Neujahrsempfang mit Wirtschaftsweisheit
Am Montag, 8. Januar, trifft sich die regionale Wirtschaft mit Vertretern aus Politik, Verwaltung und gesellschaftlichen Institutionen zum traditionellen Neujahrsempfang der IHK Südlicher Oberrhein....
Frau Lechler, was können Unternehmer von Ihrer Sprechstunde erwarten?
Daniela Lechler: Im Vorfeld des Gesprächs stellen mir die Unternehmen Informationen zur Verfügung, über sich und das Produkt. Ich schaue mir die Homepage an – sofern es eine gibt – und deren SEO-Score, der entscheidend für die Google-Listung ist. Die Homepage an sich schaue ich mir aus Sicht des Kunden an: Wie kommt der Besucher auf die Seite und findet er das, was er will, innerhalb von drei Klicks? Oder steigt er vorher schon wieder aus? Gibt es zu viel Text und kaum Bilder? Es geht dabei also um das Thema: „Storytelling“ und um die „Customer Journey“.
Ich erkenne recht schnell, was nicht passt und kann konkrete Tipps geben. Oft gebe ich den Unternehmern am Ende ein kleines Aufgabenpaket mit, was sie ändern sollten. Ich kann aber keine komplette Marketingstrategie erarbeiten.
Manchmal kommen auch Neugründer zu mir in die Sprechstunde, die ich dann überraschen kann. Nämlich damit, dass es staatliche Förderung für Neugründer gibt und dass diese bei der Gründung aus der Arbeitslosigkeit heraus mit einem AVGS-Schein komplett kostenlos ist.
… beschäftigt sich seit über 30 Jahren mit strategischem und operativem Marketing. Sie ist selbständige Marketing-Beraterin, IHK zertifizierter Business-Coach und Mentaltrainerin. Sie ist für öffentliche Förderprogramme zugelassen, darunter die Existenzgründer- und Kurzberatung vom RKW oder das Gründercoaching als AVGS-Maßnahme, das komplett vom Arbeitsamt bezahlt wird.

Welche Themen beschäftigen die Unternehmer am häufigsten?
Meistens geht es darum, wie Produkte und Dienstleistung am besten verkauft werden können. Also um die Frage, warum soll der Kunde gerade meine Pudelmütze kaufen und nicht irgendeine andere. Und wie verkaufe ich noch mehr davon? Von mir kommen dann Fragen wie: Was genau ist dein Produkt? Was ist deine Dienstleistung? Vor allen Dingen, was ist dein Alleinstellungsmerkmal? Was ist der Mehrwert für den Kunden? Und welche Zielgruppe soll angesprochen werden?
Ein weiteres häufiges Thema ist Social Media, da besteht oft große Unsicherheit. Wo soll ich posten und wie oft? Oder auch die Frage, ob eine Homepage wichtig ist. Gerade alteingesessene ältere Unternehmen oder Einzelunternehmen sind da unsicher. Ihnen erkläre ich, dass die Homepage die frühere Visitenkarte ist und inzwischen ein absolutes Muss ist.
Allerdings gibt es eine Ausnahme: Wenn die Nachfrage sehr groß ist und es eine sehr eingeschränkte Zielgruppe gibt, die man über andere Wege erreichen kann, etwa durch Mund-zu-Mund-Propaganda.
Welches Thema sprechen Sie Ihrerseits immer an?
Ich frage immer als erstes nach dem „Elevator Pitch“, also nach einer kurzen Zusammenfassung der Geschäftsidee. Damit möchte ich in ein paar Sätzen erfahren, um welche Produkte es geht und was das Unternehmen ausmacht.
Wo sehen Sie den größten Handlungsbedarf in Sachen Marketing?
Unternehmen vergessen oft, die Kundensicht einzunehmen. Aber genau um die geht es. Und vor allem sollten sie keine Angst vor Marketing haben, lieber ein bisschen mehr als zu wenig. Es gibt hier leider kein „Allheilmittel“, man muss einfach ein bisschen ausprobieren und vor allen Dingen Marketing nie „stiefmütterlich“ behandeln. Für erfolgreiche Unternehmen gilt folgende Formel: 60 Prozent Marketing, 20 Prozent Produkt und 20 Prozent Bürokratie.
Was können Sie innerhalb einer Stunde Beratung erreichen?
Immer einen Aha-Effekt, denn jeder Unternehmer hat erst mal seine eigene Sichtweise und da ist es wichtig, mal eine andere Sicht zu erhalten! In einer Stunde kann ich die Marke natürlich nicht neu erfinden. Ich bin aber ein großer Fan von Hilfe zur Selbsthilfe und kann den Unternehmern sehr viele Tipps und die ein oder andere Hausaufgaben mitgeben.
Für Unternehmen sind die Marketingsprechtage kostenlos. Woher kommt Ihr Engagement?
Es macht mir einfach sehr viel Spaß. Ich mache es aber auch für mich selbst, aus Marketing- und Imagegründen natürlich. Außerdem ermöglichen mir die Sprechstunden, nah am Kunden zu sein und zu sehen, wo der Schuh gerade drückt. Auch ich lerne dadurch sehr viel und bin sozusagen immer am Puls der Zeit.
Das Gespräch führte Daniela Santo.
Bild: Adobe Stock – Kaleb
… sind für Unternehmen kostenfrei und finden immer freitags in der Zeit von 8.30 bis 14.30 Uhr an folgenden Terminen statt: 19. Januar, 8. März, 3. Mai, 19. Juli, 30. August und 22. November.
Weitere Informationen und Anmeldung unter www.ihk.de/freiburg – 4811384
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