Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Mai'19 - Hochrhein-Bodensee

5 | 2019 Wirtschaft im Südwesten 23 IHK Hochrhein-Bodensee REGIO REPORT Frühjahrssitzung des Industrieausschusses Entwicklung in der Schweiz und der Brexit im Fokus I m Zentrum der Frühjahrssitzung des Industrieaus- schusses standen die konjunkturelle Entwicklung in der grenznahen Schweiz und der bevorstehende Brexit. Unter Leitung des Vorsitzenden Dietmar Kühne, Ernst Kühne Kunststoffwerk-GmbH & Co. KG, tagten die Mitglieder in den Räumlichkeiten der SLG Kunststoff GmbH in Bernau. Die Verflechtungen der Wirtschaftsräume Hochrhein-Bo- densee und der Nordschweiz sind sehr mannigfaltig und eng. Dementsprechend interessant waren die Ausführun- gen, die Peter Lüscher, Geschäftsführer der Aargauischen IHK, zur aktuellen Wirtschaftslage im Kanton Aargau und der gesamten Schweiz gerade im Hinblick auf die Produk- tionsbetriebe vortrug. In den vergangenen Jahren erwiesen sich in der Schweiz die Industriebereiche „Pharma und Chemie“ sowie „Präzisionsinstrumente, Uhren und Bijouterie“ als Zugpferde der Schweizer Wirtschaft. Hiervon profitierte auch der Kanton Aargau, der mittlerweile sehr viele Arbeitsplätze im Bereich „Pharma und Chemie“ aufweist. Die Stimmung der Industriebetriebe für 2019 ist zuversichtlich. Der Abbau von Industriearbeitsplätzen nach dem Frankenschock 2015 ist gestoppt und Fachkräfte für die Industrie werden wieder verstärkt gesucht. Der zum Zeitpunkt der Sitzung immer noch nicht geklärte Brexit beschäftigt viele Unternehmen in der Region. Alexander Graf von der IHK gab einen Überblick über die aktuelle politische Situation sowie die wirtschaftliche Bedeutung von Großbritannien für Baden- Württemberg. Unsicherheit besteht insbesondere bei zollrechtlichen Eckpunkten für den Warenaustausch, aber auch bei arbeitsrecht- lichen Meldevorschriften und weiteren rechtlichen Aspekten, die schnellstmöglich für die Unternehmen geklärt werden müssen. Im Anschluss tauschten sich die Unternehmen über ihren Umgang mit dieser Situation aus. Den Abschluss bildete eine hochinteressante Führung durch die Produktionsanlage der Firma SLG Kunststoff GmbH in Bernau. Das 1978 gegründete Unternehmen beschäftigt heute rund 280 Mitar- beiter. 20.000 Tonnen Rohmaterial werden in den beiden Standorten Bernau und Heitersheim jährlich zu hochwertigen Kunststoffspritz- gussteilen verarbeitet. Mitgesellschafter Gunter Stockkamp gab dabei spannende Einblicke in das Produktionsverfahren und die Vielfalt der Produktpalette. AG Die Mitglieder des Industrieausschusses mit Referent Peter Lüscher. Veranstaltung zu einem No-Deal-Brexit und den Folgen Große Unsicherheit, großes Interesse H arter Brexit – ja, nein oder bis wann? Die Unsi- cherheit, wie es mit dem Brexit weitergeht, ist nach wie vor groß. Umso größer war das Interesse an der Veranstaltungsreihe „Brexit: Vorbereitung auf ein No-Deal Szenario“ der IHK Ende März. Dazu wur- den die zollrechtlichen Aspekte von Vertretern des Hauptzollamtes Lörrach und Singen an Beispielen vorgestellt. So ist Ware mit Ursprung Großbritan- nien nicht mehr bei den Präferenzberechnungen anwendbar und Lieferantenerklärungen müssen neu erstellt werden. Auch die rechtlichen Aspekte wurden in Schopfheim von Heidrun McKenzie und Marion Strolka von Bender Harrer Krevet sowie in Konstanz von Matthias Döring und Stefan Jäckel von GDK Rechtsanwälte vorgestellt. Hier wurde jeweils beleuchtet, welche Auswirkungen auf Bestands- und Neuverträge, welche arbeitsrechtlichen Folgen und welche Datenschutzprobleme auftreten werden. Zudem liegt es nahe, dass auch die vereinbarten Incoterms überdacht werden sollten. Einen Bericht aus Unternehmensperspektive lieferten Michael Regula von der Global Safety Textiles GmbH bei der Betrachtung der Lieferantenkette sowie Julian Gräble von Transco Süd Internationale Transporte GmbH aus Sicht eines Logistikunternehmens mit regelmäßigem Englandverkehr. Die Veranstaltungen wurden bewusst wenige Tage vor den geplanten Brexit gelegt, um zumindest einige weitere wichtige Punkte wie zum Beispiel CE-Kennzeichnung, Mitar- beiterentsendung oder Einfuhrvorschriften schon klären zu können. Bö Informierten zu den Folgen eines No-Deal-Brexits (von rechts): Wolf- Dietrich Rode (Zollamt Konstanz- Autobahn), Denise da Silva Deterling (Hauptzollamt Singen), Julian Gräble (Transco Süd), Hartmut Katz (Zollamt Deißlingen), Stefan Jäckel (GDK Rechtsanwälte), Bertine Geyer (Haupt- zollamt Singen), Matthias Döring (GDK Rechtsanwälte) und Uwe Böhm (IHK).

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ2MDE5