Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Februar'20 -Hochrhein-Bodensee

30 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 2 | 2020 Frau König, was ist das Besondere an Ihrer Stelle? Das Projekt Go.for.europe ist einmalig in Deutschland. Baden-Württemberg war im Sommer 2008 das erste Bundesland, das eine Servicestelle zum Thema Auslandsprak- tika für Azubis eingerichtet hat. Zu Anfang war das noch ein Pilotprojekt, doch die Resonanz war riesig. In den letzten zwölf Jahren konnten wir uns deshalb als landes- weite Servicestelle mit aktuell fünf Projekt- leiterinnen etablieren. Wir haben über 3.200 Auszubildenden ein Auslandspraktikum mit Erasmus+ in Europa ermöglicht. Das ist ein tolles Ergebnis, denn die deutschlandwei- te Mobilitätsquote beträgt derzeit – auch dank unserer Unterstützung – circa sieben Prozent. Sie sind jetzt seit zehn Jahren Projektlei- terin bei „Go.for.europe“. Was ist Ihr Fazit dieser Zeit? Es macht mir nach wie vor viel Spaß, für Go.for.europe zu arbeiten. Das Projekt hält immer wieder neue und spannende Aufgaben sowohl auf regionaler und nationaler als auch auf internationaler Ebene bereit. Neben der Entsendung von Auszubildenden ins Ausland kamen schon mehr als 220 Incomings nach Baden-Württemberg, um Einblicke in die deutsche Arbeitswelt zu erhalten. Für mich bedeutet das, mich immer wieder auf neue Auszubildende einzustellen, mit eigenem Charakter, verschiedenen Qualifikationen, Motivationen und Bedürfnissen. Deshalb wird die Arbeit auch nie langweilig. Machen junge Menschen während ihrer Ausbildung ein Auslandspraktikum, fehlen sie den Betrieben natürlich in dieser Zeit. Warum stimmen trotzdem so viele Unter- nehmen einem Auslandsaufenthalt ihrer Auszubildenden zu? Langfristig gesehen profitieren Betriebe stark von dem Angebot. Gerade in der dualen Berufsausbildung spielen Auslandserfahrun- gen eine immer größere Rolle, um langfristig gesehen mit Angeboten von Hochschulen mithalten zu können. Ermöglichen Betriebe dies ihren Auszubildenden, steigern sie die Attraktivität der Ausbildung stark. Außerdem kommen die Auszubildenden mit interkultu- rellen Kompetenzen, neuen Ideen und Ar- beitsmethoden frisch aus der Auslandspraxis zurück, die sie dann im besten Fall in den Ausbildungsbetrieb einbringen. Wollen Sie uns eine Anekdote aus Ihrer Zeit bei „Go.for.europe“ erzählen? Vor allem bei den Bewerbungen habe ich in den letzten Jahren oft schmunzeln müssen. Ein Bewerber hat doch tatsächlich mal ein Motivationsschreiben mit nur zwei Sätzen eingereicht. Auch wenn weniger oftmals mehr ist und ein gesundes Selbstbewusstsein von Vorteil ist, hat dies nicht ausgereicht, um sich eines der begehrten EU-Stipendien zu sichern. Könnten Sie Ihre Motivation in zwei Sät- zen beschreiben? Ich kann es zumindest mal versuchen: Zu einem erfüllten Job gehören für mich Begeis- terung, Wertschätzung und Herzblut. Ganz nach dem Motto: „Das wichtigste Stück des Reisegepäcks ist und bleibt ein fröhliches Herz“, wie es der Journalist und Schriftstel- ler Hermann Löns einmal ausgedrückt hat. Interview: doe VERENA KÖNIG Verena König (36) hat nach ihrem Ger- manistikstudium (BA) an der Universität Konstanz Event- und Projektorganisation am Euro-Business-College in München studiert. Während ihrer Studienzeit ab- solvierte sie unter anderem Praktika in der Öffentlichkeitsarbeit, im Marketing und beim Fernsehen. Nach ersten Be- rufserfahrungen im Kongressbereich kam Verena König im Januar 2010 zur IHK Hochrhein-Bodensee in Konstanz und leitet dort seitdem das landesweite Projekt „Go.for.europe“. „Go.for.europe“ ist ein Gemein- schaftsprojekt der baden-württem- bergischen Wirtschaft – des Baden- Württembergischen Handwerkstags, des Baden-Württembergischen Indus- trie- und Handelskammertags und des Verbands der Metall- und Elektroindus- trie Baden-Württemberg, Südwestme- tall. Das Projekt wird unterstützt vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds. Verena König 07531 2860-157 verena.koenig@konstanz.ihk.de » Einmaliges Projekt in Deutschland « Verena König ist seit 2010 Pro- jektleiterin bei „Go.for.europe“ mit Sitz in der IHK Hochrhein- Bodensee in Konstanz. Seitdem informiert, berät und unterstützt sie Auszubildende und Unterneh- men in Sachen Auslandsprakti- ka. Im Interview erzählt sie von ihren Erfahrungen. Interview mit Verena König zu „Go.for.europe“

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