Auch Carolin Deberling, IHK-Vizepräsidentin und Geschäftsführende Gesellschafterin der Agentur Gruppe Drei, bestätigt: „Die Stärke der Region liegt im Miteinander – und genau davon profitieren wir seit vielen Jahren.“ Villingen-Schwenningen sei kein anonymer Wirtschaftsraum, sondern ein Netzwerk, in dem man sich kennt, austauscht und aufeinander vertraut. Und noch mehr: Die Region habe den Anspruch, sich aus sich selbst heraus weiterzuentwickeln. Das Tüfteln, das permanente Hinterfragen und Neu-Denken sei in der Unternehmer-DNA verankert. Dabei sei die industrielle Tradition alles andere als ein Hintergrundrauschen: „Sie ist unser Fundament.“ Branchen wie Feinmechanik, Automotive oder Medizintechnik hätten über Jahrzehnte eine Kultur geprägt, in der Präzision, Ingenieursdenken und Qualität selbstverständlich sind. Und genau das sei mit ein Grund, warum der Umzug der 1989 gegründete Marken- und Kommunikationsagentur im April in das ehemalige Burger-Spritzguss-Gebäude für sie mehr ist als ein Ortswechsel: „Er ist ein klares wirtschaftliches Bekenntnis zum Standort, ein strategischer Schritt, um den kommenden Herausforderungen der Branche aktiv zu begegnen.“
Talente und Innovationsschmiede
Eine zentrale Rolle im Innovationsprozess spielt die Hochschule Furtwangen mit ihrem Campus in Schwenningen. Rektorin Alexandra Bormann betont: „Wir prägen den Wirtschaftsstandort Villingen-Schwenningen als Ausbildungsstätte für Fachkräfte, als Innovationspartner und als Standortfaktor im Wettbewerb um Talente.“ Viele Studierende stammen aus der Region, viele bleiben nach dem Abschluss hier – und viele bringen schon während des Studiums frische Ideen direkt in die Unternehmen. Praxissemester, Studienprojekte und Werkstudierendentätigkeiten sorgen für einen kontinuierlichen Wissenstransfer. Die Hochschule ist direkter Innovationspartner für die Unternehmen der Region. In anwendungsorientierten Forschungsprojekten arbeiten Professoren gemeinsam mit Unternehmen an konkreten Lösungen – etwa zu Digitalisierung, künstlicher Intelligenz, Medizintechnik oder nachhaltigen Prozessen. Und über Labore, Kooperationsprojekte und das hauseigene Forschungs- und Transferzentrum gelangen neue Technologien und Methoden direkt in die betriebliche Praxis. „Gerade kleine und mittlere Unternehmen profitieren von diesem niedrigschwelligen Zugang zu Forschung und Entwicklung.“
Doch ein Wirtschaftsstandort lebt nicht allein von Technologie – er lebt auch davon, wie attraktiv er für Menschen ist. Gunter Welzer, Vorstand der Sparte Handel und Gewerbe Schwenningen im Gewerbeverband Oberzentrum, beschreibt den Handel als wichtigen Baustein. „Ortsansässige Firmen gewinnen Arbeitskräfte leichter, wenn Handel und Gastronomie attraktiv sind“, sagt er. Veranstaltungen wie Antikmarkt, Kulturnacht oder der Stadtstrand bringen Leben in die Doppelstadt. Villingen punktet mit historischer Innenstadt, Schwenningen entwickelt neue urbane Projekte – zusammen entstehe eine Mischung aus Tradition und Aufbruch, die den Standort lebenswert macht.
Gleichzeitig blickt die regionale Wirtschaft mit realistischem Gespür auf globale Risiken. Volksbank-Chefin Irmgard Sachsenmaier formuliert es nüchtern: „Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich spürbar verschlechtert.“ Steigende Energiekosten, geopolitische Unsicherheiten, zurückhaltende Investitionen – all das bremse die Dynamik. Dennoch bleibt Sachsenmaier optimistisch: „Villingen-Schwenningen ist und bleibt ein leistungsfähiger Standort mit einer breiten industriellen Basis und hoher Innovationskraft.“ Der Standort verfüge über eine robuste Struktur und gute Voraussetzungen, um gestärkt aus der aktuellen Phase hervorzugehen. Der starke Mittelstand, solide Kapitalquoten und die Fähigkeit, auch in schwierigen Phasen strategisch zu bleiben, seien dafür entscheidend. „Zudem sehen wir auch eine Fokussierung der Unternehmen auf den Bereich der Wehrtechnik als neues Wirkungsfeld.“ Villingen-Schwenningen bleibt damit ein Standort, der nicht nur Wandel bewältigt, sondern ihn – wie so oft in seiner Geschichte – selbst gestaltet.