Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Juli/August '21 -Schwarzwald-Baar-Heuberg
24 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 7+8 | 2021 REGIO REPORT IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg Was muss man beim Vergleich verschie- dener Antriebskonzepte berücksichtigen? Eine deutliche Reduktion der CO 2 -Emissionen bei der Mobilität bis hin zur CO 2 -Neutralität ist unstrittig – schnellstmöglich und unabhängig von der Antriebsform. Dies ist nur durch Tech- nologieoffenheit zu erreichen, die Stand heu- te leider nicht gegeben ist. Und damit sind wir auch schon bei einem großen Widerspruch: Der Gesetzgeber bevorzugt eindeutig batte- rieelektrische Fahrzeuge und stuft diese als CO 2 -neutral ein. Bei genauerer Betrachtung im Rahmen einer Lebenszyklusanalyse wird aber sehr schnell klar, dass durch die Kom- bination mit der Herstellung der Batterie und dem laufenden Fahrbetrieb die CO 2 -Bilanz, unter Berücksichtigung des heutigen Strom- mixes, schlechter als bei jedem mittelmäßi- gen Dieselmotor ausfällt. Aber weisen batterieelektrische Antriebe nicht Effizienzvorteile auf? Grundsätzlich ist es richtig, dass der Wir- kungsgrad eines batterieelektrischen An- triebs von der Stromerzeugung bis hin zum Fahrbetrieb höher ist als bei anderen An- triebsarten. Aber der heute regenerativ er- zeugte Strom ist nicht immer zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort verfügbar. Kern- problem ist nach wie vor die Speicherung und das lässt sich insbesondere bei batterieelek- trischen Fahrzeugen selbst auf mittlere Sicht nicht lösen. Zudem ist der weltweit erzeugte Strom zu 80 Prozent nicht regenerativ. Und die Herstellung der Batterie mit ihren benö- tigten Rohstoffen ist weder umwelt- noch klimafreundlich. Fatal dabei ist auch, dass China mehr als 95 Prozent der seltenen Er- den kontrolliert und die Automobilindustrie in die totale Abhängigkeit manövrieren kann. Auch die Entsorgung der Batterien – wir spre- chen hier über katalytische Substanzen und Schwermetalle – ist bis heute nicht gelöst. Nur zum Vergleich: 600 kg Batterie entspre- chen in etwa 40 kg Benzin. Insofern wird es auch kaum möglich sein, die Batterie-Tech- nologie im Schwerverkehr sowie in der Luft und Schifffahrt anzuwenden. Worin sehen Sie die Lösung? Die globale Dimension ist doch entschei- dend. Grundsätzlich muss man wissen, dass das 2.850-fache des gesamten, weltweiten Energiebedarfs als Sonnenenergie auf der Erde ankommt. Zusätzlich steht in etwa das 200-fache an Windenergie zur Verfügung. Im Umkehrschluss steht also theoretisch unbe- grenzte regenerative Energie zur Verfügung, sodass die Effizienz eine völlig untergeord- nete Rolle spielt. Man muss die Energie aber speichern und nutzbar machen. Insofern wäre es mit Abstand am sinnvollsten, heutige Ver- brenner mit synthetischen Kraftstoffen, also mit regenerativen, speicher- und transport- ZUR PERSON Armin Distel, Jahrgang 1965, hat an der Fachhochschule Furtwangen Feinwerk- technik studiert und startete nach sei- nem Diplom 1990 als Prozessingenieur in der IBM-Leiterplattenproduktion der da- maligen Maschinenfabrik Spaichingen. 2006 wurde Distel Geschäftsführer der MS Spaichingen, wie das Unternehmen seit der Zugehörigkeit zu MS Industrie heißt. Seit 2013 gehört er dem Vorstand der Unternehmensgruppe mit Standor- ten in Deutschland, den USA, Brasilien und China an. » Die globale Dimension ist entscheidend « Die Energiewende ist eines der größten politischen und gesell- schaftlichen Projekte der heutigen Zeit. Das Ziel ist unbestritten, die Diskussion um den richtigen Weg voll im Gange. Armin Distel ist Vorstand der MS Industrie AG. Das Unternehmen mit Hauptsitz in München und einem Standort in Spaichingen ist auf Antriebs- und Ultraschalltechnik spezialisiert. Bei der Abwägung zwischen batte- rieelektrischem Antrieb und Verbrennungsmotor sieht Distel syn- thetische Kraftstoffe im Vorteil - nicht wegen des Wirkungsgrads, sondern wegen ihrer Speicher- und Transportfähigkeit. Armin Distel über die Energiewende und die Vorteile synthetischer Kraftstoffe
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