Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe März'20 -Hochrhein-Bodensee
22 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 3 | 2020 REGIO REPORT IHK Hochrhein-Bodensee Nach zehn Jahren des Aufschwungs schwächelt die deutsche Wirtschaft. Wie berechtigt ist die Sorge vor einem wirtschaftlichen Abschwung? Sie ist leider nicht unberechtigt. Die Erwartungen der Unternehmen im Bezirk der IHK Hochrhein-Boden- see haben sich, was die konjunkturelle Entwicklung anbelangt, deutlich eingetrübt. Zwar sind nicht alle Branchen gleichermaßen stark betroffen. Während Automobilzulieferer mit einer unsicheren Zukunft um- gehen müssen und bei Maschinenbauern die Aufträ- ge zurückgehen, geht es dem Dienstleistungsbereich noch sehr gut. Dort berichten immer noch mehr als die Hälfte der Unternehmen von guten Geschäften, trotz einem leichten Rückgang der Geschäftslage. Auch der Handel in unserer Region schätzt die Geschäftslage weiterhin sehr positiv ein. Im Saldo müssen wir uns aber darauf einstellen, dass sich das Hoch der letzten zehn Jahre so nicht fortsetzen wird. Die Lage ist also ernst? Wir sind konjunkturell seit 2008/2009 zehn Jahre lang auf einer Welle des Erfolgs gesurft, und jeder Surfer weiß, dass auch die beste Welle irgendwann ausläuft. Und dass er sich dann wird anstrengen müssen, um eine neue Welle zu finden. Dazwischen ist Kraft, viel IHK-Konjunkturumfrage » Noch keine dramatischen Entwicklungen « Die neuesten Zahlen zur Konjunktur im Bezirk der IHK Hochrhein-Bodensee liegen vor. Erstmals seit über zehn Jahren blicken in der IHK-Umfrage wieder mehr Unternehmen skeptisch als optimistisch in die Zukunft. Im Interview spricht IHK-Präsident Thomas Conrady darüber, was die Unternehmen bewegt, welche Branchen besonders betroffen sind und was aus Sicht der IHK zu tun ist. Thomas Conrady Arbeit, aber auch Kompetenz und Erfahrung gefordert. Aktuell sieht alles danach aus, dass wir in einer sol- chen Phase angekommen sind, wo eine große Welle ausläuft und noch nicht klar ist, wo und wie erfolgreich wir die nächste aufnehmen. Das ist, wenn man sich Konjunkturzyklen anschaut, nichts Ungewöhnliches. Auch gibt es keinen Grund, deshalb gleich von einer dramatischen Entwicklung zu sprechen. Nicht einmal eine Rezession ist unausweichlich. Positive und negati- ve Meldungen wechseln sich derzeit ab - sicher ist nur, dass wir uns in einer Phase der Unsicherheit befinden, und das gilt für technologische, strukturelle Verände- rungen, namentlich in der Automobilindustrie, genauso wie für die geopolitische Lage, von Handelskriegen und Zöllen über den Brexit bis zu den krisenhaften Entwicklungen im Nahen und Mittleren Osten oder in Nordafrika und der Frage des Umgangs mit Flüchtlings- strömen – alles Themen, die für eine exportorientierte Wirtschaft von elementarer Bedeutung sind. Was macht den Unternehmen besonders zu schaffen? Derzeit befinden wir uns in einer Zeit des Umbruchs. International werden Handelspartnerschaften infrage gestellt, multilaterale Verträge werden gekündigt oder Konjunktur-Indikator (Index aus Geschäftslage und Geschäftserwartungen) Region: insgesamt und Industrie 50 60 70 80 90 100 110 120 130 140 150 160 170 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 Industrie in der Region Region insgesamt Konjunktur-Indikator (Index aus Geschäftslage und Geschäftserwartungen) Region: insgesamt und Industrie 50 60 70 80 90 100 110 120 130 140 150 160 170 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 Industrie in der Region Region insgesamt Konjunktur-Indikator (Index aus Geschäftsla und Geschäftserwartungen) Region: insgesamt und Industrie 50 60 70 80 90 100 110 120 130 140 150 160 170 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 Industrie in der Region Region insgesamt Der Konjunktur- Indikator in der Industrie zeigt leicht nach unten, in der Region insgesamt ist er positiv. Bild: IHK/Mende
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