Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe März'20 -Südlicher Oberrhein
21 3 | 2020 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten IHK Südlicher Oberrhein REGIO REPORT Warum gibt es einen Berufsbildungs ausschuss? Der Berufsbildungsausschuss ist insofern ein besonderer Ausschuss, weil er im Berufsbil- dungsgesetz eine gesetzliche Grundlage hat. Er überwacht und berät die IHK in Fragen der beruflichen Aus- und Weiterbildung und hat außerdem das Recht und auch die Aufgabe, Rechtsvorschriften wie etwa Prüfungsord- nungen, spezielle Weiterbildungsabschlüsse, Zusatzqualifikationen oder Ausbildungsgänge für Menschen mit Behinderung zu entwickeln und zu beschließen. Wer sind die Mitglieder des Ausschusses? Die Zusammensetzung ist streng reglemen- tiert, weil der BBA innerhalb seines Aufgaben- bereichs weitreichende Beschlüsse fassen darf und muss. Er besteht aus je sechs Be- auftragten der Arbeitgeber und der Arbeit- nehmer sowie sechs Lehrern an berufsbil- denden Schulen. Er ist also drittelparitätisch besetzt mit 18 ordentlichen Mitgliedern. Dazu kommen 18 stellvertretende Mitglieder. Die Vertreterinnen und Vertreter der Schulen haben immer nur dann Stimmrecht, wenn durch einen Beschluss auch die Interessen und Aufgabenwahrnehmung der Beruflichen Schulen berührt sind. Der Vorsitz wechselt jährlich zwischen der Arbeitnehmer- und der Arbeitgeberseite. Ich bin also einer von zwei alternierenden Vorsitzenden und teile mir die- se Aufgabe mit meinem geschätzten Kollegen Hans-Peter Menger vom DGB. Wie wird man Mitglied? Die Mitglieder werden formell durch das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg benannt, das hierfür Vorschläge der IHK für die Arbeitgeber, des Deutschen Gewerk- schaftsbunds für die Arbeitnehmer und des Regierungspräsidiums Freiburg für die Schu- len erhält. Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich? Kurz gesagt mit allen Aspekten rund um die berufliche Bildung. Das ist ein ziemlich brei- tes Gebiet und reicht von der Entwicklung neuer Weiterbildungsabschlüsse über die Frage, wie die IHK Azubis und Betriebe wäh- rend der Ausbildung bestmöglich unterstüt- zen kann bis hin zur Frage der Entwicklung der regionalen Struktur der Berufsschulen. Große Themen in jüngerer Zeit waren die In- tegration von Flüchtlingen in eine berufliche Ausbildung und die Unterstützung von Betrie- ben bei nicht ausreichender Ausbildungsreife ihrer Azubis. Wie häufig und wo treffen Sie sich? Dreimal jährlich. Im Frühjahr und Herbst findet je eine halbtägige Sitzung in Freiburg und Lahr statt. Im Sommer sind wir jeweils in einem Ausbildungsbetrieb zu Gast und er- halten eine Unternehmensführung sowie eine Vorstellung des Ausbildungskonzepts. Diese Treffen sind dann ganztägig. Wie hoch ist Ihr zeitlicher Aufwand? Als Vorsitzender möchte ich natürlich vorbe- reitet in die Sitzungen gehen und lese mich deshalb gründlich ein beziehungsweise be- spreche mich mit den Mitarbeitern der IHK. Außerdem versuche ich nach Möglichkeit auch bei den wichtigen Jahresveranstaltun- gen der IHK wie dem Neujahrsempfang, dem Sommerfest, der Abschlussfeier der Berufs- bildung, dem Ausbildertag oder bei Prüfer- ehrungen präsent zu sein. Außerdem – und das ist mir besonders wichtig – bin ich auch Prüfer für Verkäufer, Einzelhandelskaufleute und Handelsfachwirte. Es kommen also im Saldo schon ein paar Stündchen pro Jahr zusammen, wenn ich so darüber nachdenke. Interview: ak Neun Ausschüsse mit zusam men rund 300 ehrenamtlichen Mitgliedern arbeiten der Vollver sammlung und der Geschäfts führung der IHK zu. In einer Interviewserie befragen wir die jeweiligen Ausschussvorsitzen den zur Rolle, den Themen und Besonderheiten ihrer Ausschüs se. Diesmal: Günter Thiem vom Berufsbildungsausschuss. IHK-Ansprechpartner für den Berufsbildungs ausschuss: Simon Kaiser 0761 3858-150 simon.kaiser@ freiburg.ihk.de Serie (3/9): Interviews mit den IHK-Ausschussvorsitzenden » Besonders, mit gesetzlicher Grundlage « ZUR PERSON Günter Thiem (61) ist einer von zwei Vor- sitzenden des Berufsbildungsausschus- ses (BBA) der IHK. Er gehört dem Aus- schuss seit Anfang 2009 an, seit März 2018 als alternierender Vorsitzender. Thiem engagiert sich für die IHK zudem als Prüfer bei Aus- und Weiterbildungs- prüfungen von Verkäufern, Kaufleuten im Einzelhandel und Handelsfachwirten. Er hat selbst Kaufmann gelernt und sich zum Handelsfachwirt weitergebildet. Sein Unternehmen Edeka Markt Thiem betreibt fünf Filialen in der Ortenau mit zusammen rund 60 Mitarbeitern. Bild: Julia Stöhr
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