Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Mai/Juni'20 - Hochrhein-Bodensee

30 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 5+6 | 2020 Wagner: Welche Auswirkungen hat ein kompletter Shutdown auf den Kulturbetrieb und die Stadt Konstanz? Pijanka: Die Coronakrise hat den gesamten Kulturbe- trieb stillgelegt. Spielverbote, enorme Einnahmeaus- fälle… es ist eine Katastrophe für kulturelle Einrichtun- gen und die gesamte freiberufliche Szene. Marx: Und darin mit der Wirtschaft vergleichbar. Ich fürchte, es gibt für die Konstanzer Innenstadt eine Zeit vor und nach Corona. Die Einbußen durch den komplet- ten Shutdown sind für Dienstleister nicht nachholbar - seien das Gastronomen, Hoteliers, Einzelhändler oder natürlich auch Kulturschaffende. In der industriellen Produktion kann einiges durch eine erhöhte Nachfrage nachgeholt werden. Dahingegen kommt der Gast, der heute ausbleibt, nach Corona nicht zweimal. Und die Betten, die leer stehen, werden hinterher nicht doppelt belegt. Es gibt aber auch einen nicht-wirtschaftlichen Befund, den ich für nicht minder wichtig halte. Und das ist der, dass jeder in dem Moment, in dem Kultur nicht stattfindet, intuitiv spürt - und dies mehr als je zuvor -, wie wichtig sie ist. Und zwar Kultur im weitesten Sinne. Kultur fängt ja nicht erst an, wenn man im Konzert- saal sitzt. Kultur ist auch der Wochenmarkt. Regionale Erzeuger treffen ihre Kunden, man steht beieinander und tauscht Neuigkeiten aus, eine Jahrhunderte alte Tradition wird gelebt. Auch das ist Kultur. Die Ausgangs- beschränkungen haben uns gezeigt, wie unglaublich viele Bedürfnisse Menschen haben, die über das reine Arbeiten, Essen und Schlafen hinausgehen und was Wirtschaft trifft Kultur: Claudius Marx, Hauptgeschäftsführer der IHK Hochrhein-Bodensee, und Insa Pijanka, Intendantin der südwestdeutschen Philharmonie in Konstanz, sprachen über die Zukunft der Konstanzer Innenstadt. Das gegenwärtig alles dominierende Thema Corona war auch präsent. Schnell zeigte sich, dass gerade die Zeit des Shutdowns, der Kontakt- und Ausgangssperren, in der die sonst so belebten Innenstädte zu menschenleeren Geisterorten wurden, viel über die Relevanz, ja, über die Unersetzlichkeit von Innenstädten verrät. Interview zur Zukunft der Innenstadt » Das eine ist die Dosensuppe, das andere ist das Feinschmeckermenü « Da gab es noch keine Abstandsregeln: Insa Pijanka und Claudius Marx Anfang März in der IHK in Konstanz.

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