Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe November'18 - Hochrhein-Bodensee

11 | 2018 Wirtschaft im Südwesten 29 Vereinbarkeit von Beruf und Familie Für mehr „Väterzeit“ V iele Männer und Frauen wollen beides: Familie und Beruf. Unternehmen müssen daher lernen, Männern genauso selbstverständlich wie Frauen Ver- einbarkeitsangebote zu unterbreiten und damit zu rech- nen, dass junge Väter diese gerne annehmen. Aber was fordern die Beschäftigten heute eigentlich? Fakt ist: Laut Väterbarometer vom November 2016, das im Auftrag des Unternehmensprogramms „Erfolgsfaktor Familie“ durchgeführt wurde, möchte die Hälfte aller Väter die Arbeitszeit reduzieren. Unter den jungen Vä- tern zwischen 18 und 29 Jahren möchten dies sogar mehr als zwei Drittel. Der Anteil der jungen Väter, die bis zu 20 Prozent ihrer Arbeitszeit reduzieren möchten, hat sich gegenüber 2015 verdoppelt. Auch die Zahl der Elterngeld beziehenden Väter ist laut Statistischem Bundesamt im Vergleich zu 2015 um zwölf Prozent gestiegen. Für 34,2 Prozent der 2014 geborenen Kinder beziehen auch Väter Elterngeld. Väter fühlen sich (noch) nicht angesprochen Angesichtes dieser Wünsche und des tatsächlichen Engagements durch Elternzeit drängt sich die Frage auf, warum Väter die klassischen Instrumente der Ver- einbarkeit nur zu 46 Prozent nutzen, wie die Studie zu Renditepotenzialen der Vereinbarkeit des Bundesfa- milienministeriums zeigt. Die Quote bei Müttern liegt übrigens bei 81 Prozent. Das hat mehrere Gründe: Zum einen fühlen Väter sich oft nicht angesprochen und kritisieren die Unternehmenskommunikation als zu stark auf Frauen ausgerichtet. Zum anderen befürchten 27 Prozent der Väter zwischen 25 und 40 Jahren im Fall einer Inanspruchnahme familienfreundlicher Ange- bote immer noch eine schlechtere Wahrnehmung der Leistungen durch Vorgesetzte - und 23 Prozent sogar eine Gefährdung ihrer Karriere. Dabei ist es gar nicht so schwer, die Themen zielgrup- pengerecht für Väter aufzubereiten und erfolgreich zu adressieren. Dafür sollte man regelmäßig Beispiele von Vätern – am besten auch von Führungskräften –, die unterschiedliche Lebensmodelle repräsentieren, kom- munizieren und dabei nicht nur die Sprache, sondern auch die Bildwelt an die Wahrnehmung der Männer anpassen. Denn Väter nehmen erwiesenermaßen fünf- mal öfter Elternzeit, wenn männliche Führungskräfte im Unternehmen auch in Elternzeit gehen. Vertretungsmanagement ebnet Weg in „Väterzeit“ Aus Unternehmenssicht sind viele Probleme gelöst, wenn es ein funktionierendes Vertretungsmanagement gibt. Aus Vätersicht ist es dann wesentlich einfacher, auch länger Elternzeit als nur zwei Monate zu bean- tragen. „Führen auf Probe“ ist zum Beispiel ein Inst- rument, um Führungskräfte in Elternzeit zu ersetzen. Jeder kann sich bewerben und eine gewisse Zeit seine oder ihre Führungsqualitäten unter Beweis stellen und weiterentwickeln. So verbindet ein Unternehmen ganz nebenbei Führungskräfteentwicklung mit Vertretungs- management. Und das klappt nicht nur bei Führungs- positionen. Immer wieder sind Beschäftigte inhaltlich mit ihren Aufgaben nicht zufrieden, weil diese nicht gut genug zu ihren Talenten passen. Unter dem Stichwort „Jobenlargement“, was eine Vergrößerung in der Viel- falt der Arbeitsbezüge und dadurch mehr Zufriedenheit beschreibt, können Aufgaben intern umverteilt und einzelne Beschäftigte weiterqualifiziert werden. Dies setzt nicht nur Energie, sondern auch Zeit frei. Am Rande gelingt so auch eine Absprache zu Elternzeit- vertretungen. Larissa Roy-Chowdhury, Netzwerkbüro Erfolgsfaktor Familie www.erfolgsfaktorfamilie.de IHK Hochrhein-Bodensee REGIO REPORT Hintergrund Das Unternehmensnetzwerk „Erfolgsfaktor Familie“ wurde 2007 vom Bundesfamilienmi- nisterium und dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag als zentrale Plattform für familienfreundliche Unternehmen gegründet. Seither wächst es kontinuierlich und umfasst mittlerweile über 6.850 Mitglieder vom Kleinstbetrieb bis zum Dax-Unternehmen. Das Netzwerkbüro unterstützt mit seinen Angeboten vor allem kleine und mittlere Be- triebe bei der praktischen Umsetzung einer familienfreundlichen Personalpolitik. Vereint im Alltag sind Männer und ihre Kinder meist nicht so häufig. Bild: Fotolia Ansprechpartne­ rin zum Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie bei der IHK ist Elke Faupel, Tel. 07531 2860163, EMail: elke.faupel@ konstanz.ihk.de

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