Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Dezember '19 -Südlicher Oberrhein
12 | 2019 Wirtschaft im Südwesten 29 IHK Südlicher Oberrhein REGIO REPORT ANZEIGE Pascal Schiefer Geschäftsführer Carl Leipold, Wolfach Steffen Auer IHK-Präsident und Geschäftsführer Schwarz- wald-Eisen, Lahr Automobilzulieferer in der Region: Weniger Aufträge und Kurzarbeit Keine Krise wie 2009 D en Industrieunternehmen am südlichen Ober- rhein machen seit etwa einem Jahr deutliche Rückgänge bei den Auftragseingängen zu schaffen. Das ist ein Ergebnis der jüngsten IHK-Kon- junkturumfrage (siehe WiS 11/2019, Seite 17 und 18). IHK-Präsident Steffen Auer sagte, als er die Ergebnisse der Presse vorstellte: „Es ist eine klare Bremswirkung in der Wirtschaft vorhanden.“ Diese sei nicht so stark wie während der Finanzkrise 2008/09. Er rechne aber mit einer längeren Stagnation. Zu den Betroffenen in der Region gehören vor allem Unternehmen, die Au- tomobilhersteller beziehungsweise deren Zulieferer zu ihren Kunden zählen. Automobilhersteller und Zulieferer im engeren Sin- ne gibt es in Baden-Württemberg vor allem rund um Stuttgart, die Region ist daher stärker als der südli- che Oberrhein betroffen. Zulieferer im weiteren Sinne gibt es in der Region allerdings viele. 12,7 Prozent der Beschäftigten am südlichen Oberrhein arbeiten laut Bundesagentur für Arbeit in diesem Bereich (Stand Dezember 2018). Die größten Gruppen sind Maschi- nenbauer (rund 24.000 Beschäftigte) und Hersteller von Metallerzeugnissen (rund 19.000 Beschäftigte). Da die Automobilhersteller und die Betriebe, die in der Zulieferkette an den ersten Stellen rangieren, aufgrund zurückgehender Aufträge ihre Lagerbestände aufbrau- chen, bevor sie nachbestellen, fehlen den Firmen, die in der Lieferkette nach ihnen kommen, Aufträge. Zu diesen zählen viele regionale Unternehmen. „Wir haben Rückgänge im Auftragseingang“, sagte denn auch Pascal Schiefer, geschäftsführender Ge- sellschafter der Carl Leipold GmbH in Wolfach und Vorstandsmitglied der Bezirksgruppe Freiburg von Südwestmetall, beim Pressegespräch in der IHK in Freiburg. Sein Unternehmen produziert mit rund 360 Mitarbeitern unter anderem Metallteile für Automo- bilzulieferer. Es verzeichne zurzeit einen Umsatzrück- gang zwischen acht und zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Wie viele seiner Branchenkollegen reagierte auch die Carl Leipold GmbH mit Kurzarbeit – „in ganz kleinem Maße und auf jeden Fall bis Jahresende“, so Schiefer. Die Lage sei nicht mit der Finanzkrise 2009 vergleichbar, betonte auch er. Schiefer geht aber davon aus, „dass wir in den nächsten zwei bis vier Jahren kaum Wachstum haben werden“. Das Stop-and-go, das er erwartet, sei unglaublich anstrengend. Weni- ger Aufträge bedeuteten Kostendruck, daher würden jetzt viele Ausgaben auf den Prüfstand gestellt, wozu in den zurückliegenden acht Jahren des Wachstums keine Zeit gewesen sei. Und die Mitarbeiter würden beispielsweise die freie Zeit nutzen, um die Wohnung zu renovieren, was den Baumärkten wiederum steigende Geschäfte beschere. Neben den Auftragsrückgängen sieht Schiefer weitere Herausforderungen in der Digitalisierung (flächende- ckend schnelles Internet), der Klimadebatte und damit zusammenhängend der E-Mobilität. Leipold beispiels- weise macht etwa 30 bis 35 Prozent seines Umsatzes mit Teilen für den Verbrennungsmotor. Schiefer appel- lierte daher an die Bundesregierung, technologieoffen zu bleiben, nicht nur auf batteriebetriebene Autos zu setzen, sondern beispielsweise auch auf Hybridfahr- zeuge. „Wir brauchen Rahmenbedingungen von der Politik“, so Schiefer. Diese seien nötig, damit die Unter- nehmen investierten, neue Technologien entwickelten und den Strukturwandel hinbekämen. Zurzeit herrsche Unsicherheit. Er regte an, den Überschuss aus regene- rativ erzeugter Energie, den es jetzt zum Beispiel schon bei Offshore-Windkraftanlagen gebe, zu nutzen, um synthetische Kraftstoffe für den Verbrennungsmotor zu produzieren, was sehr energieintensiv sei. Dem pflich- tete IHK-Präsident Auer bei. Er sagte: „Deutschland muss alles tun, um den Verbrennungsmotor, bei dem es führend ist, zu erhalten.“ Steffen Auer ist als Geschäftsführer des Stahlgroßhänd- lers Schwarzwald-Eisen GmbH & Co. KG in Lahr auch selbst von der derzeitigen Wirtschaftslage betroffen. Die Preise seien gesunken, kein Stahlwerk arbeite zur- zeit profitabel. „Wir fahren unser Lager runter und sind sehr vorsichtig bei Neueinstellungen“, so Auer mae
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