„Angemessene Wertschätzung“
Wie kamen Sie darauf, Lokführer für den Güterverkehr zu vermitteln?
Durch private Kontakte und den massiven Personalmangel, der in diesem Berufszweig herrscht.
»Ich bin mit viel Demut hergekommen«
Die große Identifikation mit dem, was sie tut, und ihre sympathische, natürliche Art haben der Rostockerin die Eingewöhnung in der neuen Arbeits- und Lebenswelt erleichtert. „Ich wurde hier sehr gut aufgenommen“, sagt Sternberg. Aber sie weiß, dass dies auch mit ihrer eigenen Einstellung zu tun hat. „Ich bin mit sehr viel Demut hierher gekommen, und ich habe bis heute sehr viel zu lernen.“ Dazu zählt beispielsweise die umfangreiche Regulatorik, die sie aktuell deutlich mehr Zeit kostet als die Entwicklung neuer Produkte. Im Hinblick auf die ab Mai 2020 geltende europäische Medizinprodukteverordnung muss Aesculap – wie alle anderen in der Branche – sein riesiges Bestandsportfolio auf den Prüfstand stellen. Sternberg regt sich darüber nicht auf. Sie sieht das Gesetz als Teil ihres Lernprozesses auf dem Weg von der Wissenschaft in die Industrie.
Woher kommt diese Entschlossenheit, Medizintechnikprodukte zu machen, gab es ein Schlüsselerlebnis? Ja, aber es hat nichts mit Helfersyndrom zu tun, sondern mit der Frage nach der Anwendung. Sternbergs Doktorarbeit über Reaktionsmechanismen von Molekülstrukturen war sehr grundlagen-, nicht anwendungsorientiert. Die Fragen von Freunden „Was habe ich davon?“ motivierten sie, nach einer Anwendung für dieses Wissen zu suchen. So kam sie zur Implantat- und damit zur Medizintechnik. Katrin Sternberg verfolgt ihren Weg konsequent. Sie ist ein sehr strukturierter Mensch, erwartet das aber nicht von anderen. „Wie sie ihre Arbeit organisieren und zum Ziel kommen, ist nicht entscheidend. Das Ergebnis zählt.“ Sie arbeitet gerne mit anderen zusammen, ist ein Teamplayer, auch in ihrer Führungsposition. Dünkel und Chefallüren sind ihr fremd, die erste Frau im Aesculap-Vorstand zu sein, ist kein Thema für sie.
Im August ist Katrin Sternberg 50 geworden. Ist die Zahl ein Problem? „Nein“, antwortet sie. „Die Basis lege ich ja vorher, nicht erst im Umschwung von 49 auf 50. Und ob ich mich fit fühle, habe ich selbst in der Hand.“ Für Mannschaftssportarten fehlt ihr mittlerweile die Zeit. Sie geht zusammen mit ihrem Mann regelmäßig ins Fitnessstudio. Und sie wandert leidenschaftlich gern. Das hat ihr geholfen, im Schwarzwald anzukommen. Das einzige, was sie von der alten Heimat noch vermisst, sind – außer Familie und Freunden – der Geruch der Ostsee und der Fisch.
kat
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