherlich die gleichberechtigte Teilhabe an Führungspositionen bei beiden Geschlechtern richten. Kast: Ergänzend sollten wir betrachten, dass zur Viel- falt nicht nur Männer und Frauen gehören. Für eine Di- versität braucht es Menschen unterschiedlicher Men- talität, unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Erfahrung. Ein ausgewogener Mix wirkt sich positiv und produktivitätssteigernd auf alle Bereiche aus. Vor welchen Problemen und Hürden steht ein Unterneh- men, wenn es die Anzahl der Frauen in Führungspositio- nen erhöhen möchte? Wörnle: Die klassischen Muster der Unternehmensfüh- rung müssen aufgebrochen und Strukturen verändert werden – Standards sollten passgenau individualisiert werden. Zudem braucht es eine systematischere För- derung von weiblichen Talenten im Unternehmen. Porten-Wollersheim: Die Frauen selbst sind hier eben- so gefragt: Es geht darum, die veränderten Rollenver- hältnisse mutig zu leben, Sichtbarkeit herzustellen und sich selbst selbstbewusster und aktiver zu positionie- ren. Die Herausforderung ist häufig, Frauen für Füh- Am 22./23. September findet das Frei- burger Unternehmer-Symposium zum fünften Mal statt. Es steht in diesem Jahr unter dem Thema „Female Leader- ship – Frauen in Führung“. Im Vorfeld haben wir mit den Veranstaltern über Frauenquoten, Führung im Wandel, gemischte Teams und Unternehmen in Besetzungsnöten gesprochen. Freiburger Unternehmer-Symposium: Frauen in Führungspositionen Wer ist der bessere Chef? Frauen sind in den Topetagen von Unternehmen längst noch nicht gang und gäbe. Neue Gesetze sollen das jetzt ändern. Bild: Adobe iStock

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