Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Dezember'18 - Schwarzwald-Baar-Heuberg
Wirtschaft im Südwesten 12 | 2018 II REGIO REPORT IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg Trotz „Aktionsplan Stromnetze“: IHK sieht weiteren Handlungsbedarf beim Netzausbau Ausbau hinkt hinterher D er tatsächliche Ausbau der Stromnetze hinkt aktuell dem ge- planten Ausbau hinterher. Dieser soll vor allem dazu dienen, den Windstrom aus dem Norden in den Süden zu transportieren, wo eine deutlich höhere Nachfrage nach Elektrizität besteht. Dabei liegt der aktuell ermittelte Ausbaubedarf in Deutschland bei rund 7.700 Kilometern, was etwa der Strecke von Berlin nach Peking entspricht. Doch bislang ist nur wenig geschehen. Von diesem erforderlichen Ausbau an neuen Leitungen sind bislang erst 1.750 Kilometer ge- nehmigt und 950 Kilometer auch tatsächlich realisiert worden. Der nun von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier vorgestell- te Aktionsplan Stromnetz schlägt eine Vielzahl an Maßnahmen vor, die den Netzausbau weiter beschleunigen sollen. Nach erster IHK-Einschätzung könnten die darin aufgeführten Aktionen zwar durchaus geeignet sein, einen Beitrag zur Beseitigung von Netz- engpässen zu leisten. Allerdings lässt er auch Fragen unbeantwortet: „Uns fehlt zum Bei- spiel ein konkreter Zeitplan, bis wann welche Maßnahmen gesetz- geberisch und anschließend durch die Netzbetreiber umzusetzen sind. Fast vollständig ausgeblendet werden im Aktionsplan auch Maßnahmen, um die Akzeptanz des Netzausbaus vor Ort zu verbes- sern. Denn ohne die Akzeptanz der Betroffenen vor Ort lassen sich derartige Projekte nur schwer realisieren“, so IHK-Energiereferent Marcel Trogisch.Er unterstreicht dabei auch die Bedeutung dieses Themas: „Wir sind hier in der Region zwar nicht direkt von grö- ßeren Ausbaumaßnahmen betroffen, dürfen das Thema dadurch aber nicht völlig außer Acht lassen“, so der Energiereferent weiter. Dass angesichts der Verzögerungen beim Netzausbau auch die Unternehmen im Süden anfangen, sich Gedanken um die künftige Versorgungssicherheit zu machen, zeige die Auswertung des jüngs- ten IHK-Energiewendebarometers. Bei dieser jährlichen Befragung von mehreren tausend Betrieben in Deutschland zählt laut IHK der zügige Netzausbau zwischenzeitlich zu den Top-Themen der Industrie im Land und der Region. Tro Marcel Trogisch, Fachbereich Innovation | Technologie Telefon: 07721 922-170, trogisch@vs.ihk.de Mountains-Tour bei Kern-Liebers in Schramberg Einblicke ins Innovationsmanagement F ür Kern-Liebers zählt nicht nur, was man kann, sondern auch, dass man es besser oder früher kann als andere: Diese Bot- schaft nahmen rund 60 Mitglieder des Unternehmensnetzwerks Technology Mountains mit von ihrem Besuch am Stammsitz des renommierten Federn- und Platinenherstellers in Schramberg. Im Rahmen der Mountains-Tour hatte der internationale Zulieferer der Automobil-, Textil- und Konsumgüterindustrie seine Tore für die Netzwerkkollegen geöffnet. Dirk Heers, Geschäftsführer und Technischer Direktor der Kern- Liebers-Gruppe, führte die Gäste zunächst in die Eckdaten des Kon- zerns ein: 747 Millionen Euro Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr 2017/18, weltweit über 8.000 Mitarbeiter an 52 Standorten, davon alleine am Stammsitz in Schramberg über 1.400 Mitarbeiter in fünf Geschäftsbereichen – diese Zahlen machten Eindruck. Nach star- kem Wachstum hinsichtlich des Personals und der Neuinvestitionen sei man inzwischen ein wenig verhaltener mit Neueinstellungen: So sehe man mit etwas Sorge auf die Entwicklung im Automotive- Bereich, speziell für die Teilezulieferung zu Dieselmotoren erwarte man in absehbarer Zeit stagnierende Wachstumszahlen, wie Heers berichtete. Umso wichtiger sei es, mit Innovationen die Geschäfts- entwicklung voranzutreiben, wie Christian Stemplinger, Leiter des Innovationsmanagements sagte. Stemplinger gab den Gästen einen Überblick darüber, wie bei Kern-Liebers außerhalb der gewohnten Innovationszyklen Ideen voran- getrieben werden. So warte man nicht erst auf Kundenanfragen, sondern sammle permanent Ideen und bewerte diese nach einem eigens hierfür entwickelten Verfahren hinsichtlich ihrer Markt- und Ertragschancen. „Nur zwei bis drei von 100 Ideen wer- den tatsächlich bis zur Marktreife entwickelt“, zeigte Stemplinger auf: Innovationen entstehen dabei in den unterschiedlichsten Berei- chen: Nicht nur in der Produktsparte werden Neuheiten generiert, sondern auch in Prozessen, in Technologien allgemein, oder auch im Bereich der Dienstleistungen. Wie solche Ideen konkret aussehen, demonstrierte Joachim Jahnke, Leiter der Vorentwicklung, anhand einiger Produktbeispiele.So liefen schon Versuche zur Anwendbarkeit von 3D-Metalldruck im Laser- schmelzverfahren, es wurden Flachdrähte aus Aluminium für leich- tere Elektromotoren ebenso entwickelt wie extrem hitzebeständige Federn aus Keramik, die den thermischen Belastungen moderner Abgassysteme gewachsen sind. „Die Gäste zeigten sich sichtlich beeindruckt: nicht nur von der Größe und Leistungsfähigkeit der Unternehmensgruppe, sondern von der Innovationskraft als wich- tiger Teil der Unternehmensstrategie für die Zukunftssicherung“, freut sich Organisatorin der Mountains-Tour, Daniela Jardot von Technology Mountains. Ja Daniela Jardot, Fachbereich Innovation | Umwelt Telefon: 07721 922-121, jardot@vs.ihk.de Bild: Ralph Gravenstein In Gruppenführungen lernten die Teil- nehmer bei Kern-Liebers die verschiede- nen Produktionsbereiche kennen.
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