Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe März'20 -Hochrhein-Bodensee
ANZEIGEN Alle Zahlen und Fakten zum aktuellen Konjunk- turbericht https:// www.konstanz.ihk.de/ wirtschaftsbericht ihre Neuverhandlung eingefordert, die Wirtschafts- entwicklung in China hat sich verlangsamt, und der Brexit ist keineswegs ausgestanden – die Arbeit eines Handelsabkommens liegt noch vor uns, und die dafür zur Verfügung stehende Zeit wird von allen Experten für unzureichend eingeschätzt. All dies macht vielen exportorientierten Unternehmen zu schaffen. Es gibt aber auch Entwicklungen im Inland, die uns Sorgen be- reiten wie der abrupte Abgesang auf die Dieseltechno- logie. Auch Automobilzulieferer in unserer Region sind davon betroffen. Ein stockender Auftragseingang und nachlassende Auslastung sind objektive Parameter, die nichts Gutes verheißen. Sind bereits Konsequenzen spürbar? Vereinzelt wurde Kurzarbeit angekündigt, auch wurden schon Gespräche mit der Arbeitsverwaltung geführt, von einem massiven Beschäftigungsabbau sind wir aber weit entfernt. Das ist für unsere Mitgliedsunter- nehmen immer der letzte Schritt, wenn es gar nicht anders geht. Während der Wirtschaftskrise, die auf die Finanzkrise vor zehn Jahren folgte, haben die Unterneh- men erfolgreich die Strategie verfolgt, ihre Mitarbeiter zu halten und häufig die Chance einer Weiterbildung genutzt. Das hat sich ausgezahlt, als die Konjunktur wieder angesprungen ist. Inwiefern unterscheidet sich die Region von anderen Teilen Deutschlands? Wir bewegen uns konjunkturell weitgehend im Gleich- schritt mit dem Land. Innerhalb Baden-Württembergs liegen wir regelmäßig etwas über dem Landesschnitt. Das liegt auch an dem starken grenznahen Handel, der wiederum vom Einkaufstourismus aus der Schweiz profitiert. Wir haben immer darauf hingewiesen, dass es wenig klug wäre, diesen starken, positiven Einfluss auszubremsen. Dass wir damit richtig liegen, zeigt sich in einer Situation wie der aktuellen umso mehr. Wie sehen die Perspektiven für die kommenden Jahre aus? Grundsätzlich sind die Perspektiven nach wie vor gut. Wir sind aber gut beraten, wenn wir drei Dinge beher- zigen: Erstens neue technologische Entwicklungen er- gebnisoffen angehen und ideologiefrei diskutieren. Es ist noch keineswegs ausgemacht, wie wir uns in zehn Jahren bewegen werden und welche Technik dabei wo und in welchem Umfang zum Einsatz kommt. Politik soll Forschung und Entwicklung fördern, aber sie darf niemals vorgeben, was dabei herauskommen muss. Zweitens sollten wir die Lösungen, die uns erfolgreich dahin gebracht haben, wo wir sind, nicht vorschnell über Bord werfen. Nicht, weil Totgesagte bekanntlich länger leben – der Dieselmotor lässt grüßen –, sondern weil es volkswirtschaftlich einfach unklug ist, eine Technologie zu verwerfen, bevor eine Anschlusstechnologie tatsäch- lich bessere Ergebnisse zeitigt und auch im Echtbetrieb funktioniert. Der Diesel neuester Generation hat eine hervorragende Umweltbilanz und kann uns noch lange begleiten. Und drittens sollten wir bei aller Freude am Wandel nicht außer Acht lassen, was uns gestern, heute und morgen unverändert guttut. Bildung gehört dazu, le- benslanges Lernen, Forschungsförderung oder die Erhal- tung beziehungsweise der Aufbau einer leistungsfähigen Infrastruktur, Straße, Schiene, Breitband, Netzausbau, generell alles, was Beschäftigung sichert und aufbaut. Der Fachkräftemangel ist ja mitnichten überwunden, unsere Mitgliedsunternehmen räumen der Suche und Gewinnung qualifizierter Mitarbeiterinnen und Mitarbei- ter nach wie vor hohe Priorität ein. All diese Themen sind nicht obsolet, sondern essentiell, um mit Veränderungen erfolgreich umgehen zu können. Interview: hw »Wir bewegen uns konjunkturell weitgehend im Gleichschritt mit dem Land«
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