Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe November '18- Schwarzwald-Baar-Heuberg

Wirtschaft im Südwesten 11 | 2018 28 REGIO REPORT  IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg Herr Schmiermund, was beunruhigt unsere Unternehmen in den internationalen Beziehungen ganz besonders? Der aktuelle globale Handelskonflikt zwischen den USA und China, die politische Entwicklung in der Türkei, oder der Austritt Großbritanniens aus der EU verunsichert auch unsere Region zunehmend. Unsere Unternehmen sind dadurch oft doppelt be- lastet mit Kosten, die zu dem Zeitpunkt nicht bestanden, als sie sich Jahre zuvor aus wirtschaftlichen Gründen für eine weltweit arbeitsteilige Fertigung entschlossen haben. Mit welchen strategischen Überlegungen sehen sich Unternehmen im Ausland konfrontiert? Der globale Welthandel verändert nachhaltig die Märkte und nationale Gesetze regeln zunehmend den Warenverkehr und Dienstleistungen. Die seit Jahren von der EU ver- folgte, offene Handelspolitik mit dem Zugang zu freien Märkten wird aktuell sichtbar in Frage gestellt durch nationale Einzelinteressen neu gewählter Regierungspartner. Unternehmen, die sich möglicherweise schon vor Jahren für eine Niederlassung in einem Billiglohnland entschlossen hatten, befassen sich zunehmend mit strategischen Überlegungen, ob sie die Produktion zum Beispiel aus China abziehen. Denn niedrige Fertigungskosten im Rahmen von Industrie 4.0 durch Vollautomatisierung und Digita- lisierung könnten auch hier in Deutschland erreicht werden. Ein weiterer Vorteil wäre, wenn durch die Rückverlagerung der wertvolle deutsche Ursprung als Verkaufsargument aufschlägt. Strategisch kann sich jedoch auch ergeben, dass mit der Niederlassung in China noch stärker der Markt bearbeitet werden soll. Wo sehen Sie die größten Risiken für unsere Unternehmen im Auslandsgeschäft? Risiken bestehen häufig, wenn in der weiten Produktionskette von Lieferanten und Dienstleistern Informationen fehlen, die für eine Ausfuhr relevant sein können. Oft sind diese Kenntnisse bei Vertragsabschlüssen nicht bekannt oder ergeben sich während der Produktion. Hier entstehen Kosten, die oft nicht einschätzbar sind. Ein interner Informationsaustausch im Unternehmen zwischen dem Einkäufer, der Produktion, der Verwaltung und dem Vertrieb ist unbedingt erforderlich und hilft, projektbezogen Wagnisse zu erkennen und auf zusammenhängende globale Veränderungen zu reagie- ren. Mehrkosten können so früher erkannt und auf neue gesetzliche Vorgaben kann reagiert werden. In all diesen Punkten sind alle Unternehmen gefordert, die im Ausland geschäftlich unterwegs sind. ZUR PERSON Manfred A. Schmiermund (Jahrgang 1962) arbeitet seit 1995 als Bereichslei- ter Logistik, Global IT, Organisation bei der Gebrüder Martin GmbH & Co. KG in Tuttlingen. Zuvor hatte er diverse leitende Funktionen inne, zum Beispiel bei der Ho- echst AG, den Behringwerken in Marburg und bei Uhde in Dortmund. Internationale Erfahrung sammelte Manfred Schmier- mund in Brasilien, Spanien und Portugal. » Der globale Handel verändert die Märkte « Nicht nur US-Präsident Donald Trump hat in eine immer stärker globalisierte Welt noch mehr Unruhe hereingebracht. Ins- gesamt sind die Handelsbeziehungen zwischen den Staaten im- mer mehr von Unsicherheit geprägt. Manfred Schmiermund hat als Prokurist der Gebrüder Martin GmbH & Co. KG in Tuttlingen und kommissarischer Vorsitzender des IHK-Außenwirtschafts­ ausschusses große Einblicke, worauf es in den Außenhandels­ beziehungen derzeit ankommt. Interview zu den internationalen Handelsbeziehungen

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